[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Gryffindor
Challenge: Humor/Crack: „Der Kunde ist auch nicht immer König“ (fürs Team)
Fandom: Tumbling (Office!AU)
Wörter: ~1.200
Personen: Yûta, Ryôsuke, Wataru, Mizusawa
Anmerkung: Ich habe in dieser Fic ein bisschen den Wahnsinn meiner Arbeit verarbeitet. Eine Aussage von denen, die Ryôsuke vorliest, ist erfunden, die anderen haben wir so bekommen. Ihr könnt ja mal raten, welche die Erfundene ist. 8D


„Tsukimori-san, wir haben eine Beschwerde!“

Taku sieht von seiner Arbeit auf und kann sich nicht dagegen wehren, dass er die Ohren spitzt.
Ihm gegenüber sitzt Ryôsuke, der eben noch mit Wataru geredet und mit ihm verhandelt hat, welchen Kaffee sie bitte als nächstes in Büro bestellen („Nichts, was nicht aus Brasilien kommt, ist brauchbar, Alter!“).
Jetzt schaut er hoch, springt auf von Watarus Stuhllehne, vermutlich, weil es fast ausgesehen hat, als würde er auf dem Schoß seines besten Freundes sitzen, und bekommt große Augen.

Yûta kommt an ihrem doppelten Schreibtisch zum Halten und wedelt leicht mit einem von Hand geschriebenen Brief.

An den Nachbartischen werden unzählige Ohren unauffällig größer.

„Aha“, macht Ryôsuke und versucht offensichtlich, lässiger zu wirken als er ist.

„Und jetzt?“

„Nun ja“, räuspert sich Yûta und drückt ihm den Brief in die Hand.
„Wir müssen uns dazu natürlich äußern.“

Ryôsuke überfliegt den Text. Der ist in hässlichen, eilig hingeklierten Kanji geschrieben und erstreckt sich über beide Seiten. Da hatte jemand eine Menge zu sagen.

Wataru schluckt und hat nicht mal den Anstand, so zu tun, als würde er sich wieder seiner Kaffeebestellung widmen.

Ryôsuke faltet den Brief zusammen und gibt ihn Yûta zurück.

„Da beschwert sich jemand auf zwei Seiten, dass wir für unsere Fruchtriegel eine Biene als Maskottchen haben“, sagt er sehr sachlich und hebt eine Augenbraue.

„Ich habe das Schreiben gelesen“, gibt Yûta zurück und es ist die trockenste Bemerkung, die Taku seit langem bei ihm gehört hat.

„Daher würde ich Sie bitten, eine entsprechende Antwort zu verfassen. Der Herr schreibt nämlich, dass sämtliche seiner Facebook-Kommentare nicht entsprechend beantwortet wurde und er sich deswegen genötigt sah, uns einen Brief zu schreiben.“
Er räuspert sich wieder und reicht das Papier wieder an Ryôsuke zurück.

„Ich weiß“, sagt Ryôsuke genauso trocken.

Taku bekommt unwillkürlich ein Durstgefühl.

„Weil seine Facebook-Kommentare beleidigender Bullshit waren.“

Wataru muss plötzlich husten. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass er eigentlich lachen wollte.

„Tsukimori-san!“ Yûta klingt gleichzeitig streng und unglücklich.
„Sie wissen doch, der Kunde ist König – es ist egal, ob er etwas...ausfallender wird, wir müssen auf seine Bedürfnisse eingehen.“

Ryôsuke wird rot im Gesicht. Das passiert immer, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt und sich deswegen aufregt.

„Erstens“, setzt er an und seine Finger zittern.
„Der Kunde ist auch nicht immer König! Die meisten sind tatsächlich wirklich eingebildete Säcke, die denken, dass man ihnen allen Zucker in den Arsch blasen muss. Zweitens: Was soll ich bitte darauf schreiben?“ Er wedelt mit dem Brief.
„'Entschuldigen Sie bitte, dass eine Biene auf Ihrem Riegel abgebildet ist, wir malen Ihnen auf alle Ihre Exemplare ein anderes Viech'?“

„Ryôsuke“, sagt Taku warnend.

„Vielleicht solltest du vor ihm unsere Käufer nicht als eingebildete Säcke bezeichnen.“

„Aber es ist doch so!“
Ryôsuke ist in Rage. Das passiert selten, aber wenn man ihn auf dem falschen Fuß erwischt, schnell.

„Wataru, leih mir mal deinen PC!“
Er wartet gar nicht auf Antwort, sondern schiebt Wataru auf seinem Stuhl einfach zur Seite und klickt die Amazon-Seite weg.

„Ey!“, macht Wataru, allerdings wenig widerspenstig und leise.

„Ich speichere sämtliche Kommentare auf dem Server ab, bevor ich sie lösche“, sagt Ryôsuke. Seine Finger fliegen über die Tastatur.

„Ich kann euch allen gerne 'ne Kostprobe davon geben, was unsere potentiellen Kunden und unsere richtigen Kunden so über uns schreiben.“
Er räuspert sich übertrieben und Taku ist sicher, dass das eine Parodie auf Yûta darstellen soll.

„'Diese geldgeile Firma ist doch nur darauf aus, Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen und ihr seid auch noch dumm genug, darauf reinzufallen'“, liest er vor.

Und:
„'Wer den Müll kauft, ist selber Schuld. Was soll an dem Kram gesund sein', Fragezeichen, Ausrufezeichen. 'In eurer Marketing-Abteilung sitzen nur Flaschen', Ausrufezeichen.“
Hier hebt er den Blick und sieht Yûta herausfordernd an.

„'Ich habe es ein Mal probiert und war mit dem Preis-Leistungsverhältnis gar nicht zufrieden. Mein Geld habe ich nach dem Verzehr auch nie wiedergesehen, obwohl ich mich mehrere Male beschwert habe', Ausrufezeichen. 'Geht mit eurem pseudo-gesunden Schrott sterben, ihr Widerlinge', Kotz-Smiley, Zunge-Rausstreck-Smiley, Kotz-Smiley, Daumen-runter-Smiley-“

„Ich fürchte, ich habe verstanden“, unterbricht Yûta ihn.

Er sieht aufrichtig aufgewühlt aus, streicht sich perplex über die Haare.

„Schreiben Menschen so etwas wirklich??“, erkundigt er sich dann.

„Ich schicke gerne mal ein paar Links zur Veranschaulichung herum.“
Ryôsuke verschränkt seine Arme.

„Und ja, willkommen bei den sozialen Medien, wo Menschen meinen, all ihren Meinungsmüll abladen zu müssen, nur weil sie gerade hinter einem Computer sitzen. Es ist ein hartes Pflaster.“

„Deswegen liest man besser auch nie irgendwo die Kommentare“, ergänzt Taku leise.

„Es sei denn, man wird dafür bezahlt, dann muss man.“ Ryôsuke zuckt mit den Schultern.

Yûta schaut betroffen auf den Brief in seinen Händen.

„Warum haben Sie das nicht früher gesagt?“, fragt er dann.

„Weil das normal ist.“
Ryôsuke fasst nach der Lehne von Watarus Stuhl und rollert seinen Freund zurück an dessen PC.

„Der Umgangston ist rauher geworden. Und wenn ich auf unmögliche Kommentare wie die da antworte, laufe ich ganz schnell Gefahr, einen Shitstorm herauszubeschwören, und das würde uns eher schaden als nützen.“

Er seufzt tonlos und mustert Yûta zugleich vorsichtig und vorwurfsvoll;
„Also lösche ich all das mit dem Verweis auf unsere Netikette. Auch wenn sich nicht vermeiden lässt, dass manch einer dann sowas wie das hier schreibt.“

Er deutet auf den Brief.

Yûta schluckt.

Taku ist nicht sicher, ob er gedanklich noch an Worten wie Shirtstorm hängt oder ob er einfach nur Mitgefühl für Ryôsuke empfindet.

Er glaubt nicht mal, dass Yûta dem Irrtum erlegen ist, dass Ryôsukes Arbeit einfach nur daraus besteht, drei Tweets und einen Facebook-Eintrag pro Tag zu erstellen. Nein, Yûta ist wieder einmal davon ausgegangen, dass alle Menschen sich im Internet ähnlich korrekt verhalten wie er selbst und Beschwerden in Worten äußern wie „Ich war nicht ganz zufrieden mit diesem Produkt, daher nur drei von vier Sternen.“

„In Ordnung“, sagt er schließlich.

„Vergessen wir die Sache mit dem Brief. Ich würde Sie nur bitten, zu recherchieren, ob der Absender nicht doch eine Frage hatte, auf die wir sachlich antworten können. Vielen Dank.“

Er wendet sich zum Gehen um, ruckelt an seiner Krawatte und scheint es sich dann wieder anders zu überlegen.
Er räuspert sich, bevor er sich noch einmal Ryôsuke wendet:
„Und wenn jemand Sie persönlich angreift, lassen Sie es mich wissen. Wir haben da fachanwaltliche Mittel und Wege. Wir sollten nicht dulden, dass unsere Mitarbeiter verbal angegriffen werden.“

Er nickt und rauscht ab.

Zurück bleiben Taku, Wataru und Ryôsuke, die ihm mit verschiedenen Erstaungsgraden nachsehen.

„Wow“, Ryôsuke blinzelt. Der Rotton ist noch immer auf seinen Wangen. Allerdings weiß Taku inzwischen nicht mehr, von welcher Form der Erregung dieser zeugt.

„Hat er... Hat er gerade gesagt, er würde mich gegen potentielle Kunden verteidigen?“

„Jap“, macht Wataru.

„Und nicht nur er. Warum hast du nicht früher was gesagt?“

Er scheint noch immer Ryôsukes Datei des Wahnsinns offen zu haben und scrollt sich ungläubig hindurch.

„Hier steht echt harter Tobak.“

Ryôsuke zuckt mit den Schultern;
„Wie ich schon sagte: Es gehört dazu. Außerdem bin ich 'n großer Junge, ich setz' mich jetzt deswegen nicht in die Ecke und weine.“

„Pff, selbst wenn“, gibt Wataru zurück.

„Sowas ist echt nicht okay. Sag mir Bescheid, wenn ich dir mal beim Löschen helfen soll.“

Taku nickt eifrig, weil ihm nichts Besseres einfällt.

„Pff, ich bin doch nicht aus Zucker“, sagt Ryôsuke und fährt sich verlegen über die Haarschopf.

„Aber öhm...danke.“

Date: 2016-07-31 05:45 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Ich habe es ein Mal probiert und war mit dem Preis-Leistungsverhältnis gar nicht zufrieden. Mein Geld habe ich nach dem Verzehr auch nie wiedergesehen, obwohl ich mich mehrere Male beschwert habe
Ich hoffe mal, das ist die erfundene Beschwerde ... weil zu denken, man würde sein Geld wiederbekommen, wenn einem ein Produkt nicht geschmeckt hat, ist schon selten dämlich.

Davon mal abgesehen war mein Highlight hier eindeutig:
„'Entschuldigen Sie bitte, dass eine Biene auf Ihrem Riegel abgebildet ist, wir malen Ihnen auf alle Ihre Exemplare ein anderes Viech'?“
:D

Date: 2016-08-01 07:30 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Ich würde ja nicht mal mein Geld zurückverlangen wenn fett draufsteht "Bei nicht gefallen Geld zurück", weil ich davon ausgehe, daß das ein reiner Werbespruch ist. Und gerade bei was zu essen ist das ja auch vollkommen absurd (weil subjektiv) - wenn mir was nicht schmeckt, kaufe ich es halt nicht wieder. Lauter Bekloppte ...

Date: 2016-08-03 07:16 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
DAAAAAAAAAAAAAAAAAWWW!!! *____________*
Oh mein Gott, Wino!!! AWWWWWWWW!! DAS IST SO NIEDLICH, O M G! *lacht und weint und seufzt eine Runde*
OMG ich liebe es! *__________*
ALL MY FEELINGS! XD

Zuerst habe ich eine ganze Menge gelacht, weil Yuuta und Ryousuke immer trockener wurden und Mizu schon richtig Durst deswegen hatte und dann wegen Ryousukes (VÖLLIG GERECHTFERTIGTER!!!) Empörung und dann weil Yuuta wirklich denkt, dass Leute im Internet tatsächlich genauso wie er Kommentare schreiben, die mit "sehr geehrte Herren" beginnen und mit "mit freundlichen Grüßen" enden und mitten drin kommt dann "Ich war nicht ganz zufrieden mit diesem Produkt, daher nur drei von vier Sternen." - weil daaaaaaaaaaaaaaaaaaw! XD Ach Yuuta. Ach Yuuuta!

Und dann war ich total gerührt weil gah. Quietly protective!Yuuta, der sich jederzeit beschützend vor seine Mitarbeiter stellt!!!!! *__*
MIR GEHT DAS HERZ AUF! Daaaaw! Ist das schön. <333 Und dann Wataru und Mizu, die beim Löschen helfen würden, damit Ryousuke sich nicht in eine Ecke setzt und weint .... ach Gott. Ihr vier. ;__;
Die machen mich fertig....

Das war wunderschön und ich liebe alles! *___*
♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Gerne mehr davon, ich LIEBE es wenn du deinen Arbeitsfrust verarbeitest . auch wenn ich natürlich nicht will dass du überhaupt Arbeitsfrust hast.... aber wenn schon, dann bitte so! ;)
Hach war das schön .... *_*

Ach Hasi, ich komme beim Lesen gar nicht mehr hinterher, aber ich freu mich auf ganz viele deiner Sachen. <333

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