[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Gryffindor
Challenge: Angst: "Wir sollten uns nicht mehr sehen" (für mich)
Fandom: Tumbling (Office!AU)
Wörter: ~1.200
Personen: Yûta, Ryôsuke
Anmerkung: Fortsetzung zum letzten Post (siehe eins drunter). Entschuldigung für den Spam, aber ich war im Urlaub und muss jetzt dringend alles, was ich da geschrieben habe, online werfen. Because I'm pathetic like that. xD


Als Ryôsuke aufwacht, ist er allein.

Das ist an sich erstmal keine außergewöhnliche Sache, denn Yûta bringt sich seit sie hier sind, sklavisch um jeden möglichen Schlaf und ist wahrscheinlich schon vor einer Stunde aufgestanden und wieder ins Büro abgerauscht. Ryôsuke sieht auf die Uhr und stellt fest, dass das um fünf Uhr morgens gewesen sein muss.

Hm. Selbst für Yûta ist das ungewöhnlich.

Ryôsuke tastet im Halbschlaf über Yûtas Seite des runden Bettes und stellt fest, dass sie kalt ist.

Wenn Yûta also überhaupt hier war, ist er schon vor einer ganzen Weile abgehauen.

Ryôsuke setzt sich verschlafen auf. Das Morgenlicht fällt sacht und sanft ins Zimmer hinein und erst beim zehnten Mal Blinzeln fällt auf, was eigentlich direkt ins Auge fällt:

Yûtas Koffer ist fort.

Mit einem Mal ist Ryôsuke auf den Beinen. Er stürzt ins Badezimmer hinein, nur um festzustellen, dass auch von hier Yûtas Sachen verschwunden sind: Zahnbürste, Rasierer, Handtücher. Stattdessen steht Ryôsukes Zeug nun feinsäuberlich in die Mitte sortiert. Als habe von Anfang an nur er in diesem Hotelzimmer gewohnt.

Ryôsuke fummelt nach seinem Handy und tippt hektisch eine Nachricht;
„Wo zur Hölle bist du?? Sind wir nach Hause geschickt worden?“

Er blickt fahrig alle fünf Minuten auf sein Telefon, während er sich anzieht, seine Krawatte mehr schlecht als recht bindet, während er im Foyer eilig einen Dosenkaffee aus einem der Automaten zieht und ins Büro stürzt.

Eine Antwort bekommt er aber nicht.

Dabei ist Yûta da.

Er sitzt bereits auf dem Platz, den Tsurumi ihm am ersten Tag zugewiesen hat und wo der Atem der Klimaanlage nicht hinreicht. Es ist sieben Uhr dreißig und ihm steht jetzt schon der Schweiß auf der Stirn.

„Was sollte das?!“, sagt Ryôsuke, als er an den Schreibtisch tritt.

Yûta sieht nicht hoch. Fast schon betont, wie Ryôsuke findet.

„Guten Morgen“, ist alles, was er zur Antwort gibt. Unter seinen Augen liegen schwarze Schatten und er ist blass, so blass, dass man meinen könnte, er wäre krank.
Sein Jackett ist zerknittert.

„Ja, was auch immer“, erwidert Ryôsuke ungeduldig und gibt sich alle Mühe, leise zu sprechen. Die ersten Angestellten flattern zur Tür herein, nehmen ihre Plätze ein und schauen neugierig herüber.

„Also, was sollte das jetzt? Bist du ausgezogen?“

„Ich habe mir ein eigenes Zimmer gebucht, ja“, sagt Yûta und räuspert sich.

„Ich dachte, wir hätten kein Budget dafür.“

„Ich zahle es selbst.“

Er sagt es so sachlich und neutral in seinem Ton, dass Ryôsuke fast übel wird.
Was ist passiert? Ryôsuke versucht fieberhaft, sich daran zu erinnern, ob er heute Nacht von Yûta geträumt hat, ob er eventuell dessen Namen im Schlaf gemurmelt oder ähnlich anstößige Dinge getan hat. Er erinnert sich nicht.

„Ich...okay...“, bringt er heraus.

„Du hättest ja was sagen können.“

„Wieso denn?“, sagt Yûta, aber er schaut Ryôsuke nicht an. Es ist, als habe er seinen Blick an den Bildschirm geklebt.

„Es ist doch nur natürlich, dass jeder Kollege ein einzelnes Zimmer hat, oder?“

Dagegen kann Ryôsuke nichts sagen.

Genau genommen weiß er nicht mal, warum es sich so anfühlt, als würde Yûta ihm ein Messer in Brust rammen und es ganz langsam umdrehen.
Denn er hat ja Recht.
Sie sind Kollegen.
Sie sind auf Geschäftsreise.
Sie brauchen jeder ein Zimmer. Yûta muss ihm keine Gute-Nacht-Nachrichten schreiben.

Warum aber fühlt es sich dann so an, als würde er Ryôsuke betrügen?

„Na schön“, presst Ryôsuke heraus und schultert seine Tasche fester.

„Dann sehen wir uns vermutlich zum Mittagessen.“

„Ich würde allein essen, wenn du nichts dagegen hast.“

Yûta sieht ihn immer noch nicht an. Er tippt an irgendeinem Dokument herum und blinzelt rasch.

„Ich persönlich finde, wir sollten uns nicht mehr sehen. Also, außerhalb der nötigen Meetings, meine ich.“

Diesmal fühlt Ryôsuke den Schmerz in der Mitte seines Körpers. Er wusste nicht, dass Worte seinen Solarplexus treffen können. Nein, das stimmt nicht; Taku hat es ihm schon einmal beigebracht. Allerdings vergisst er immer so schnell.

Ryôsuke schöpft nach Atem und zwingt sich, für einen kurzen Augenblick seine Gedanken zu überhören.

Er muss sich zurück ins Gedächtnis rufen: Sie sind Kollegen.
Sie sind Kollegen.
Vermutlich nicht einmal Freunde.

Yûta ist Watarus Freund.
Er ist Mizus Freund.

Nicht seiner.

Nicht seiner.

„Na schön“, bringt Ryôsuke heraus und versucht zu ignorieren, dass es sich nach Ersticken anfühlt.

„Dann...hab Spaß. Oder so. Wir sehen uns. Schätze ich.“

Er zuckt mit den Schultern um zu untermalen, dass ihm das alles nichts ausmacht. Nicht das geringste.
Yûta schaut auf und ihn direkt an (zum ersten Mal) und sein Blick bleibt lange und undurchsichtig an Ryôsuke hängen.

Er sieht so müde aus, dass Ryôsuke ihn auf der Stelle zurück ins Bett schleifen und ihn in seinen überkorrekten Pyjama stecken möchte. Dann denkt er daran, wie Yûta unter diesem Pyjama aussieht und er fühlt sich sofort wieder schuldig.
Es ist schon okay so.

Yûta nickt und deutet ein Lächeln an.

Allerdings sieht es eher so aus, als würde er einer Beerdigung beiwohnen.
Seine steife, unbeholfene Art hilft mal wieder gar nicht.

Ryôsuke trollt sich an seinen Platz auf der anderen Seite des Büros.
So gesehen könnte man sich auch fragen, ob Yûta nicht von Anfang an darum gebeten hat, so weit weg wie möglich von seinem Social Media-Kollegen platziert zu werden.
„Du hättest mich eh nicht mehr länger ertragen“, wispert Ryôsuke mehr sich selbst zu.


In der Mittagspause findet er ohne große Mühen jemanden, der ihn begleitet. Kiriyama und Taniguchi aus der Social Media-Abteilung – zwei hübsche Damen, die blitzgescheit und eifrig sind – setzen sich zu seiner Linken und seiner Rechten, empfehlen ihm die beste Nudelsuppe der Kantine und machen Witze über das Wetter in Ôsaka.
Mit ihnen kann man zumindest reden und Ryôsuke kann sich ein bisschen selbst davon ablenken, wie fehl er am Platze er sich hier fühlt. Die Büroräume sind größer und verworrener als die in Tokyo. Jede Ecke, jede unbekannte Tür wirkt ein wenig wie eine Falle.

Und Ryôsuke stellt fest, wie schutzlos er sich ohne Yûta fühlt.
Nein. Schutzlos ist das falsche Wort.

Was er eher empfindet, ist... Einsamkeit.

Er ist ganz allein in diesem fremden Universum und keiner der Menschen, der ihm begegnet, beruhigt ihn. Alles, was ihm im Gegensatz zu Yûta einen Vorteil verschafft, ist seine saloppe Art, mit der er die fremden Kollegen um den Finger wickelt – eine Sache, die er ziemlich früh nach der Schule gelernt hat. Der einzige, bei dem das nicht funktioniert, ist Tsurumi.

Das macht aber nichts, weil der nur bei Yûta herumhängt.


Offenbar haben die beiden irgendeine abgefahrene Zuneigung zueinander entdeckt, auch wenn Yûta stets noch steifer und unbeholfener aussieht, wannimmer Ryôsuke zu ihm herübersieht.

Der schlürft seine Nudeln fertig und tut so, als würde er einen der Witze der Ladies gut finden.

Yûta hat ihm unmissverständlich klar gemacht, dass er seine Gesellschaft nicht mehr schätzt.
Warum also sollte Ryôsuke sich darüber noch groß Gedanken machen?

To be continued...

Date: 2016-08-06 04:42 pm (UTC)
From: [identity profile] keksdiebin.livejournal.com
Ich kenne die Office!AU nicht komplett, aber die letzten beiden Teile haben mich auch ohne Vorkenntnis total gefesslt. Gott, Yuuta und Ryousuke! Da haben sich wirklich zwei gefunden... ich finde, ihr Verhalten total IC. Wie sie beide sofort die Schuld bei sich selbst suchen und auf Sicherheitsabstand gehen. Gawt, wenn Wataru mal nicht da ist!!!

Schreib unbedingt weiter und hol sie aus dieser Osaka-Hölle wieder raus!

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Die Uhr läuft ... jetzt!

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