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Team: Slytherin
Challenge: Fantasy/Mystery - Gestaltwandler
Fandom: Dragon Age
Charaktere: Hawke, Fenris, ein Wolf


Teil 1, Teil 2, Teil 3


Der Wolf saß vollkommen reglos vor ihm und sah ihn an. Aus viel zu intelligenten Augen. Hawke schauderte, rührte sich aber auch nicht vom Fleck. Vage erinnerte er sich, mal gehört zu haben, dass man Wölfe nur zum Angriff provozierte, wenn man davonlief. Aber er wollte nicht weglaufen.
Er machte einen Schritt auf den Wolf zu und der erhob sich. Mit einem letzten Blick wandte das Tier sich ab und ging langsam davon. Im ersten Moment blieb Hawke verwirrt stehen, dann aber hielt auch der Wolf wieder an und drehte sich zu ihm um. Wenn er sprechen könnte, würde er Hawke wohl fragen, warum er so lange herumtrödelte. “Okay, du hast gewonnen… Aber wenn du ein Dämon bist, kannst du was erleben.” Ein Kläffen antwortete ihm, als könnte der Wolf jedes Wort verstehen. Was er ihm aber sagen wollte… das offenbarte sich Hawke leider nicht. Aber er verschwendete keine weiteren Gedanken daran, es war nicht das erste Mal, das er im Traum merkwürdige Begegnungen hatte. So etwas passierte als Magier nunmal. Solange ihn keine Dämonen oder Alpträume heimsuchten, war ihm alles Recht.
Der Wald, der ihm erst jetzt auffiel, wurde immer dichter, aber der Wolf hatte keine Probleme damit, sich durch das Unterholz zu schlängeln. Hawke war da weniger elegant, aber auch wenn er einen Ast zerbrach oder durch das Gebüsch ging entstand kein Geräusch. Alles war totenstill.
Und dann waren sie auf einer Lichtung. Der Wolf blieb mitten auf der freien Fläche stehen und sah nach oben. Hawke folgte seinem Blick und zuckte zurück, als er den grün leuchtenden Riss sah. Ein Sog ging von dem Ding aus, der an seiner Magie zerrte. An allem, was eigentlich ins Nichts gehörte und nicht in die echte Welt. Es war nicht anders als “gruselig” zu nennen. Hier wurde die Stille von einem tiefen Summen durchbrochen, das durch alles hindurchdringen wollte. Es brauchte keine Erklärung, worum es sich hier handelte. Einer der Risse, die das ganze Land heimsuchten. Nur von der anderen Seite.
“Warum zeigst du mir das?”, fragte er den Wolf und rechnete gar nicht mit einer Antwort. Aus irgendeinem Grund sollte er das hier sehen. Auch wenn er den Grund bisher noch nicht verstand. Er sah zu dem Wolf, aber der war verschwunden.


Als sich Hawkes Sinne wieder klärten, saß er senkrecht und brauchte ein paar Minuten, bis er erkannte, wo er war. Eines der verlassenen Häuser, dem Umstand nach zu Urteilen, dass er auf einem Sofa gelegen hatte. An der Wand, auf die er sah, hing ein furchtbar gezwungenes Familienfoto und als er sich umsah, bemerkte Hawke die massiven Möbel, die schon bessere Tage erlebt hatten. Ein Regal war umgestürzte und durch einen breiten Riss konnte er die Reste der Bücher sehen. Der Fernseher hatte zweifellos einmal an der Wand gehangen, aber jetzt lag er zertrümmert am Boden.
“Dämonen”; erklärte eine vage vertraute, tiefe Stimme und Hawke sah zur Tür. Dort lehnte der Elf, der immer noch sein Schwert auf dem Rücken trug und ihn musterte, als wäre er sich nicht sicher, ob er ihn nicht vielleicht doch umbringen sollte. “Aber damit kennt Ihr Euch sicher aus.”
“Ich weiß, wie man sie am besten tötet, wenn Ihr das meint.”
Hawke war sich nicht sicher, ob das Lächeln des Elfen wirklich amüsiert oder spöttisch war. Vielleicht auch keins von beidem, dieser Mann war nicht so leicht zu durchschauen.
“Nein. Das meine ich nicht. Ihr seid ein Magier.”
“Wirklich? Ich hatte gehofft, Ihr habt das vergessen. Was hat mich verraten? Das Eis oder als ich diesen anderen Magier gegrillt habe?”
“Ihr seid etwas zu zufrieden mit Euch, wenn man bedenkt, dass er noch lebte.”
Unbeeindruckt zuckte Hawke mit den Schultern. “Das hat Euch ja offenbar ganz gut gepasst. Netter Trick übrigens. Was hat der arme Mann Euch getan, dass Ihr ihm einfach das Herz rausgerissen habt?” Das war die falsche Frage, wie Hawke merkte, als die Miene des Elfen sich noch weiter verdüsterte, was eine beeindruckende Leistung war. Aber er wiederholte das Kunststück zum Glück nicht, sondern betrat den Raum ganz.
“Er diente einem Mann namens Danarius. Ein Magister aus Tevinter.”
Beeindruckt pfiff Hawke durch die Zähne. “Lasst mich raten: Ihr seid diesem Magister davongelaufen?”
Eine Antwort hatte er nicht erwartet, die erhielt er auch nicht. Nur einen neuen, scharfen Blick, der Hawke aber nicht beeindruckte. “Was? Falsche Wortwahl?”
“Im Kern ist es die Wahrheit. Und er will mich zurückhaben. Deswegen.” Der Elf deutete auf die hellblauen Linien, die sich über seine Haut zogen. “Das ist Lyrium. Außerdem geht es ihm ums Prinzip. Ein Magister nimmt es nicht einfach hin, wenn ihm ein Sklave entkommen ist. Danarius würde es zweifellos sehr genießen, wenn die Gelegenheit bekommen sollte, mir meine Haut abzuziehen.”
“Das wäre eine ziemliche Verschwendung.” Dieser Elf war äußert attraktiv. Aber vermutlich würde er es sich doch noch anders überlegen was ihren scheinbaren Waffenstillstand anging, wenn er anfing, zu offen zu flirten. Er rechnete ja jetzt schon mit einer schnippischen Antwort, aber die kam nicht. Stattdessen wirkte sein Gegenüber erst verwirrt, dann verlegen. Kurz räusperte er sich und sah sich etwas zu eingehend in dem verwüsteten Raum um.
“Ihr habt mir geholfen, obwohl Ihr hättet fliehen können. Warum?”
“Ich hab ein ernsthaftes Helfersyndrom. Wenn jemand in Schwierigkeiten ist, dann kann ich nicht anders.” Hawke zuckte mit den Schultern und lächelte. Zu seiner Überraschung erwiderte der Elf das Lächeln. Es war kaum sichtbar, aber da. “Das werde ich Euch nicht vergessen. Auch wenn Ihr ein Magier seid, ich stehe in Eurer Schuld.”
“Was habt Ihr gegen Magier?”
Der Blick, den der Elf ihm jetzt zuwarf, war ohne jeden Ausdruck. Gruselig. “Es gibt keinen Magier auf dieser Welt, der nicht seinem Verlangen nach Macht erliegt.”
“Das sind harte Worte.”
“Sie sind die Wahrheit. Oder wollt Ihr das leugnen?”
“Ich habe kein Interesse an Macht. Ich will nur überleben.” Was in diesen Zeiten gar nicht so einfach war.
“Das ist schon oft als Entschuldigung missbraucht worden.”
“Nicht nur von Magiern.”
Hawke erwartete Widerspruch, aber der Elf zeigte wieder ein ganz kurzes Lächeln, das aber keine Sekunde Bestand hatte. Dann neigte er leicht den Kopf. “Ihr habt Recht. Verzeiht, ich wollte nicht undankbar erscheinen.”
“Vielleicht verzeihe ich Euch, wenn Ihr mir endlich Euren Namen sagt.”
Der neue, lange Blick ließ Hawke schon befürchten, dass er keine Antwort erhalten würde. Es blieb bei der Befürchtung. “Fenris.”
“Ich bin Hawke. Und jetzt… wie lange war ich weg?”
“Nur wenige Stunden. Es hat mit den Rissen zu tun, nicht wahr? Ich habe erlebt, was sie mit Magiern machen können, wenn sie sich nicht schützen.”
Hatte er? Das war interessant. So lange gab es diese Risse nicht und wenn Fenris nicht erst vor kurzem geflohen war, dann musste es das Phänomen in Tevinter schon länger geben. Etwas, was Hawke nicht im Geringsten gefallen wollte. Er wollte schon nachhaken, als ihm klar wurde, was Fenris noch gesagt hatte. “Stunden? Scheiße…” Aveline und Varric würden sich Sorgen machen und das war noch harmlos ausgedrückt. Er konnte von Glück reden, wenn er seine Rückkehr überlebte! “Ich muss zurück, meine Freunde…”
“Noch mehr Magier?”
Das war seine einzige Sorge? “Nein. Ich bin der Einzige. Aber das heißt nicht, dass Aveline einem nicht die Hölle heiß machen kann… Wie weit ist es zurück?” Mit etwas Glück würde er zumindest nicht lange brauchen, um zurückzukommen. Bis zu dem Park war es ja nicht sehr weit gewesen.
“Nicht sehr weit. Aber Ihr solltet Euch ausruhen.”
“Das kann ich gleich auch noch.” Hawke stand von dem Sofa auf und bereute es ziemlich schnell. Anscheinend hatte er seine Kräfte ziemlich überschätzt. Aber er biss die Zähne zusammen und blieb auf den Beinen, wobei er es aber vermied, Fenris anzusehen. Wie er es hasste, so verwundbar zu sein. Nach ein paar Schritten hatte er wenigstens nicht mehr das Gefühl, dass sein Kreislauf jeden Moment wegbrechen könnte. Was schon mal gut war. Neben der Tür fand er seinen Stab. “Ich muss zugeben, ich bin überrascht, dass Ihr ihn mitgenommen habt.”
“Der Stab ist Eure Waffe. Ich hätte mein Schwert ebensowenig zurückgelassen.”
Hawke nickte kurz. Dagegen konnte er kaum etwas einwenden.
“Dann gehen wir.”

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