[identity profile] rei17.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Ravenclaw
Fandom: The Avengers
Charaktere/Pairings: Natasha Romanoff, Steve Rogers, Tony Stark
Wörter: ~1700
Prompt: Romantik/Intimität + "Lass uns das gemeinsam tun"
Warnungen: AU, keiner hat Superkräfte-AU, tiny pre-serum!Steve, Natasha hat PTSD, Tony hat Substanzprobleme
Inhalt: Natasha und Steve bonden. Aus Versehen. Wegen Tony.
Vorwort: Direkte Fortsetzung von hier.



Sie läuft Steve ein paar Mal im Treppenhaus über den Weg (der Aufzug ist immer noch kaputt), aber wenn das passiert nickt sie kurz in seine Richtung, er lächelt scheu und sie wechseln keine Worte. Und das ist nicht gemein.
Das ist genauso wie Natasha es haben möchte.
Da kann Maria auch noch so vorwurfsvoll gucken, das wird nichts daran ändern.

Am Donnerstag funktioniert der Aufzug, was so außergewöhnlich ist, dass Natasha zweimal hoch und runterfährt, einfach nur weil sie kann.
Sie hat die meisten Umzugskartons ausgepackt, ihr Bett ist endlich aufgebaut und sie hat ihre Computerwand wieder so komplett installiert, dass sie nicht länger eine Ausrede hat ihre Arbeit vor sich herzuschieben.
Alles in allem ist es ein guter Tag. Aber als sie oben aussteigt, liegt eine zusammengesackte Gestalt vor ihrer Wohnungstür. Auf dem Boden.
Natasha bleibt stehen.

Es ist ein Kerl, jung, und mit Schopf wilder, dunkler Haare, die irgendwann mal gegelt waren aber jetzt nur noch in alle Richtungen abstehen. Er hat die Beine vor sich ausgestreckt als ob er an der Wand entlang zu Boden gerutscht ist und sein Kinn ist nach vorne auf seine Brust gesunken.

„Hey“, sagt sie probeweise.

Er grummelt unwillig. Er trägt eine riesige Sonnenbrille, die ihm halb von der Nase gerutscht ist. Seine Klamotten sehen aus, als ob er in ihnen geschlafen hätte und jetzt wo sie unmittelbar vor ihm steht, fällt Natasha auf, dass er riecht wie eine ganze Brauerei. Sie ist nicht sicher, ob er hier wohnt oder ein Obdachloser ist, der sich hierher verirrt hat.

Natasha hebt die Augenbrauen. „Was wird das hier? Ein Sitzstreik?“ Sie hat zwei Meter Sicherheitsabstand und der Typ sieht nicht so aus als ob er zu schnellen Bewegungen fähig ist. Oder zu irgendwas anderem.

Einen Augenblick lang spielt sie mit dem Gedanken einfach über ihn hinweg in ihre Wohnung zu steigen.
Aber dann blinzelt schläfrig zu ihr hoch und murmelt er „…S‘eve?“ und Natasha hält inne.

Wortlos dreht sie sich um und marschiert zu Steves Tür, bevor sie energisch klopft.

Es dauert einen Augenblick, bevor Steve aufmacht. Er trägt Boxershorts, ein viel zu weites T-Shirt, das ihm halb von der Schulter rutscht und er hat einen Streifen Farbe im Gesicht. Seine Haare sind zerzaust und er reibt sich müde über die Augen, als ob er grade erst aufgewacht ist. Als er sie sieht, reißt er schlagartig die Augen auf.
„Hi“, stammelt er. „Was…? Hi. Brauchst du was? Hab ich was gemacht? Ich schwöre, ich brauche die Musik zum konzentrieren, aber ich kann sie leiser machen und…“

„Deine Musik stört mich nicht“, versichert Natasha. „Aber da liegt ein Typ vor meiner Wohnung und versperrt mir den Weg.“ Sie dreht sich um und gibt den Blick frei auf den zusammen gesackten Haufen. „Er scheint dich zu kennen.“

„Was…? Oh nein…” Steve stöhnt und fährt sich mit einer Hand über das Gesicht. „Tony…“

„Freund von dir?“

„Sowas in der Art.“ Er läuft an ihr vorbei und geht vor dem Kerl in die Knie. „Hey! Tony? Hey, komm schon!“ Er hat eine Hand in seinem T-Shirt vergraben und tätschelt mit einer Hand seine Wange. „Tony! Das darf doch nicht wahr sein…“

„Macht er das öfter?“ fragt sie.

„Ja… leider. Sorry. Das ist Tony… er wohnt nebenan. Er hat… Probleme… sehr viele Probleme… sorry, es tut mir leid. Tony, jetzt komm schon, du musst ein bisschen mithelfen.“

Tony blinzelt zu ihm hoch. Ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. „Heeeeeeeeeeey…Steve“, stellt er erfreut fest und tätschelt ihm unkoordiniert durch die Haare.

„Ja, ich bin’s. Steve. Und ich bin sehr frustriert mit dir“, stellt Steve fest, während er erfolglos versucht ihn auf die Beine zu bekommen.

„Ich hab‘ das Fusionsproblem gelöst!“

„Das ist toll, Tony. Wirklich.“ Zu Natasha gewandt zuckt er ratlos mit den Schultern und sein Mund formt lautlos: ‚Keine Ahnung!‘.

„Ich hab die ganze Nacht… is‘ es noch Nacht? Is‘ so dunkel.“

„Das hängt möglicherweise damit zusammen, dass du eine Sonnenbrille trägst.“

„Du bis‘ so klug, S’eve.“

Einen Augenblick lang sieht Natasha dabei zu wie Steve sich vergeblich abmüht. Seine mageren Arme zittern vor Anstrengung, aber jedes Mal wenn er Tony ein paar Zentimeter hochgekriegt hat, sackt er wieder nach unten.

„Warte“, hört sie sich selbst sagen. „So wird das nichts.“ Tony ist nicht groß und nicht einmal besonders kräftig, aber sie weiß wie viel schwerer jemand wird dessen gesamte Körperspannung flöten gegangen ist und der wie ein nasser Sack in deinen Armen hängt. Sie seufzt. „Lass es uns gemeinsam versuchen.“

Steve hält inne. Sein Kopf ist gesenkt und sein Nacken ist hell und schmal in dem matten Flurlicht. „Ich schaff das schon“, beteuert er und hebt entschlossen den Blick. „Es tut mir leid für die Umstände.“

„Ist nicht deine Schuld“, sagt sie und es wird sanfter als beabsichtigt. Steve hat auf seine Art etwas unglaublich Entwaffnendes an sich.

Er zögert.

Natasha lässt ihm Zeit. Sie ist nicht der Typ, der Leute zu etwas bequatscht, was sie nicht wollen. Das ist nicht ihre Art. Und Steve wirkt wie jemand, der sehr stur und sehr entschlossen ist und seine Entscheidungen selbst treffen muss.

„Okay“, sagt er schließlich.
Er atmet aus und etwas löst sich in seinen Schultern. Er zwinkert ihr zu. „Dann bist du uns auch schneller wieder los.“

„Ich kanns kaum erwarten.“
Sie setzt ihre Handtasche auf dem Boden ab und greift nach Tony‘s linkem Arm, bevor sie ihm zu nickt. „Auf drei.“ Gemeinsam schaffen sie es ihn auf die Beine zu hieven.

„Wohin mit ihm?“ fragt sie.

„Er kann auf meiner Couch schlafen, bis er wieder nüchtern ist. Ist nicht das erste Mal.“

„Ichbinwach“, stellt Tony überflüssig fest. Er hat einen Arm um Natashas Schultern und einen um Steves und seine Knie knicken wie weiche Spagetti unter ihm weg. „Ich bin fas‘ wieder nüchtern.“

„Klar. Bist du. Sowas von.“ Hinter Tony’s Kopf formt Steve’s Mund ein lautloses ‚Sorry‘ in Natashas Richtung, während er verzweifelt den Kopf schüttelt. „Es tut mir leid“, flüstert er.

„Schon okay“, formt sie zurück.

Steves Wohnzimmer ist winzig. Er hat es irgendwie geschafft neben der ausgeklappten Schlafcouch auch noch ein Bett, eine Playstation, zwei Topfpflanzen und vier Bücherregale reinzuquetschen, aber damit ist das Zimmer auch schon voll. An den Wänden hängt eine bunte Mischung aus Postern von verschiedenen Bands, Postkarten, Take Out-Menüs und aktivistischen Sprüche.
You may never know what results come of your actions, but if you do nothing, there will be no results.’. ‘Neutrality helps the oppressor, never the victim’.
Und: ‘Bi until I die’.

Gemeinsam stolpern sie über herumliegende Bücherstapel, Pizzakartons, Zeitschriften und schmutzige Wäsche, die Steve verschämt mit einem Fußtritt unter das Bett befördert, bevor sie die Couch erreichen.

Natasha lässt los. Tony plumpst mit der Grazie eines sterbenden Labradors darauf hinunter und bleibt mit ausgestreckten Gliedmaßen darauf liegen. Seine Sonnenbrille ist verrutscht und sein Gesicht ist halb in einem Kissen vergraben.

„Sollten wir ihn lieber umdrehen?“ fragt Steve unsicher. Er sieht erhitzt aus und sein Atem rasselt. „Ich meine, falls er sonst erstickt…?“

Tony beginnt lautstark zu schnarchen.

„Ich denke er kommt zurecht.“

„Jap.“
Steve schnaubt und schüttelt den Kopf. Aber sein Blick auf Tony ist voller Zuneigung als er beginnt ihm die Schuhe auszuziehen. Es hat etwas sehr Vertrautes an sich und seine effizienten Handbewegungen verraten, dass er das nicht zum ersten Mal macht. „Er ist eigentlich nicht so“, sagt er. „Ich meine, er ist schon so. Aber darunter ist er anders. Sorry… ich meine…“ Er blickt verlegen zu ihr hoch. „Das interessiert dich nicht.“

Ich bin auch anders, denkt Natasha. Irgendwo tief unten drunter.
Aber das ist nicht das, was sie sagt. „Immerhin weiß ich jetzt, was ich machen soll, wen er bewusstlos vor meiner Tür endet“, erwidert sie.

„Oh ja…“ Steve pustet sich den zu langen Pony aus den Augen. „Wenn Tony dir Ärger macht, dann klingel einfach bei mir. Er ist wirklich nicht so… aber manchmal ist es schwer auf Anhieb mit ihm zurecht zu kommen. Sam sagt, er ist einfach sehr… gewöhnungsbedürftig.“

„Sam?“

Steves Augen leuchten auf. „Er wohnt im zweiten Stock. Er ist… oh man, er ist großartig. Wenn du mal einen medizinischen Notfall hast, wende dich an ihn.“

„Arzt?“

Er nickt. „In der Notaufnahme. Daher kennen wir uns. Ich…“ Er verzieht das Gesicht zu einer schuldbewussten Grimasse. „Ich bin da relativ häufig.“

Natasha versucht nicht zu lächeln und scheitert. Aus irgendeinem Grund überrascht sie das nicht. Steve wirkt, im wahrsten Sinne des Wortes, so wie jemand, den ein starker Windstoß umwerfen könnte und der trotzdem ständig bei Sturmwarnung nach draußen rennt. Steve wirkt wie jemand, der auf Demonstrationen zu Boden getrampelt wird.

Steve interpretiert ihr Schweigen offensichtlich als Desinteresse. „Sorry, jetzt quassel ich dich doch zu“, sagt er zerknirscht. „Du wolltest gar nicht… es tut mir leid. Vergiss was ich gesagt habe.“

Natasha sieht ihn an. Der Pony der ihm tief ins Gesicht fällt und das viel zu weite T-Shirt, dass seine knochigen Schultern entblößt. Die blaue Strähne und die kleinen Peacezeichen auf seinen Boxershorts. Seine Hand, die beschützend auf Tonys Knöchel ruht.
Marias Worte hallen ihn ihrem Kopf wieder und die besorgten Blicke, die sie sich mit Clint hinter ihrem Rücken zuwirft.
‚Du hast ernsthafte Probleme.‘

Sie will nicht für immer die Freundin sein, die beiden das Leben schwer macht. Sie will nicht immer die Freundin sein, die alle mit Samthandschuhen anfassen. Sie will nicht immer Probleme haben und sie will nicht für den Rest ihres Lebens zusammen zucken, wenn jemand unerwartet vor ihr auftaucht.
Sie hat keine Ahnung WAS sie will.

Aber wenn sie mit dem ganzen Freundschaftskram wieder anfangen soll, dann ist Steve vermutlich nicht die schlechteste Option.
Er ist nicht langweilig. Er hat ihr noch nie auf die Brüste gestarrt. Und er ist klein genug, dass sie ihn zu Boden ringen und festhalten könnte.
Was sie nicht tun wird. Und worüber sie gar nicht nachdenkt.
Weil normale Menschen das nicht machen. Herrgott nochmal.

„Ich mach dir einen Deal, Steve“, sagt sie.

Er nickt aufmerksam.

„Ich verrate dir meinen Namen und du hörst auf dich für alles zu entschuldigen.“

„Wirklich?“

„Ja.“

Er denkt darüber nach. „Aber was ist wenn ich wirklich was falsch mache?“

„Dann darfst du dich entschuldigen.“

„Okay.“ Er nickt langsam. „Deal.“

„Natasha.“ Sie streckt ihm die Hand entgegen. „Romanoff.“

Sein Händedruck ist warm und fest. „Steve Rogers.“

„Ich wohne gegenüber. Ich verlasse selten meine Wohnung. Ich kann nicht gut mit Menschen.“

Er lächelt. „Ich hab Asthma. Mein Tag-Nacht-Rhythmus ist völlig im Eimer. Und ich singe unter der Dusche.“

„Das sind sehr viele Informationen, Steve.“

„Ich warne dich nur vor, damit du nicht denkst, dass hier um vier Uhr morgens eine Katze gequält wird. Das sind nur ich und Billy Idol.“

Natasha spürt wie es um ihre Mundwinkel zuckt. „Deal.“


Date: 2016-08-07 04:58 pm (UTC)
servena: (Default)
From: [personal profile] servena
Jaaaa! :D Oh Gott sie sind so niedlich, alle sind toll, die Dialoge sind fantastisch, ich brauche mehr davon in meinem Leben!!
Edited Date: 2016-08-07 04:59 pm (UTC)

Date: 2016-08-08 04:28 pm (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com
Ach Gott, die Armen... ich meine, ich habe auch gelacht, aber hach... die Armen.

Wir haben ja vorhin schon gesagt, wie gut du hurt in fluff verpacken kannst (jaja, so richtig schön eingewickelt, man packt es nichtsahnend aus und dann weint man plötzlich).

Aber ugh... Tony hat mir spontan das Herz gebrochen, weil man sich ein bisschen vorstellen kann, wie kaputt er ist und ich wette, er hatte nicht wirklich ein Fusionsproblem zu lösen, sondern it's all in his head? ._.

Steve ist übrigens ein ganz entzückender LGBTQ-Aktivist.
"Bi 'til I die" xD Meine Fresse. xD

Ich habe auch nicht den Hint auf Steve/Sam übersehen, keine Sorge. Das war alles sehr niedlich und entzückend =)

Ich bin gespannt auf mehr <333

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