Soweit es trägt der Wind
Oct. 14th, 2007 04:54 pmFandom: Original (Genre: Fantasy)
Rating: PG
Challenge: #1 Fünf Fragen, die nicht gestellt wurden
Summary: Drei Freunde sind auf dem Weg, der nirgendwo hinführt...
A/N: Wer den tieferen Sinn entdeckt (ja, es gibt einen!), der kriegt einen Keks. Mit Schokoladenstreuseln. =D
Soweit es trägt der Wind
Die erste Frage, die er sich stellte, war „Wo?“
Sie war nicht schwer zu beantworten, denn es befand sich ja direkt vor seiner Nase. Da musste man nicht lange nachdenken, sondern am besten einfach zugreifen. Deswegen stellte er die Frage weder Mina noch Andrea, die mit großen Telleraugen hinter ihm standen und sich an den Händen hielten, weil sie fanden, dass die Gruft negative Wellen verströmte.
Die zweite Frage, die er sich stellte, war „Was?“
Was es war, das er gefunden hatte, war schon eine schwierigere Frage, denn die blau leuchtende Kugel wollte keine Auskunft über ihre Herkunft geben; auch ihren Namen rückte sie nicht heraus. Aber er hatte so das Gefühl, dass die Kugel ein Weibchen sein musste. Sie glitzerte besonders, wenn die Sonne auf sie fiel, und manchmal da hatte er das untrügliche Gefühl, die Kugel heulte mit dem Regen und dem Herbstwind mit, weil sie gerade einen typisch weiblichen Anflug von Selbstmitleid hatte.
Da weder Mina noch Andrea sich mit der Kugel näher beschäftigten wollten (ihrer Meinung nach hatte sie wohl die negative Wellen in der Gruft hervorgerufen), fragte er sie erst gar nicht, was ihre Vermutung bezüglich der Kugel und ihrer Funktionen war.
Die dritte Frage, die er sich stellte, war „Wieso?“
Das konnte er Mina nicht fragen, und Andrea sowieso nicht, denn sie war verschwunden. Mina weinte Tag und Nacht um ihre verschollene Schwester, und manchmal auch dazwischen, und die Kugel leuchtete immer schwächer, als ob sie auch traurig darüber wäre, dass Andrea verschwunden sei. Wieso Andrea verschwunden war, das wusste niemand, und hätte er den Wind gefragt, dann hätte er als Antwort nur ein Heulen bekommen, genau wie Mina, als sie nun am Lagerfeuer saß und hektisch einatmete, während ihr dicke Tränen über die Wangen kullerten als wären sie aus dem gleichen Stoff wie die Kugel, die währenddessen neben dem Feuer lag und in seinem Schein einen violetten Schimmer bekam.
Die vierte Frage, die er sich stellte, war „Woher?“
Doch konnte Andrea nicht mehr sprechen, selbst wenn sie den Mund auf- und zumachte, so kam doch kein einziger Ton heraus. Er schüttelte nur den Kopf; wenigstens war Mina von da an wieder froh. Sie schien es nicht zu interessieren, dass ihre Schwester nicht mehr sprechen konnte – das mochte daher rühren, dass Andrea noch nie sehr gesprächig gewesen war.
Die Kugel leuchtete nicht wieder stärker, sie blieb so blass wie sie bei Andreas Verschwinden geworden war. Sie wurde schwerer auf seinem Rücken und schwerer in seinen Händen, wenn er sie über Stock und Stein trug, und irgendwann ging er dazu über, sie nur noch zu rollen.
Die fünfte Frage, die stellte die Kugel.
Als sie so schwer geworden war, dass keiner mehr sie tragen, und keiner mehr sie rollen konnte, da setzten er und Mina und Andrea sich im Kreis um sie herum und starrten in das fast nicht mehr glimmende Innere der Kugel. Ein letzter Luftzug aus den Herbstströmen umwehte ihre Ohren, dann wurden ihre Gesichter rot vor Kälte, weil die Winterwehen begannen. Der erste Schnee fiel, und er fiel auf die Kugel, und durch sie hindurch.
Ein Wimmern ging ihm durch den ganzen Körper. Auch Mina und Andrea zitterten, als hätte sie jemand an empfindlichen Stellen berührt – sie mussten es auch gehört haben, sie mussten auch ihr Blut in Wellen durch die Adern und Venen gerauscht haben spüren.
Dann hörten sie eine leise, hohe Stimme, wie die eines Tierkindes. Erst verstanden sie die Worte nicht, die das Kind ihnen sagen wollte. Es hatte noch nicht viel Übung im Sprechen, doch sie blieben geduldig sitzen und warteten darauf, dass das Kind mit ihnen sprechen konnte. Die Nacht brach herein, als die Stimme hustete und sich räusperte, und dann fragte das Innerste der Kugel, der letzte Teil von ihr, der noch ein bisschen strahlte: „Wer seid ihr?“
Rating: PG
Challenge: #1 Fünf Fragen, die nicht gestellt wurden
Summary: Drei Freunde sind auf dem Weg, der nirgendwo hinführt...
A/N: Wer den tieferen Sinn entdeckt (ja, es gibt einen!), der kriegt einen Keks. Mit Schokoladenstreuseln. =D
Die erste Frage, die er sich stellte, war „Wo?“
Sie war nicht schwer zu beantworten, denn es befand sich ja direkt vor seiner Nase. Da musste man nicht lange nachdenken, sondern am besten einfach zugreifen. Deswegen stellte er die Frage weder Mina noch Andrea, die mit großen Telleraugen hinter ihm standen und sich an den Händen hielten, weil sie fanden, dass die Gruft negative Wellen verströmte.
Die zweite Frage, die er sich stellte, war „Was?“
Was es war, das er gefunden hatte, war schon eine schwierigere Frage, denn die blau leuchtende Kugel wollte keine Auskunft über ihre Herkunft geben; auch ihren Namen rückte sie nicht heraus. Aber er hatte so das Gefühl, dass die Kugel ein Weibchen sein musste. Sie glitzerte besonders, wenn die Sonne auf sie fiel, und manchmal da hatte er das untrügliche Gefühl, die Kugel heulte mit dem Regen und dem Herbstwind mit, weil sie gerade einen typisch weiblichen Anflug von Selbstmitleid hatte.
Da weder Mina noch Andrea sich mit der Kugel näher beschäftigten wollten (ihrer Meinung nach hatte sie wohl die negative Wellen in der Gruft hervorgerufen), fragte er sie erst gar nicht, was ihre Vermutung bezüglich der Kugel und ihrer Funktionen war.
Die dritte Frage, die er sich stellte, war „Wieso?“
Das konnte er Mina nicht fragen, und Andrea sowieso nicht, denn sie war verschwunden. Mina weinte Tag und Nacht um ihre verschollene Schwester, und manchmal auch dazwischen, und die Kugel leuchtete immer schwächer, als ob sie auch traurig darüber wäre, dass Andrea verschwunden sei. Wieso Andrea verschwunden war, das wusste niemand, und hätte er den Wind gefragt, dann hätte er als Antwort nur ein Heulen bekommen, genau wie Mina, als sie nun am Lagerfeuer saß und hektisch einatmete, während ihr dicke Tränen über die Wangen kullerten als wären sie aus dem gleichen Stoff wie die Kugel, die währenddessen neben dem Feuer lag und in seinem Schein einen violetten Schimmer bekam.
Die vierte Frage, die er sich stellte, war „Woher?“
Doch konnte Andrea nicht mehr sprechen, selbst wenn sie den Mund auf- und zumachte, so kam doch kein einziger Ton heraus. Er schüttelte nur den Kopf; wenigstens war Mina von da an wieder froh. Sie schien es nicht zu interessieren, dass ihre Schwester nicht mehr sprechen konnte – das mochte daher rühren, dass Andrea noch nie sehr gesprächig gewesen war.
Die Kugel leuchtete nicht wieder stärker, sie blieb so blass wie sie bei Andreas Verschwinden geworden war. Sie wurde schwerer auf seinem Rücken und schwerer in seinen Händen, wenn er sie über Stock und Stein trug, und irgendwann ging er dazu über, sie nur noch zu rollen.
Die fünfte Frage, die stellte die Kugel.
Als sie so schwer geworden war, dass keiner mehr sie tragen, und keiner mehr sie rollen konnte, da setzten er und Mina und Andrea sich im Kreis um sie herum und starrten in das fast nicht mehr glimmende Innere der Kugel. Ein letzter Luftzug aus den Herbstströmen umwehte ihre Ohren, dann wurden ihre Gesichter rot vor Kälte, weil die Winterwehen begannen. Der erste Schnee fiel, und er fiel auf die Kugel, und durch sie hindurch.
Ein Wimmern ging ihm durch den ganzen Körper. Auch Mina und Andrea zitterten, als hätte sie jemand an empfindlichen Stellen berührt – sie mussten es auch gehört haben, sie mussten auch ihr Blut in Wellen durch die Adern und Venen gerauscht haben spüren.
Dann hörten sie eine leise, hohe Stimme, wie die eines Tierkindes. Erst verstanden sie die Worte nicht, die das Kind ihnen sagen wollte. Es hatte noch nicht viel Übung im Sprechen, doch sie blieben geduldig sitzen und warteten darauf, dass das Kind mit ihnen sprechen konnte. Die Nacht brach herein, als die Stimme hustete und sich räusperte, und dann fragte das Innerste der Kugel, der letzte Teil von ihr, der noch ein bisschen strahlte: „Wer seid ihr?“
no subject
Date: 2007-10-14 03:35 pm (UTC)Vom Ausdruck her ist es mal wieder sehr schön und es passt gut zur Challenge.
no subject
Date: 2007-10-14 03:40 pm (UTC)Der Ansatz würde mich aber auch interessieren! °_°