[identity profile] mrsmoriarty.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Gryffindor
Challenge: Angst - Folter
Fandom: Sherlock BBC
Personen: James Moriarty, Mycroft Holmes
Wörter: ~1800
Anmerkung: Ach ja, heute endlich mal das Weihnachtsspecial geschaut (Klar, im August, was sonst?) und dann mal Lust bekommen, ein altes OTP wieder zu beleben. So richtg geshippt ist es hhier jetzt nicht, aber es ist ja auch erst ihr zweites Date...

Du gehst den buchsbaumgesäumten Kiesweg entlang, gerade auf das stattlich über dir thronende Anwesen zu und atmest ein.

Du steigst die sieben marmornen Stufen hinauf (genau sieben, Tradition muss sein) und atmest aus.

Du öffnest die schwere Eichentür, die so schwer ist, dass nur du allein sie zu bewegen vermagst, und atmest ein.

Du trittst in die dunkle Kühle der monumentalen Eingangshalle, in freudiger Erwartung all der Schätze, die du über die Jahre in diesen Mauern gesammelt hast, und atmest aus.

Du atmest ein, während du die Arme ausbreitest und dir die Sonne deines eigenen Geistes durch das Rosettenfenster in Gesicht scheinen lässt. Beinahe kannst du den Staub der Jahrhunderte und den heimeligen Geruch von Moder tatsächlich riechen.

Nur noch wenige Meter trennen dich von –

Tropf.

Das Gewicht des Wassertropfens fällt zentnerschwer auf Jims Stirn und reißt ihn mit aller Macht in die Gegenwart zurück. Wellenartig breitet der Druck sich über seine Augenhöhlen und das Nasenbein aus.

Irgendwann in der zweiten Nacht hat der Schmerz begonnen über seinen ganzen Schädel auszustrahlen und ein leichtes Flattern der Nasenflügel verrät seitdem, wie viel Kontrolle es kostest, nicht frustriert aufzustöhnen, wann immer das Wasser seine Haut berührt.

Die Tropfen kommen aus so großer Höhe, dass die Fallkräfte gerade nicht stark genug sind, sie aus ihrer Bahn zu lenken, und in unregelmäßigen Abständen. Alle Bemühungen einen Rhythmus auszumachen haben sich bislang als sinnlos erwiesen.

Sein Kopf und ganzer Körper werden von breiten Lederfesseln festgehalten, eine Formalität offensichtlich, denn das Muskelrelaxanz, das ihm über eine Kanüle im rechten Arm gleichbleibend zugeführt wird, fesselt ihn bedeutend effizienter. Der MI-6 hat seine Foltermethoden in den vergangenen Jahren präzisiert.

Es sind solche Details, die einen die Arbeit mit Profis einfach wertschätzen lassen.

Tropf.

Diesmal früher als erwartet, aber exakt dieselbe Stelle. Sein Schädel fühlt sich an, als müsse mittlerweile ein Loch von der Größe seiner Faust darin klaffen, aber er weiß natürlich, dass ihm seine schwache Hülle einen Streich spielt.

Erstaunlich, aber er muss zugegeben, dass er die Auswirkungen der Methode unterschätzt hat. Natürlich kann der Geheimdienst ihrer Majestät keine Spuren hinterlassen, auch wenn es sicher aggressivere Versionen der weißen Folter gäbe. In seinem Metier allerdings, nun,…Jim musste sich bisher jedenfalls keine Gedanken machen, ob man an den Überresten seiner Opfer noch nachweisen konnte, wie viel Volt genau er durch sie gejagt hatte.

Im Augenblick allerdings ist er geneigt, seinen Schergen einen Hinweis zu geben ihr Repertoire zu erweitern, denn er hat seit Tagen nicht mehr richtig geschlafen, fühlt sich als würde beim nächsten Tropfen sein Körper in einem roten Schauer von Tropfen selbst explodieren und kann nicht einmal den kleinen Finger dagegen heben.

Wäre Jim nicht so gänzlich unbekümmert über den Fortbestand seiner fleischlichen Hülle, er hätte bestimmt schon längst gesungen wie ein Vögelchen. Beeindruckend, wirklich. Er wartet auf den nächsten Tropfen und stellt sich kurz vor, wie es wäre, wenn er ein anderer wäre, ein gewöhnlicher Mensch, John Watson vielleicht oder Molly. Eine leidige Idee, aber gerade noch interessant genug, um die Sekunden bis zum nächsten Aufprall, der gewiss gleich kommen muss, zu überbrücken.

Der Tropfen bleibt aus und Jim schreit. Stellt sich vor, wie er mit der ganzen Kraft seines Leibes schreien würde, winselnd und bettelnd, dass sie endlich aufhören sollten, dass er ihnen alles verrät, alles, die Namen seiner Mitarbeiter, die Zugangsdaten seiner Schwarzkonten, seinen Plan, seinen großen Plan, alles, wirklich alles was ihr wollt!

Tropf.

Endlich. Ein zufriedenes Lächeln legt sich auf sein Gesicht und er wälzt sich in der Wärme des Schmerzes, lauscht auf die absolute Stille des Raumes, schweigt seinen Triumpf trotzig in die Welt hinaus.

Das Problem ist, dass die, die ihn gefangen halten, keine dieser gewöhnlichen Menschen sind und die Erkenntnis lässt die Vorstellung seiner eigenen Überlegenheit schal schmecken. Es wird nicht das Wasser sein, das ihm auf die Dauer gefährlich werden kann. Das weiß Jim ebenso gut, wie seine Folterer.
Es ist nicht der stete Tropfen, der den Stein höhlt, sondern die Zeit. Moran wird mindestens fünf Tage benötigen, um sein Gefängnis ausfindig zu machen, eher mehr, wenn sie ihn an einen unbekannten Ort verschleppt haben. Er hat damit gerechnet, nicht unbehelligt vom Dach des St.Bart’s zu entkommen und vorgesorgt. Immerhin weiß niemand, dass er nicht alleine arbeitet und so muss er nur warten, bis Sebastian ihn befreit.

Natürlich wäre das alles leichter abzuschätzen, wenn er genau wüsste, wie lange er schon hier liegt. Aber entgegen seiner eisernen Vorsätze ist er vor etwa fünfunddreißig Stunden kurz weggenickt und hat seither keinen sicheren Vergleichswert mehr über die bisherige Dauer seines Martyriums. Minimum vier Tage. Er rechnet seither mit etwa einhundert Stunden.

Seitdem hat er niemanden gesehen oder gehört. Er ist allein im Halbdunkel seiner Zelle, auch wenn er davon ausgeht, beobachtet zu werden. Allein das zunächst leise Plätschern und später dumpfe Dröhnen der Wassertropfen leisten ihm Gesellschaft. Nichts in diesem Raum sondert irgendeinen spezifischen Geruch ab. Der einzige Geschmack, den er noch kennt, ist seine eigene Zunge, und er selbst hat sich bisher beharrlich geweigert, auch nur einen einzigen Laut von sich zu geben.

Es gibt nicht den geringsten Reiz für seinen ruhelosen Geist und offengesprochen macht ihn das langsam aber sicher wahnsinnig.

Tropf.

Mit enormer Konzentration zwängt er die Wut zurück in den dunklen Keller seiner Seele. Sie kann ihm momentan nichts nutzen, aber das Scharren ihrer Klauen auf der Tür wird ihn die kommenden Stunden daran erinnern, wie dünn die Linie ist, die seine Beherrschung von der vollkommenen Niederlage trennt.
Eine Niederlage, die er nicht zulassen kann. Jim Moriarty macht sich auf den Weg in seinen Gedächtnispalast.

Du gehst den buchsbaumgesäumten Kiesweg entlang, gerade auf das stattlich über dir thronende Anwesen zu und atmest ein.

Du steigst die sieben marmornen Stufen hinauf (genau sieben, Tradition muss sein) und atmest aus.

Du öffnest die schwere Eichentür, die so schwer ist, dass nur du allein sie zu bewegen vermagst, und atmest ein.

Du trittst in die dunkle Kühle der monumentalen Eingangshalle –

„Es gibt für diese Zelle keine Hintertür, auch nicht im eigenen Kopf. Sicherlich ist Ihnen das bewusst.“

Der Klang einer fremden Stimme ist Jim in den letzten Tagen so fremd geworden, dass er einen Moment braucht, um zu bemerken, dass diese hier real ist.

Er öffnet die Augen und braucht den Kopf nicht heben zu können, um in der schemenhaften Gestalt in der Peripherie seines Sichtfeldes den älteren der beiden Holmes-Brüder auszumachen. Sie sind einander nie offiziell vorgestellt worden, aber er war schon einmal sein Gast, damals, als Sherlock sich mit diesem Köter abgegeben hat.

Jims Grinsen ist die einzige Antwort, zu der er sich herablässt. Er wird belohnt. Mycroft Holmes tritt zwei Schritte näher und blickt ihn von oben herab mitleidig an. „Verstehen Sie mich nicht falsch, Mr…Moriarty.“ Den Namen spricht er aus, wie einen zweifelhaften Ehrentitel, was Jim noch breiter lächeln lässt. Die guten, alten Höflichkeitsregeln der Verhörmethodik. Man könnte sich beinahe heimisch fühlen.

„Ich sehe einen so brillanten Geist nur ungern in einem derartigen Zustand,“ fährt Holmes fort und lässt seinen Blick bewusst langsam an Jims Körper auf und abwandern. Es ist mehr als deutlich, welchen Eindruck Jim machen muss und welch krassen Kontrast er im Gegenzug zu dem perfekt gekleideten und distinguiert auftretenden Gentleman er gerade bieten muss. Er ruft sich in Erinnerung, dass auch das Teil des Spiels ist und beinahe ist es ihm gleichgültig.

„Aber Sie werden ebenfalls verstehen, dass ich Sie leider nicht aus dieser misslichen Lage befreien kann, solange Sie sich nicht kooperationsbereiter zeigen.“ Nach den rohen Verhörmethoden vom Anfang kann Jim nicht ganz leugnen, dass es angenehm ist, wieder mit zivilisierterem Personal zu verhandeln.
Wenn er nicht so schrecklich defensiv wäre und ein Spielverderber noch dazu, Mycroft Holmes wäre beinahe ein würdiger Nachfolger als Nemesis.

Jim leckt sich die Lippen. „Oh, selbstverständlich, Mr.Holmes. Sie werden aber gleichermaßen einsehen, dass Kooperationsbereitschaft mich enorm in meinem Bestreben hindern würde, das Andenken Ihres kleinen Bruders zu beschmutzen.“ Es ist enttäuschend, dass der Andere nicht einmal mit der Wimper zuckt. Zugegeben, eine große Reaktion war nicht zu erwarten, aber ein bisschen etwas hatte er sich doch erhofft.

Stattdessen seufzt Mycroft. „Der Inhalt von Todesanzeigen kümmert mich nicht und es wundert mich, dass Sie sich damit abgeben. Vor allem, wenn sie eine so offensichtliche Charade darstellen.“

Jim versucht, den Kopf abschätzend schräg zu legen und als er sich wieder erinnert, dass er das momentan nicht tun kann, ist es an Mycroft zu lächeln.
„Oh, ich bitte Sie, James!“ Sein Tonfall ist gönnerhaft und leicht ungläubig. „Wir wissen beide, dass mein Bruder zu überstürzten Himmelfahrtsmissionen neigt, aber Selbstmord? Ihnen muss doch klar gewesen sein, dass das niemals eine Option war.“

Jim schweigt und wünscht sich, die Strähne schwarzen Haares aus der Stirn wischen zu können. Aber Mycroft hält seinem Schweigen stand. Er braucht die Information, dringend. Also gibt er nach: „Sherlock lebt?“

Die Hände auf dem Griff seines Regenschirms übereinander gelegt, lacht Mycroft ein herzliches Lachen. „Selbstverständlich. Wer sonst sollte denn sonst Ihren Scharfschützen zu Strecke bringen? Moran war der Name, nicht wahr?“

„Und warum sollten Sie in diesem Fall noch meine Hilfe benötigen?“ Er stellt die Gegenfrage, als zöge er damit ein Ass aus dem Ärmel. Aber dass Holmes von seiner rechten Hand weiß, war nicht Teil ihrer Berechnungen gewesen. Auch nicht der Gedanke eines doppelten Scheinselbstmordes. Während er redet, stellt Jim Berechnungen an. Falls Holmes die Wahrheit sagt, sinken seine Chancen auf ein baldiges Entkommen gerade kontinuierlich gegen Null.

„Weil es uns das Leben leichter macht. Ginge es um mehr, hätte ich mich schon vor zwei Tagen zu Ihnen bemüht.“

„Und warum sollte ich das tun, wenn ich nichts mehr zu verlieren hätte?“ Er wird diesem Gedanken keine Bedeutung beimessen. Das ist ein Machtspiel, nichts weiter. Auch wenn er zugeben muss, dass Holmes seine Hausaufgaben gemacht hat. Aber das tut nichts zur Sache.

„Oh, ganz einfach, James.“ Mycroft beugt sich zu ihm hinunter, sodass er beinahe seinen Atem spüren kann, beinahe. „Ich kann Sie hier am Leben erhalten, solange ich will. Hier auf dieser Pritsche und Sie werden für den Rest Ihres Lebens nichts anderes mehr sehen als die Zimmerdecke. Niemand auf dieser Welt weiß, dass Sie noch leben. Ich habe Sie in der Hand, das wissen Sie so gut wie ich. Aber sie wollten mir meinen kleinen Bruder nehmen und das kann ich nicht akzeptieren. Ich will Sie betteln sehen.“

Die letzten Worte waren kaum mehr als ein Flüstern, das ihm die Nackenhaare aufstellt, dann ist Holmes so schnell aus dem Raum verschwunden, wie er aufgetaucht ist. Jim schließt die Augen und ruft sich jede einzelne Silbe ihres Gesprächs ins Gedächtnis zurück. Er kann nicht beurteilen, ob der Andere die Wahrheit gesagt hat, aber er kann beurteilen, dass er seine Karten mit geradezu meisterhafter Berechnung auszuspielen versteht. Offenbar hat er Mycroft Holmes‘ Willen zur Macht bisher unterschätzt.

Tropf.

Er atmet tief durch. Seine Mundwinkel ziehen sich nach oben. Sein Gesicht entspannt.

Mit einem Mal ist das Spiel wieder interessant geworden.

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