Team: Gryffindor
Challenge: h/c: "Bist du nicht müde?" (für mich)
Fandom: Tumbling (Office!AU)
Personen: Yûta, Ryôsuke, Tsurumi
Wörter: ~ 1.700
Anmerkung: Es geht weiter. Geschäftsreisen sind kein Zuckerschlecken, wenn man ständig von seiner Nemesis beobachtet wird, stellt Yûta fest. Und wenn man sexuell verwirrt ist.
Die Arbeit in Ôsaka ist die Hölle.
Yûta benutzt dieses Wort sehr selten in seinem Kopf und niemals im wirklichen Leben, wenn er mit anderen Menschen spricht.
Aber er kommt bald zu der Erkenntnis, dass er es wenigstens vor sich selbst zugeben muss.
Es gibt viel zu tun. Zig Meetings werden angesetzt, in denen das Top-Management der Firma ihn auseinandernimmt. Sind die Produkte, die er in Tokyo vermarktet, gut genug? Werfen sie genug ab? Wann werden sie aus den roten Zahlen raus sein? Welche Konzepte werden im Marketing verfolgt? Wie wird das Budget eingesetzt? Wie sind die Absatzzahlen? Wie sind die Absatzzahlen über den Online-Handel?
Yûta schreibt jeden Tag so viele E-Mails nach Tokyo, dass er die Antworten nicht mehr seinen Fragen zuordnen kann. Er telefoniert mit Yano und Kashiwagi. Er telefoniert sogar zwei Stunden lang mit Mizusawa, weil er vor Tsurumi und der Firmenleitung darlegen muss, warum man für den Mochi Mochi Kinderriegel ein Bienchen als Maskottchen gewählt hat. Und warum diese Biene blaue Augen hat.
Selbstverständlich kommt das nicht plötzlich. Er hat gewusst, was ihn erwartet.
Allein mit der Intensität hat er nicht gerechnet.
Und auch nicht damit, dass er von morgens bis abends von Tsurumi überwacht würde.
Es ist auch nicht hilfreich, dass Yûta noch immer neben Ryôsuke schläft in der Nacht.
Er hat versucht, ein anderes Zimmer nachbuchen zu lassen. Bis der Schock kam, als Wataru ihn kleinlaut angerufen hat.
„Sorry, Yûta“, hat er gesagt und Yûta konnte hören, dass sein Freund seinen Ärger herunterschluckte.
„Ich hab Anweisungen bekommen, dass wir keine Unterbringungskosten an Ôsaka weiterleiten dürfen. Zum Kotzen, ey!“
Yûta hat über diesen Fluch milde hinweggesehen.
„Und wenn ich vor- und zurückrechne, es geht nicht auf. Ich kann dir nichts dazubuchen. Wortwörtlich.“
„Mach dir keine Sorgen“, hat Yûta erwidert.
„Das ist gar kein Problem. Wir kommen ja gut miteinander aus.“
Das ist nur die halbe Wahrheit.
Denn Yûta spürt, dass er neben Ryôsuke nicht entspannt schlafen kann, selbst wenn er nach einem 14-Stunden-Tag nur noch umkippen möchte. Sobald er sich hinlegt oder sobald Ryôsuke sich neben ihm hinlegt, beginnt Yûtas Herz wild zu pochen. Seine Hände werden warm. Seine Ohren stellen sich scharf auf Geräusche, die Ryôsuke macht: Sein Atem, die Art, wie er sich im Schlaf umdreht, sein Nuscheln, wenn er im Traum spricht.
Yûta findet seinen Blick immer wieder auf Ryôsuke, verborgen in der Dunkelheit.
Wie Ryôsukes Schlafshirt manchmal hochrutscht, wenn er sich in wilden Träumen hin- und herwirft. Wie er die Decke zwischen seinen Beinen einklemmt.
Yûta kann die letzte Nacht nicht vergessen, in der er irgendwann gegen vier Uhr morgens so leise wie möglich einen Toilettengang erledigt hat. Als er zurückkam, lag Ryôsuke ausgestreckt schlafend da, die Bettdecke halb von sich geschoben und nur über seinen Oberkörper gelegt. Unter seinen weißen Shorts zeichnete sich im Mondlicht auf beinah romantische Weise eine Erektion ab.
Das Bild zuckt immer wieder vor Yûtas geistigem Auge auf, wenn er sich nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren kann. Zu Hause arbeitet er in der Regel zehn Stunden täglich, an Freitagen auch mehr, um für den Wochenabschluss alles nachzubereiten.
Hier sind seine Tage so vollgepackt mit Meetings, dass er seine reguläre Arbeit nicht schafft.
E-Mails von seinem Team aus Tokyo türmen sich;
„Takenaka-san, verzeihen Sie, dass ich schon wieder schreibe, aber...“
„Takenaka-san, ich bin sicher, Sie sind sehr beschäftigt, aber ich benötige..“
„Takenaka-kun, denkst du bitte dran, mir die Unterschrift für das Projekt noch...“
„Yuta, ist alles okay da drüben?“
Sie verschwimmen vor seinen Augen.
Er wischt sich mit einem kleinen Tüchlein, das er stets bei sich trägt, den Schweiß von der Stirn. Warum Tsurumi ihn an den hintersten Platz am weitesten entfernt von der Klimaanlage platziert hat, steht in den Sternen.
Das Büro ist bereits fast leer, als sich ein bekannter Blondschopf in sein Gesichtsfeld schiebt – die einzige wirklich freundliche Erscheinung hier.
„Komm schon, lass uns gehen“, sagt Ryôsuke.
Er hat seine Umhängetasche geschultert und tritt ungeduldig von einem Bein aufs andere. Seine Haare sind zerzaust und wild vom langen Tag, unter seinen Augen liegen dunkle Ringe. Yûta bemüht sich, ihn sein Gesicht zu sehen und nicht seinen Schritt, auch wenn dieser gerade eher auf Augenhöhe ist.
Dann blickt er auf die Uhr in seinem Laptop.
Es ist 23:14 Uhr.
„Ich muss noch diesen Bericht beenden“, sagt Yûta leise und lächelt entschuldigend.
„Geh doch schon mal ohne mich?“
Ryôsuke schaut ihn sehr lange an. Er sieht ganz weiß aus im Gesicht, auch wenn das womöglich vom Licht aus den Leuchtstoffröhren kommt. Krankenhausbeleuchtung schmeichelt nicht einmal schönen Menschen wie ihm.
„Ich will nicht“, sagt er schließlich.
„Nur, wenn du mitgehst. Du hast es bitter nötig, Mann.“
Yûta schluckt leise und räuspert sich. Er versucht, das Bild von letzter Nacht aus seinem Kopf zu löschen – bereits zum hundertsten Mal heute – und denkt nicht weiter darüber nach, was genau er so nötig hat.
„Ich muss das hier wirklich noch beenden, tut mir leid.“ Yûta lächelt Ryôsuke noch einmal zu.
„Bist du nicht müde? Du solltest wirklich vorgehen.“
Er weiß nicht warum, doch anscheinend bringt er Ryôsuke damit dazu, mit den Augen zu rollen.
„Alter“, gibt dieser von sich. Yûta hat nie verstanden, wen Männer meinen, wenn sie irgendeinen Alten beschwören. Das hat er auch als Junge nie verstanden. Das tun immer nur Leute wie Ryôsuke oder Wataru.
„Bist du nicht müde? Komm schon, du siehst aus, als würdest du gleich direkt ins Koma fallen. Wir brauchen dich aber noch 'ne Weile lebend. Wir können dem Arschloch Tsurumi sagen, dass er sich seinen Bericht in den- an den Hut stecken kann. Okay?“
Das letzte Wort ist eindeutig eine Bitte.
Yûta lehnt sich im Stuhl zurück. Er weiß nicht, wie er damit umgehen soll.
Das ist Sorge. Um ihn. Richtig?
Nein... nein, das ist unmöglich.
Wieso sollte Ryôsuke sich um ihn sorgen? Bis vor kurzem hat der ihn, Yûta, ja nicht einmal wirklich für menschlich gehalten. Eine Annahme, die Yûta ihm nicht übelnimmt, wirklich. Er hat sich inzwischen daran gewöhnt.
„Du musst dich nicht verpflichtet fühlen, erst nach mir zu gehen“, setzt er noch einmal an.
„Als ob es darum-“ Ryôsuke seufzt und macht komplizierte Wedelbewegungen.
„Okay, weißt du was? Dann bleib halt noch. Was red' ich mir hier den Mund fusslig! Wir sehen uns dann morgen früh.“
Er stockt in der Bewegung.
„Oder heute Nacht“, schiebt er sehr leise hinterher.
Dann berichtigt er den Halt seiner Tasche über der Schulter und entfernt sich.
Yûta schaut ihm vage nach.
Er wünscht sich für eine Sekunde, er könnte das Rätsel um Tsukimori Ryôsuke lösen, könnte einen Reset-Knopf drücken, um nicht mehr von ihm abgelenkt zu werden.
Denn nichts passt mehr zusammen.
Weder die Tatsache, dass er, obwohl er Wataru aufs Schmerzlichste vermisst, nicht vergessen kann, dass er weiß, wie Ryôsuke mit einer Erektion aussieht.
Er möchte sich schon wieder als Ablenkung in seinem Bericht vertiefen, als er eine Tür klappen hört und sich fragt, was Ryôsuke wohl noch vergessen hat.
Es ist allerdings Tsurumi, der plötzlich vor ihm steht.
„Na, noch da?“, fragt dieser unnötigerweise.
Er lächelt und legt den Kopf schief. Yûta erinnert sich, dass er das in der Schule auch immer getan hat. Wenn er mit Lehrern diskutierte und sich klar im Vorteil sah. Es waren diese Zeiten, in denen er Yûta das Fürchte gelehrt hat.
„Ich bereite noch ein paar Dinge für morgen vor“, erwidert Yûta schnell und deutet eine Verbeugung an.
„Na dann. Überanstreng dich nicht.“
Tsurumi grinst dasselbe arrogante Grinsen, das er als kleiner Junge schon drauf hatte. Yûta denkt daran, dass er es begrüßen würde, dass Tsurumi endlich damit aufhören würde, ihn zu duzen.
Auch wenn ihm selbstverständlich klar ist, warum er das tut.
„Achja.“ Schon fast im Gehen begriffen wirbelt der Mann noch einmal herum.
„Ich habe gerade Tsukimori gehen sehen. Der ist ja wirklich ein eifriger junger Mann.“
Und wieder legt er den Kopf schief.
„Natürlich“, entgegnet Yûta zögernd. Er spürt, wie er sich an seiner Computermaus festhält.
„Er gibt stets sein Bestes. Zu unserer vollsten Zufriedenheit.“
„Oh bitte, du brauchst mir kein Arbeitszeugnis runterbeten.“ Tsurumi schnalzt mit der Zunge.
„Ich meine nur, dafür, dass er sich gibt und aussieht wie ein Punk, scheint er ja ganz..nützlich zu sein.“
Yûta schöpft tief Luft. Scham brennt mit einem Mal in seiner Brust.
Er möchte den Mut fassen und etwas zu Ryôsukes Verteidigung sagen, als Tsurumi den Blick auf ihn richtet und süffisant lächelt;
„Naja... ganz hübsch ist er auch, nicht wahr?“
Es ist, als ob sämtliche Gedanken und Worte, die Yûta bereits auf seiner Zunge liegen hatte, ersterben.
„Was...meinst du?“, presst er heraus, so verdattert, dass er vergisst, dass er Tsurumi eigentlich höflicher adressiert.
„Nun ja.“
Dieser zuckt mit den Schultern.
„Ich bin ja nicht blind und die Damen finden ihn ganz fesch, wie du so schön sagen würdest. Er braucht sie nur anzulächeln und die fallen alle reihenweise in Ohnmacht. Allerdings habe ich mir heute eine Abrechnung angesehen, die unsere Buchhaltung mit Ablehnung wieder zurückgeschickt hat an deine Leute. Du und er, ihr seid in einem Hotelzimmer?“
Yûta spürt, wie das Blut aus seinen Gliedern weicht. Aus einen Fingern und Zehen, aus seine Lippen und Ohren. Wenn er es nicht besser wüsste, er würde sagen, dass sein Herz stehen geblieben ist.
Er räuspert sich hastig.
„Um Kosten zu sparen“, sagt er hektisch.
Es erschreckt ihn, wie sehr das klingt wie eine Lüge, wie eine schreckliche Ausrede, wenn es doch nichts als die Wahrheit ist.
Tsurumi beäugt ihn, als ob er das auch nicht ganz glauben würde.
Denn natürlich tut er das nicht.
Niemand sonst tut so etwas Merkwürdiges.
„Soso“, bemerkt er knapp.
„Wenn ich Sie erinnern dürfte“, holt Yûta aus. Er fühlt sich wie ein in die Ecke getriebenes Kaninchen.
„Unsere Tokyoter Kostenstelle übernimmt diese Geschäftsreise. Unser Budget ist, wie Sie wissen, begrenzt. Wir tun also unser Bestes, um es so effizient wie möglich zu gebrauchen.“
„Schon gut, schon gut, kein Grund, gleich wieder einen Stock zu verschlucken.“
Tsurumi hebt eine Augenbraue.
„Was auch immer eure Gründe sind. Es geht mich ja auch nichts an. Ich wollte doch nur nett plaudern.“
Er zuckt mit den Schultern und schickt sich an zu gehen.
Und schon wieder bleibt er stehen.
Er schaut über seine Schulter und grinst schief;
„Er hat einen sehr hübschen Mund, dein Tsukimori-kun. Aber was sag ich – ich wette, das weißt du schon längst sehr gut. Bis morgen dann!“
Mit großen, sicheren Schritten verlässt er das Büro.
Er hinterlässt das pure Chaos.
To be continued...
Challenge: h/c: "Bist du nicht müde?" (für mich)
Fandom: Tumbling (Office!AU)
Personen: Yûta, Ryôsuke, Tsurumi
Wörter: ~ 1.700
Anmerkung: Es geht weiter. Geschäftsreisen sind kein Zuckerschlecken, wenn man ständig von seiner Nemesis beobachtet wird, stellt Yûta fest. Und wenn man sexuell verwirrt ist.
Die Arbeit in Ôsaka ist die Hölle.
Yûta benutzt dieses Wort sehr selten in seinem Kopf und niemals im wirklichen Leben, wenn er mit anderen Menschen spricht.
Aber er kommt bald zu der Erkenntnis, dass er es wenigstens vor sich selbst zugeben muss.
Es gibt viel zu tun. Zig Meetings werden angesetzt, in denen das Top-Management der Firma ihn auseinandernimmt. Sind die Produkte, die er in Tokyo vermarktet, gut genug? Werfen sie genug ab? Wann werden sie aus den roten Zahlen raus sein? Welche Konzepte werden im Marketing verfolgt? Wie wird das Budget eingesetzt? Wie sind die Absatzzahlen? Wie sind die Absatzzahlen über den Online-Handel?
Yûta schreibt jeden Tag so viele E-Mails nach Tokyo, dass er die Antworten nicht mehr seinen Fragen zuordnen kann. Er telefoniert mit Yano und Kashiwagi. Er telefoniert sogar zwei Stunden lang mit Mizusawa, weil er vor Tsurumi und der Firmenleitung darlegen muss, warum man für den Mochi Mochi Kinderriegel ein Bienchen als Maskottchen gewählt hat. Und warum diese Biene blaue Augen hat.
Selbstverständlich kommt das nicht plötzlich. Er hat gewusst, was ihn erwartet.
Allein mit der Intensität hat er nicht gerechnet.
Und auch nicht damit, dass er von morgens bis abends von Tsurumi überwacht würde.
Es ist auch nicht hilfreich, dass Yûta noch immer neben Ryôsuke schläft in der Nacht.
Er hat versucht, ein anderes Zimmer nachbuchen zu lassen. Bis der Schock kam, als Wataru ihn kleinlaut angerufen hat.
„Sorry, Yûta“, hat er gesagt und Yûta konnte hören, dass sein Freund seinen Ärger herunterschluckte.
„Ich hab Anweisungen bekommen, dass wir keine Unterbringungskosten an Ôsaka weiterleiten dürfen. Zum Kotzen, ey!“
Yûta hat über diesen Fluch milde hinweggesehen.
„Und wenn ich vor- und zurückrechne, es geht nicht auf. Ich kann dir nichts dazubuchen. Wortwörtlich.“
„Mach dir keine Sorgen“, hat Yûta erwidert.
„Das ist gar kein Problem. Wir kommen ja gut miteinander aus.“
Das ist nur die halbe Wahrheit.
Denn Yûta spürt, dass er neben Ryôsuke nicht entspannt schlafen kann, selbst wenn er nach einem 14-Stunden-Tag nur noch umkippen möchte. Sobald er sich hinlegt oder sobald Ryôsuke sich neben ihm hinlegt, beginnt Yûtas Herz wild zu pochen. Seine Hände werden warm. Seine Ohren stellen sich scharf auf Geräusche, die Ryôsuke macht: Sein Atem, die Art, wie er sich im Schlaf umdreht, sein Nuscheln, wenn er im Traum spricht.
Yûta findet seinen Blick immer wieder auf Ryôsuke, verborgen in der Dunkelheit.
Wie Ryôsukes Schlafshirt manchmal hochrutscht, wenn er sich in wilden Träumen hin- und herwirft. Wie er die Decke zwischen seinen Beinen einklemmt.
Yûta kann die letzte Nacht nicht vergessen, in der er irgendwann gegen vier Uhr morgens so leise wie möglich einen Toilettengang erledigt hat. Als er zurückkam, lag Ryôsuke ausgestreckt schlafend da, die Bettdecke halb von sich geschoben und nur über seinen Oberkörper gelegt. Unter seinen weißen Shorts zeichnete sich im Mondlicht auf beinah romantische Weise eine Erektion ab.
Das Bild zuckt immer wieder vor Yûtas geistigem Auge auf, wenn er sich nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren kann. Zu Hause arbeitet er in der Regel zehn Stunden täglich, an Freitagen auch mehr, um für den Wochenabschluss alles nachzubereiten.
Hier sind seine Tage so vollgepackt mit Meetings, dass er seine reguläre Arbeit nicht schafft.
E-Mails von seinem Team aus Tokyo türmen sich;
„Takenaka-san, verzeihen Sie, dass ich schon wieder schreibe, aber...“
„Takenaka-san, ich bin sicher, Sie sind sehr beschäftigt, aber ich benötige..“
„Takenaka-kun, denkst du bitte dran, mir die Unterschrift für das Projekt noch...“
„Yuta, ist alles okay da drüben?“
Sie verschwimmen vor seinen Augen.
Er wischt sich mit einem kleinen Tüchlein, das er stets bei sich trägt, den Schweiß von der Stirn. Warum Tsurumi ihn an den hintersten Platz am weitesten entfernt von der Klimaanlage platziert hat, steht in den Sternen.
Das Büro ist bereits fast leer, als sich ein bekannter Blondschopf in sein Gesichtsfeld schiebt – die einzige wirklich freundliche Erscheinung hier.
„Komm schon, lass uns gehen“, sagt Ryôsuke.
Er hat seine Umhängetasche geschultert und tritt ungeduldig von einem Bein aufs andere. Seine Haare sind zerzaust und wild vom langen Tag, unter seinen Augen liegen dunkle Ringe. Yûta bemüht sich, ihn sein Gesicht zu sehen und nicht seinen Schritt, auch wenn dieser gerade eher auf Augenhöhe ist.
Dann blickt er auf die Uhr in seinem Laptop.
Es ist 23:14 Uhr.
„Ich muss noch diesen Bericht beenden“, sagt Yûta leise und lächelt entschuldigend.
„Geh doch schon mal ohne mich?“
Ryôsuke schaut ihn sehr lange an. Er sieht ganz weiß aus im Gesicht, auch wenn das womöglich vom Licht aus den Leuchtstoffröhren kommt. Krankenhausbeleuchtung schmeichelt nicht einmal schönen Menschen wie ihm.
„Ich will nicht“, sagt er schließlich.
„Nur, wenn du mitgehst. Du hast es bitter nötig, Mann.“
Yûta schluckt leise und räuspert sich. Er versucht, das Bild von letzter Nacht aus seinem Kopf zu löschen – bereits zum hundertsten Mal heute – und denkt nicht weiter darüber nach, was genau er so nötig hat.
„Ich muss das hier wirklich noch beenden, tut mir leid.“ Yûta lächelt Ryôsuke noch einmal zu.
„Bist du nicht müde? Du solltest wirklich vorgehen.“
Er weiß nicht warum, doch anscheinend bringt er Ryôsuke damit dazu, mit den Augen zu rollen.
„Alter“, gibt dieser von sich. Yûta hat nie verstanden, wen Männer meinen, wenn sie irgendeinen Alten beschwören. Das hat er auch als Junge nie verstanden. Das tun immer nur Leute wie Ryôsuke oder Wataru.
„Bist du nicht müde? Komm schon, du siehst aus, als würdest du gleich direkt ins Koma fallen. Wir brauchen dich aber noch 'ne Weile lebend. Wir können dem Arschloch Tsurumi sagen, dass er sich seinen Bericht in den- an den Hut stecken kann. Okay?“
Das letzte Wort ist eindeutig eine Bitte.
Yûta lehnt sich im Stuhl zurück. Er weiß nicht, wie er damit umgehen soll.
Das ist Sorge. Um ihn. Richtig?
Nein... nein, das ist unmöglich.
Wieso sollte Ryôsuke sich um ihn sorgen? Bis vor kurzem hat der ihn, Yûta, ja nicht einmal wirklich für menschlich gehalten. Eine Annahme, die Yûta ihm nicht übelnimmt, wirklich. Er hat sich inzwischen daran gewöhnt.
„Du musst dich nicht verpflichtet fühlen, erst nach mir zu gehen“, setzt er noch einmal an.
„Als ob es darum-“ Ryôsuke seufzt und macht komplizierte Wedelbewegungen.
„Okay, weißt du was? Dann bleib halt noch. Was red' ich mir hier den Mund fusslig! Wir sehen uns dann morgen früh.“
Er stockt in der Bewegung.
„Oder heute Nacht“, schiebt er sehr leise hinterher.
Dann berichtigt er den Halt seiner Tasche über der Schulter und entfernt sich.
Yûta schaut ihm vage nach.
Er wünscht sich für eine Sekunde, er könnte das Rätsel um Tsukimori Ryôsuke lösen, könnte einen Reset-Knopf drücken, um nicht mehr von ihm abgelenkt zu werden.
Denn nichts passt mehr zusammen.
Weder die Tatsache, dass er, obwohl er Wataru aufs Schmerzlichste vermisst, nicht vergessen kann, dass er weiß, wie Ryôsuke mit einer Erektion aussieht.
Er möchte sich schon wieder als Ablenkung in seinem Bericht vertiefen, als er eine Tür klappen hört und sich fragt, was Ryôsuke wohl noch vergessen hat.
Es ist allerdings Tsurumi, der plötzlich vor ihm steht.
„Na, noch da?“, fragt dieser unnötigerweise.
Er lächelt und legt den Kopf schief. Yûta erinnert sich, dass er das in der Schule auch immer getan hat. Wenn er mit Lehrern diskutierte und sich klar im Vorteil sah. Es waren diese Zeiten, in denen er Yûta das Fürchte gelehrt hat.
„Ich bereite noch ein paar Dinge für morgen vor“, erwidert Yûta schnell und deutet eine Verbeugung an.
„Na dann. Überanstreng dich nicht.“
Tsurumi grinst dasselbe arrogante Grinsen, das er als kleiner Junge schon drauf hatte. Yûta denkt daran, dass er es begrüßen würde, dass Tsurumi endlich damit aufhören würde, ihn zu duzen.
Auch wenn ihm selbstverständlich klar ist, warum er das tut.
„Achja.“ Schon fast im Gehen begriffen wirbelt der Mann noch einmal herum.
„Ich habe gerade Tsukimori gehen sehen. Der ist ja wirklich ein eifriger junger Mann.“
Und wieder legt er den Kopf schief.
„Natürlich“, entgegnet Yûta zögernd. Er spürt, wie er sich an seiner Computermaus festhält.
„Er gibt stets sein Bestes. Zu unserer vollsten Zufriedenheit.“
„Oh bitte, du brauchst mir kein Arbeitszeugnis runterbeten.“ Tsurumi schnalzt mit der Zunge.
„Ich meine nur, dafür, dass er sich gibt und aussieht wie ein Punk, scheint er ja ganz..nützlich zu sein.“
Yûta schöpft tief Luft. Scham brennt mit einem Mal in seiner Brust.
Er möchte den Mut fassen und etwas zu Ryôsukes Verteidigung sagen, als Tsurumi den Blick auf ihn richtet und süffisant lächelt;
„Naja... ganz hübsch ist er auch, nicht wahr?“
Es ist, als ob sämtliche Gedanken und Worte, die Yûta bereits auf seiner Zunge liegen hatte, ersterben.
„Was...meinst du?“, presst er heraus, so verdattert, dass er vergisst, dass er Tsurumi eigentlich höflicher adressiert.
„Nun ja.“
Dieser zuckt mit den Schultern.
„Ich bin ja nicht blind und die Damen finden ihn ganz fesch, wie du so schön sagen würdest. Er braucht sie nur anzulächeln und die fallen alle reihenweise in Ohnmacht. Allerdings habe ich mir heute eine Abrechnung angesehen, die unsere Buchhaltung mit Ablehnung wieder zurückgeschickt hat an deine Leute. Du und er, ihr seid in einem Hotelzimmer?“
Yûta spürt, wie das Blut aus seinen Gliedern weicht. Aus einen Fingern und Zehen, aus seine Lippen und Ohren. Wenn er es nicht besser wüsste, er würde sagen, dass sein Herz stehen geblieben ist.
Er räuspert sich hastig.
„Um Kosten zu sparen“, sagt er hektisch.
Es erschreckt ihn, wie sehr das klingt wie eine Lüge, wie eine schreckliche Ausrede, wenn es doch nichts als die Wahrheit ist.
Tsurumi beäugt ihn, als ob er das auch nicht ganz glauben würde.
Denn natürlich tut er das nicht.
Niemand sonst tut so etwas Merkwürdiges.
„Soso“, bemerkt er knapp.
„Wenn ich Sie erinnern dürfte“, holt Yûta aus. Er fühlt sich wie ein in die Ecke getriebenes Kaninchen.
„Unsere Tokyoter Kostenstelle übernimmt diese Geschäftsreise. Unser Budget ist, wie Sie wissen, begrenzt. Wir tun also unser Bestes, um es so effizient wie möglich zu gebrauchen.“
„Schon gut, schon gut, kein Grund, gleich wieder einen Stock zu verschlucken.“
Tsurumi hebt eine Augenbraue.
„Was auch immer eure Gründe sind. Es geht mich ja auch nichts an. Ich wollte doch nur nett plaudern.“
Er zuckt mit den Schultern und schickt sich an zu gehen.
Und schon wieder bleibt er stehen.
Er schaut über seine Schulter und grinst schief;
„Er hat einen sehr hübschen Mund, dein Tsukimori-kun. Aber was sag ich – ich wette, das weißt du schon längst sehr gut. Bis morgen dann!“
Mit großen, sicheren Schritten verlässt er das Büro.
Er hinterlässt das pure Chaos.
To be continued...
no subject
Date: 2016-07-17 08:06 am (UTC)Aber Yuuta muss auch dringend chillen ;_; Was nicht geht, weil er nicht weiß, wie, ABER WÄÄÄÄH DAS IST GRAUSAM UND ICH WILL SIE ALLE SCHÜTTELN, WINO, DU MUSST SCHWÖREN, DASS ES IHNEN SPÄTER WIEDER BESSER GEHT, JAAAH???
Er versucht, das Bild von letzter Nacht aus seinem Kopf zu löschen – bereits zum hundertsten Mal heute – und denkt nicht weiter darüber nach, was genau er so nötig hat.
Schlaf, Essen und ein paar Handjobs. :))) NUR SO. FALLS ER ES KLEINSCHRITTIG AUFGESCHRIEBEN BRAUCHT.
„Ich bin ja nicht blind und die Damen finden ihn ganz fesch, wie du so schön sagen würdest.
Ich kann es mir lebhaft vorstellen, wie alle gemütlich um einen Tisch sitzen und Yuuta zu einem Kommentar über Ryousukes Wirkung auf Frauen gedrängt wird, und dann benutzt er die Worte "ganz fesch" und am gesamten Tisch kehr Stille an und plötzlich wollen alle wieder lieber über die Bilanzen vom Vorjahr reden.
ACH, YUUTA, MEIN ARMES HERZ!!!
„Was auch immer eure Gründe sind. Es geht mich ja auch nichts an. Ich wollte doch nur nett plaudern.“
Was ich ja an diesem ganzen AU besonders großartig finde, ist deine Charakterisierung von Tsurumi, da er nie... richtig abgrundtief böse wirkt, sondern "nur nett plaudern" will oder ganz verwirrt davon ist, dass Yuuta nicht weiß, dass er Englisch sprechen muss. :))) Der Mistkerl UGHGHGHGH. Warum hat er seinen ganzen Hass nur so auf Yuuta projiziert, WIR WISSEN, DASS ER HÜBSCH IST, KEIN GRUND, VÖLLIG DURCHZUDREHEN, TSURUMI!!!
AHH ICH BIN GESPANNT, WIE ES WEITERGEHT :D