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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Challenge: Angst - Blitz und Donner
Fandom: Tumbling
Charaktere: Ryôsuke, Wataru
Wörter: ~1250

Müde lehnte er sich an den feuchten Baumstamm. Vielleicht hätte er doch bei Wataru bleiben sollen. Aber wer hätte auch damit rechnen können, dass es so anfing zu regnen, kaum dass er nur 100 Meter weit gekommen war.
Vermutlich jeder, der auf den Wetterbericht geachtet hatte. Oder auch nur einen Blick auf die Wetter-App geworfen hatte. Was Ryôsuke nicht gemacht hatte. Man konnte ja wohl kaum von ihm erwarten, dass er auf solche Kleinigkeiten achtete. Jedenfalls wenn er den Kopf so voll hatte von… allem. Die fast ruinierte Blondierung, versaute Aufnahmeprüfung für die Uni (okay, er hätte ja auch lernen können, anstatt mit Wataru zu zocken), Wataru, seine Eltern… ehrlich, das Wetter war da seine geringste Sorge. Das jedenfalls war seine Meinung gewesen. Bis eimerweise Wasser vom Himmel damit anfing, seine Frisur zu ruinieren. Und nebenbei auch seine Klamotten durchweichte.
Nur kurz kam es ihm in den Sinn, einfach umzudrehen und zum Kamome zurückzugehen. Er könnte bestimmt bei Wataru übernachten. Auf jeden Fall sogar.
Ryôsuke wusste selbst, dass es bescheuert war, sich einfach nur unter den nächsten eher krüppeligen Baum zu stellen und darauf zu hoffen, dass er wenigstens noch einen trockenen Quadratzentimeter hatte, wenn er irgendwann daheim ankam. Falls sein Schlüssel dann noch passte. Er hatte seinen Eltern noch nicht gesagt, dass er die Aufnahmeprüfung verkackt hatte, aber möglich, dass sie den Brief inzwischen gefunden hatten und kurzerhand beschlossen hatten, ihn rauszuwerfen. Falls man so schnell einen Schlüsseldienst fand.
Er sollte damit aufhören. Aber langsam wusste er wirklich nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Sein ganzes Leben glitt ihm durch die Finger und er wusste nicht, wie er es festhalten sollte. Dabei hatte er es vollkommen selbst verbockt. Einfach mal den Arsch hochkriegen und nicht immer vor allem davonrennen. Aber das war so viel einfacher als die Alternative. Erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Wo doch sowieso allte erwarteten, dass er auf ganzer Linie versagte. Jetzt hatten sie ihre Bestätigung.
Seine Umgebung wurde gleißend hell. Oder wenigstens kam es ihm im ersten Augenblick so vor. Viel länger dauerte es auch nicht und etwas verspätet wurde Ryôsuke klar, dass es ein Blitz gewesen war. Er war wirklich durch. Der Donner brauchte noch ein wenig, aber bei seinem Glück hatte er bald das Vergnügen, bei einem ausgewachsenen Gewitter unter einem Baum zu stehen. Bescheuerte Idee. Sofort schüttelte er über seine eigene Blödheit den Kopf. Das war mitten in der Stadt wohl egal. Trotzdem sollte er sich wohl langsam auf den Weg machen. Gewitter gehörten nicht gerade zu seinen Favoriten.
Etwas, was er natürlich leugnen würde, sollte ihn irgendjemand darauf ansprechen. So ein bisschen Wetter machte ihm keine Angst.
Trotzdem rührte er sich nicht vom Fleck und biss die Zähne zusammen, als er auf den nächsten Blitz wartete. Der kam erstmal nicht und es war das Vibrieren seines Handy, das ihn zusammenzucken ließ. Es musste Wataru sein. Der schien einen sechsten Sinn dafür zu haben, wenn irgendetwas nicht stimmte. Als hätte er nur darauf gewartet, erhellte der nächste Blitz die nächtliche Umgebung und ließ die Pfützen einen winzigen Moment lang aufleuchten. Irrte er sich, oder kam der Donner jetzt schneller als vorher? Er hatte vergessen, zu zählen.
Das Handy klingelte immer noch und Ryôsuke kannte Wataru gut genug um zu wissen, dass der nicht einach Ruhe geben würde. Wenn er nicht ans Telefon ging, würde er einfach nochmal anrufen. Und nochmal. Und am Ende auf die seltendämliche Idee kommen, ihm nachzugehen, weil er die Befürchtung hatte, er hätte sich in Schwierigkeiten gebracht. Was nicht ganz abwegig war, das war Ryôsuke durchaus bewusst. Also zog der das Handy aus der Jackentasche, das wundersamerweise noch trocken war. Im Gegensatz zum Rest von ihm. Bevor er sich aber meldete, atmete er nochmal durch und betete zu allen Göttern die er kannte, dass man ihm nicht anhörte, wie gerne er einfach wieder umgedreht wäre.
“Hey, hast du schon Sehnsucht nach mir?”
“Klar, immer.” Ja, Wataru machte sich Sorgen. “Ich wollte nur sichergehen... Bei dem miesen Wetter…”
“Ich bin doch nicht aus Zucker. Das bisschen Regen macht mir nichts.”
“Trotzdem. Du kannst auch bei mir übernachten.”
“Jetzt schieb keine Panik, ich bin gleich daheim. Da drehe ich bestimmt nicht wieder um.” Zum Glück war er am Telefon ein besserer Lügner als sonst. Was daran sehen konnte, dass man nicht sehen konnte, wie er nervös mit einer frisch blondierten und eigentlich viel zu langen Haarsträhne herumspielte. Oder überall hinsah, nur nicht geradeaus. Möglich, dass er Wataru auch so nicht überzeugen konnte. Sogar sehr wahrscheinlich. Aber was sollte der Idiot machen? Ihm nachlaufen?
“Bist du sicher?”, fragte ebendieser Idiot hörbar skeptisch.
“Klar bin ich mir sicher.” Ryôsuke gab sich extra Mühe, seine Stimme locker klingen zu lassen, wohl wissend, dass Wataru ihm auch dann nicht glauben würde. Der sechste Sinn funktionierte offenbar immer noch. Ryôsuke hätte den Alkohol mitbringen sollen, den er erst überlegt hatte. Aber Wataru und er hatten es nie nötig gehabt, sich zu betrinken, auch nicht wenn sie beide so dermaßen abgekackt hatten wie diesmal. Vielleicht konnte er das ja noch nachholen, auch wenn es nicht besonders spaßig war, das alleine zu tun.
“Okay… wenn du es dir anders überlegst…” Wataru räusperte sich und fuhr fort: “Mach einfach keinen Scheiß, ja?”
“Also wirklich, was denkst du von mir?” Das mit dem lockeren Tonfall klappte immer besser.
“Eben.”
Das war keine Antwort. Oder vielleicht doch. Das lag wohl im Auge des Betrachters. Ryôsuke zog es jedenfalls vor, die Bemerkung zu übergehen. “Geh Natsuko nicht mehr zu sehr auf die Nerven.”
“Nenn sie nicht so!” Wenn Wataru den Eindruck erwecken wollte, dass er ihm glaubte, dann war er darin nicht sehr erfolgreich. Ryôsuke kannte den Unterton. Umgekehrt war es wohl genauso. Mit einem Seufzen gab er zumindest so weit nach, dass er durchblicken ließ, dass nicht alles so okay war wie er ihm weismachen wollte. “Ich muss wirklich nach Hause. Meine Eltern werden schon genug Ärger machen, wenn sie rauskriegen dass…” Er brach ab und zuckte mit den Schultern. Dass Wataru das nicht sehen konnte, war ihm egal, er würde es sich aber wohl denken können.
“Okay… okay. Du meldest dich?”
“Ja. Klar. Morgen.”
Durch das Handy drang ein unwilliger Laut. Damit war Wataru offenbar gar nicht einverstanden. Aber er widersprach nicht. “Okay. Wenns richtig mies läuft…”
“Ich weiß.” Aber das bedeutete nicht, dass er das Angebot auch annehmen würde. Ryôsuke legte auf und steckte das Handy wieder ein. Der nächste Blitz durchbrach die Nacht und jetzt war er sich sicher, der Donner kam schneller. Mit mäßigem Erfolg redete er sich ein, dass es nur der Regen war, weswegen seine Handflächen feucht wurden. Für das zu schnelle Hämmern seines Herzens hatte er aber keine Ausrede.
Wie er Gewitter hasste… und dann auch noch zu seinen Eltern zurückgehen. Egal was er immer sagte und auch gerne glauben wollte, sein Zuhause war das schon lange nicht mehr. Das hatte er vor zwanzig Minuten verlassen. Eine Zeit, in der er den Weg normalerweise locker schaffte. Aber normalerweise - wieder ein Blitz, der Donner krachte nur wenige Sekunden später und Ryôsuke zuckte zusammen - kam ihm auch kein Unwetter dazwischen. Und die Angst, einfach rauszufliegen. Dabei war vor allem letzteres echt albern. Noch war er minderjährig, seine Eltern konnten ihn gar nicht rausschmeißen. Oder?
Blitz und Donner kamen nun in noch kürzeren Abständen und Ryôsuke beschloss, dass es keinen Sinn mehr hatte, hier rumzustehen. Trotzdem brauchte es noch ein paar Minuten, bis er es schaffte, sich von dem Baum zu lösen und weiterzugehen. Zurückzugehen. Er würde noch triefnasser als ohnehin schon sein, wenn er wieder bei Wataru war, aber das war ihm egal.

Date: 2016-08-03 06:46 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Waaaaaaaaas?
Da kannst du doch nicht aufhören???? ;____;
Ey!
Nein!! Ich protestiere!! Wo ist der Rest? Wie gehts weiter???
*wein*

Ryousuke kann doch jetzt nicht ernsthaft bei nem Unwetter draußen rumtingeln oder von seinen Eltern rausgeworfen werden oder beides????
Ich bin sehr dafür, dass Wataru ihm doch nachläuft - weil O M G er kennt ihn doch einfach mal!!!
(Und im übrigen kann ich Ryousukes Unbehagen bei Unwetter total nachvollziehen. Ich hasse Gewitter total und gehe da auch gar nicht gerne nach draußen .... *grusel* Noch ein Grund, dass Wataru ihn findet (total nass wie er jetzt ist), einpackt und mit nach Hause nimmt! ._. )

Ach Ryousuke.... du Dödel....

Eine kleine Formattierungsanmerkung habe ich noch am Ende. Ich persönlich habe immer etwas Schwierigkeiten damit am Bildschirm zu lesen und finde deswegen wahnsinnig viele Absätze total hilfreich beim Lesen. :)

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