[identity profile] tristraine.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Hufflepuff
Challange: „Ich kann Dir Klamotten leihen.“
Fandom: Kinky Boots
Charaktere: Lola/Simon, Charlie, Lauren

Kommentar: Ich folge der Erzählweise des Films bzw. des Musicals. Wenn von Lola die Rede ist, benutze ich „sie“ als Pronomen und bei Simon „er“. Es ist Schund, aber das macht nichts ;D


Charlie staunt als er nach Lauren die Wohnung betritt, und direkt im Wohnzimmer steht. Lolas Wohnung sieht überraschend normal aus. Vielleicht sogar ein wenig altbackend. Es finden sich nur wenige Hinweise darauf, dass Lola ein ganz und gar einzigartiger Mensch ist. Ein gerahmtes Plakat von ihrem ersten großen Auftritt als Dragqueen hängt über dem beigen Wohnzimmersofa. Eine kleine Pinwand mit Fotos von vergangenen Auftritten und engen Freunden in der offen einsehbaren Küche, die mit weiß gestrichenem Holz verkleidet ist. Ein massiver Eichenschrank an der Wohnzimmerwand und ein kleiner Häkelläufer über dem siebziger Jahre Couchtisch aus Glas, erinnern Charlie an seine Mutter.
Lola bemerkt seinen Blick und erklärt lächelnd: „Die Möbel sind vom Vormieter, Häkeldecke von Miss Miles, die mir das Zimmer vermietet hatte – ein Abschiedsgeschenk.“ Lola sieht in dieser seltsam normalen Umgebung aus wie immer. Seit Charlie sie kennt, hat sie nur selten mal einen Anzug oder einen schlichten Rollkragenpullover getragen. Nur wenn ihr danach war, was hie und da der Fall sein konnte, oder um Konfrontationen zu vermeiden, was sie nur selten tat. Charlie fällt auf, dass sie wieder das blaue Kleid von ihrem ersten Besuch in der Fabrik trägt und es versetzt ihm einen kleinen Stich, wie er sich benommen hat. Er schämt sich dafür, dass Lola ihm mal dermaßen peinlich war.

Lola deutet seinen Gesichtsausdruck falsch. „Kommt erstmal mit ins Badezimmer, da wird es schlimm.“ Lola hält ihr Wort. Das Badezimmer wurde wahrscheinlich in den 50ern gekachelt. Des 18. Jahrhunderts. Hellbraune Kacheln mit einem orangen Blumenmuster und eine Toilette mit farblich passenden, vermutlich selbstgehäkelten Sitzbezug. Nur das Waschbecken ist zwischendurch ausgetauscht wurden. Es strahlt apfelgrün. „Oh“ sagt Lauren. „Oh“ fügt Charlie hinzu. „Oh“ imitiert Lola ihre Vorgänger und nickt zustimmend. „Aber dafür sind wir ja nicht hier.“ Sie schiebt ihre beiden Gäste wieder aus dem Badezimmer hinaus und in das gegenüberliegende Schlafzimmer.

„Wow“ entfährt es Charlie und Lauren gleichzeitig. Das Schlafzimmer sieht mehr nach Lola aus. „Als ich gekündigt habe, habe ich meine Sachen aus der Garderobe mitgenommen. Und die Mädels haben mir den Spiegel geschenkt.“ Lola hat die Wände rot gestrichen, jedenfalls kann sich Charlie nicht vorstellen, dass die Vormieter diese Farbe gewählt haben. Lolas Bett ist breit und mit schwarzer Satinbettwäsche bezogen. Der Schminktisch aus ihrer Garderobe hat zwischen einigen, an der wandbefestigten, Kleiderstangen und ihrem riesigen Schuhschrank Platz gefunden. Lola hat insgesamt fünf Spiegel in dem Raum untergebracht. Dieses Zimmer wirkt auf Charlie im Gegensatz zu den anderen Räumen wie ein zuhause.

„Gut Lauren, meine Hübsche, es soll klassisch aber nicht langweilig aussehen. Immerhin bist du Exekutive Manager bei Price und Son, einem Familienunternehmen mit langer und stolzer Geschichte, dass seit kurzem Fetischschuhe herstellt. Ein ernsthafter Geschäftspartner, mit dem man unbedingt zusammenarbeiten will.“ Lola beginnt nachdenklich ihren Kleiderschrank abzugehen. In Northampton gibt es wahrscheinlich keinen weiteren, solchen Kleiderschrank. Weder bei Männern noch bei Frauen. Charlie kann sich Lauren gut in dem kurzen, schwarzen Seidenkleid vorstellen und wird rot bei dem Gedanken. „Das hier könnte etwas sein.“ Lola reicht ihr eine weiße Bluse mit Bleistiftrock, dann ein knallrotes Kostüm mit kurzem Rock und ein schwarzes Kleid mit Schmetterlingsdruck und passendem Blazer. „Und jetzt anprobieren“. Lauren wagt sich mit ihrer Ausbeute in das furchtbare Badezimmer. Charlie schaut sich ein wenig fragend im Zimmer um, und lässt sich dann vorsichtig aufs Bett nieder. Lola setzt sich an ihren Schminktisch und zieht ihre Wimperntusche nach. „Charlie Liebling, könntest Du vielleicht nochmal das rote Halstuch raussuchen. Hinten links. Passend zum Bleistiftrock.“ Charlie fühlt sich von der Aufgabe leicht überfordert. Er wagt sich vorsichtig erneut an die Kleiderstangen. Ein Kleid mit bunten Blumendruck fühlt sich wie Satin an, ein rotes mit silberner Spitze wie Samt. Charlie blättert fasziniert durch die Kleider, Plastik, Leder, Samt, Satin, Baumwolle, Spitze, Chiffon. Glitzer, Goldborte, Perlen. Elegant, kurz, knallig und ganz überraschend auch 2-3 legere Outfits. Lola schließt die Wimperntusche und beobachtet dafür Charlie im Spiegel.

Lauren erscheint mit dem knallroten Kostüm aus dem Badezimmer. Es ist ihr ein wenig zu groß, aber es reicht für einen ersten Eindruck. „Oh“ sagt Lola „vielleicht probierst du lieber ein anderes.“ Charlie sagt lieber nichts. „Ich sehe ein wenig aus wie meine Mutter, wenn diese Werbung für eine erotische Zeitschrift machen würde – das ist kein schöner Gedanke. Bin gleich zurück.“ Charlie wendet sich wieder dem Kleiderschrank zu. „Was sollte ich suchen?“ fragt er möglichst neutral. „Ein rotes Halstuch“ wiederholt Lola ebenso beiläufig, ohne die Ortsangabe zu wiederholen. Charlie schaut sich weiter um, während Lola sich scheinbar um ihre Nägel kümmert, um ihm ein wenig Raum zu lassen. Die schwarze Bluse hat einen unglaublich komplizierten Schnitt und ein paar wunderhübsche Kranichstickereien. In einem Abschnitt hängen nur Gürtel, glitzernd und ledernd. Ein Gürtel besteht nur aus Spitze. Lolas Weichspüler riecht nach Vanille und zieht sich durch die meisten Kleidungsstücke. Charlie hat ihre Garderobe im Club natürlich zwei- drei Mal gesehen und die Outfits, die Lola in den letzten Wochen ihrer Zusammenarbeit getragen hat. Aber das war immer öffentlich, so dass er sich kaum getraut hat, richtig hinzusehen. Zu seiner eigenen Überraschung fällt ihm jetzt erst auf wie schön, wie außergewöhnlich schön, die Sachen sind.

Lauren erscheint wieder im Raum und Charlie greift schnell nach irgendeinem Halstuch, dass er links in der Ecke wahrgenommen hat. Es ist rußgrau. Lauren trägt die weiße Bluse mit dem Bleistiftrock und ein Paar von Lolas Pumps. Ihre Füße sehen darin aus, wie die eines kleinen Mädchens in den Schuhen ihrer Mutter. „Und?“ fragt sie hoffnungsvoll?“ „Perfekt!“ entfährt es Lola, die zu gleich nach einem Maßband greift. „Sehr passend!“ fügt Charlie an. „Aber sie sind wirklich ein wenig groß, oder?“ Lola lacht und fängt an Maß zu nehmen. „88“ murmelt Lola und notiert sich die Taillenweite auf einem alten Stück Papier. „Und eine Länge von 40 wäre anscheinend passend. Schau nicht so besorgt, dass bekomm ich an einem Abend hingezaubert. Charlie fährt erneut interessiert mit der Hand an Lolas Kleidern entlang. „Die Bluse bekommen wir auch passend, zieh sie mal falsch rum an!“ Lola schaut demonstrativ zur Seite und Charlie folgt ihrem Beispiel, auch wenn er Lauren schon mit wesentlich weniger Kleidung gesehen hat. „Fertig“ verkündet Lauren ca. 80 Sekunden später, woraufhin Lola sich schnell mit einem Stecknadelkissen an die Arbeit macht.
Charlie schaut sich in der Zwischenzeit noch ein wenig in Lolas Kleiderparadies um, bis Lauren fragt „Könntest Du Charlie auch was zum Anziehen leihen?“ Laurens Stimme klingt ganz normal, aber Charlie zuckt trotzdem zusammen. Er fühlt sich ertappt bei etwas, was ihm nicht peinlich sein sollte, es aber trotzdem ist. Oder sollte sich das so anfühlen? „Das ist wirklich nicht nötig.“ bringt er stammelnd hervor „Lauren geht ja zu dem Meeting und nicht ich.“ Aber Lola ist bereits begeistert. „Aber ich hätte da bestimmt ein passendes Outfit für dich. Das wäre bestimmt lustig.“ Charlie bezweifelt das stark. In Northampton als Mann ein Kleid zu tragen, gilt als alles andere als lustig, auch wenn es ein wirklich schönes Kleid ist. „Oh bitte Charlie“ sagt Lauren und sie klingt so, als ob es ihr viel bedeutet. Charlie erinnert sich an den Abend in der Fabrik als Lauren mit Lola getanzt hat und merkt für einen kleinen Moment ein Gefühl der Eifersucht. Was albern ist, da Lola nach allem was er getan hat, trotzdem sein Freund geblieben ist. „Ich weiß nicht“ versucht es Charlie erneut, der sich unsicher ist, was er nun will und was er wollen sollte. „Bitte“ wiederholen Lauren und Lola im Chor, beide jetzt ein wenig aufgeregter. „Keine Paletten, kein Rosa, keine Schleifchen“ stellt Charlie als Bedingung. „Als ob ich was mit Schleifchen hätte“ gibt Lola pikiert zurück. „Gut, lass mich ganz kurz mal deine Schultern messen, die könnten hier zum Problem werden.“ Lola nimmt Maß und Charlie fühlt sich irgendwie nackt, obwohl er immer noch seine blaue Jeans und ein weißes Hemd trägt.

Lola nimmt nach und nach verschiedene Kleider in die Hand, wirft einen Blick auf Charlie und auf das Kleid, und hängt es wieder zurück. Sie zieht das schwarze Satinkleid heraus. Charlie nickt ganz wenig, vielleicht zittert auch nur. Es ist doch nur ein Kleid, sagt er sich in Gedanken. „Wow“, sagt Lauren, „das ist einfach wow“. „Das ist eine sehr gute Wahl. Raffiniert und sexy und perfekt für deine Körperform. Wir können das mit der Schnürung auf Figur bringen.“ Lola lächelt zufrieden, aber ein wenig unsicher, als sie Charlie mustert. „Ist das okay? Du kannst dir auch ein anderes aussuchen….“
„Ne“ sagt Charlie mit ganz trockener Stimme „Das … das ist okay.“ Er will es Lola aus der Hand nehmen, und damit im schrecklichen Badezimmer verschwinden, aber Lola lässt nicht los. „Ich will dir nicht zu nahe treten Charlie aus Northampton – dafür ist es zu spät denkt Charlie – „aber ich habe Zweifel, dass Du das ohne Hilfe schaffst. Sie zieht eine Strumpfhose aus einem Schubfach. Charlie schaut zu Lauren, die ihn anstrahlt und dann zu Lola, die absolut von ihrer Idee begeistert ist. Er räuspert sich, nur um dann nichts zu sagen. Lauren hat ihn schon nackt gesehen. Lola ist ein Mann. Wenn er mit Simon in einer Umkleide nach einer Runde Basketball stehen würde, würde er keinen Gedanken daran verschwenden. Er seufzt und öffnet langsam seine Schuhe, die er ordentlich nebeneinander stellt, Price & Son – Schuhe, die ein lebenlang halten. Dann zieht er seine Hose und zuletzt die Socken aus, faltet alles penibel und legt den Stapel auf seine Schuhe. Er schaut Lola fragend an. „Das reicht für die Strumpfhose.“ Lola rollt ein Bein auf, Lauren das andere. Mit einer liebevollen Bewegung schubst Lauren Charlie auf das Bett, und beginnt zusammen mit Lola ihm die Strumpfhose anzuziehen. Beide ziehen und zerren an der grauen Strumpfhose bis sie sitzt. Sie müssen kichern, Charlie, weil es ihm so bizarr vorkommt, Lauren, weil es ihr so überraschend gut gefällt und bei Lola weiß man nur selten, was tatsächlich in ihr vorgeht. Lola zieht aus der unteren Schublade ihres Garderobenschranks einen Bh mit zwei Einlagen. Charlie zieht wortlos sein Hemd aus, und legt es auf die zusammengelegte Hose. Ordnung scheint ihm alles zu sein. Er achtet darauf, in keinen der Schlafzimmerspiegel zu sehen. Charlie streckt die Arme aus, und Lola zieht ihm den BH an. Sie kann ihn ohne hinzugucken schließen. Charlie kam sich noch nie im Leben so verletzlich vor. Lauren sieht ihn an, als wäre er der sexiest men alive, was seinem Selbstwertgefühl in diesem Moment so gar nicht hilft. Lola beeilt sich ihm in das schwarze Kleid zu helfen, dass aus jeder Menge Bändern, Ösen und kleinen Harken besteht.

Es fehlen nur noch die Schuhe. Sein Vater, der jeden Menschen nach seinen Schuhen beurteilte. Lieber nicht an seinen Vater denken, nicht jetzt. „Okay, welche Schuhe möchtest Du?“ Lola lässt ihn selber die Schuhe auswählen, Lauren hält sich ebenfalls zurück. Charlie schaut lange in die Schuhregale. Gut gefertigte Schuhe neben schiefen Nähten. Bei zwei – drei Schuhe biegt er die Sohlen, um ihre Qualität zu überprüfen. Am Ende endscheidet er sich für ein paar schwarze Highheels aus Lack mit drei kleinen Edelsteinen als Verzierung. Price & Son natürlich. Relativ schlicht im Vergleich zu Lolas anderen Schuhen.

„Make-up?“ fragt Lola. Charlie wartet noch darauf, mutig genug zu sein, um in den Spiegel zu sehen. Er schüttelt den Kopf. „Haare?“ fragt Lola. Lauren staunt immer noch, wie gut ihr Freund aussieht. Sie greift nach seiner Hand und lächelt. „Schmuck?“ fragt Lola. „Naja, vielleicht das nächste Mal.“ beantwortet sie ihre eigene Frage. Charlie atmet tief ein. Wahrscheinlich wird er lächerlich aussehen. Albern. Weibisch. Nicht weiblich. Lola greift nach seiner anderen Hand. „Komm schon Charlie. Trau Dich.“ Lauren drückt seine Hand fester. „Du bist wunderschön.“ Charlie lacht, aber er hebt den Kopf. Lauren hat recht. Sie alle drei sind wunderschön.

Date: 2016-07-24 07:38 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com


Das ist eine unheimlich liebevolle Szene, finde ich. Trifft "Romantik/Intimität" wunderbar.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios