Team: Ravenclaw
Challenge: H/C - Traumatisches Erlebnis - für mich
Titel: Offene Wunde
Fandom: Teen Wolf
Charaktere: Scott, Stiles, Scott/Stiles
Wörter: 1900
Anmerkung: spielt Anfang von 5B
Scharfe Krallen bohrten sich in seinen Brustkorb und Scott blieb der Atem weg. Ein brennender Schmerz verteilte sich in dem aufgerissenen Fleisch. Scott konnte nichts tun. Kraftlos klammerte er sich an das Handgelenk seines Angreifers. „Theo…”, hauchte Scott. Er konnte es immer noch nicht fassen, dass Theo hinter allem steckte, dass er ihn hinters Licht geführt hatte, ihm vorgespielt hatte, sein Freund zu sein.
„Das hast du verdient”, flüsterte Theo in sein Ohr und rammte seine Krallen noch tiefer in Scotts Brust. “Du hast alle im Stich gelassen. Du bist nicht der Alpha dieses Rudels. Du bist nur ein jämmerliches Exemplar von einem Werwolf.”
Scott stöhnte qualvoll und wollte Theo zurückdrängen, aber Scott hatte keine Kraft mehr dazu. Vielmehr lehnte er sich sogar gegen Theo, wollten ihn seine Beine nicht mehr alleine tragen.
„Du kannst sie nicht einmal beschützen. Keinen Einzigen von Ihnen.”
Scott schüttelte seinen Kopf, wollte widersprechen, aber seine Stimme war nur ein heiseres Krächzen. Und Theo hatte Recht. Scott konnte niemanden beschützen, nicht einmal sich selber.
„Bitte, Theo…” Scott schaffte es doch noch irgendwie diese Wörter über seine Lippen zu bringen. Seine Kraft schwand, es wurde schwerer zu atmen. Es war so schwer, Luft zu bekommen. Jeder Atemzug war mehr von Panik erfüllt. Scott konnte kaum noch klar denken. „Lass sie…”
Scott hörte Theos Grinsen in seinen nächsten Worten: „Ich werde gut auf sie Acht geben, keine Sorge.”
„Nein…”
Scott wachte mit hektischem Atem auf. Sofort saß er aufrecht auf der Couch, krallte seine Klauen in den Stoff der Rückenlehne. Es dauerte einen Moment, bis er seine Atmung etwas beruhigt hatte und bemerkte, dass Stiles direkt neben ihm auf dem Wohnzimmertisch saß. Er hielt ihm ein Glas Wasser entgegen.
„Du bist eingeschlafen”, war sein einziger Kommentar.
Scott nickte nur, nahm das Glas entgegen und leerte es in einem Zug. Er hoffte, dass Stiles es dabei belassen würde, dass er dieses Mal auf seine „Alles ist mir egal”-Attitüde zurückgriff und keine Fragen stellte. Scott konnte nicht darüber reden. Scott wollte nicht darüber reden. Sobald er sein Rudel wieder komplett zusammen hatte, würde alles wieder gut sein. Sobald Kira und Malia und Lydia und Liam wieder da waren, war alles vergessen, was passiert war.
Scott musste nur sein Rudel wieder zusammen bringen und es beschützen. Dieses Mal würde er alle beschützen … und nicht versagen.
„Scott?” Stiles schaute ihn mit seinen großen Augen an. Er sah so besorgt aus, aber Scott konnte nicht darüber reden.
„Hast du schon die Route, wie wir zu Kira kommen?”, versuchte er abzulenken. Es würde alles wieder gut werden.
„Ja, aber-” Stiles brach ab, schien nicht so recht zu wissen, was er sagen sollte. Er wandte seinen Blick ab und legte die Karte, die er in Händen gehalten hatte, und die Scott gerade erst bemerkt hatte, neben sich auf den Tisch. „Lass uns reden.”
Scott versuchte, sich dumm zu stellen. „Worüber?”
„Du hast im Schlaf geredet, Scott. Ich weiß, dass du geträumt hast und ich habe schon gesehen, dass die Wunde immer noch nicht geheilt ist.”
Ganz automatisch fasste sich Scott an die Brust, fühlte den Verband durch den dünnen Stoff seines T-Shirts, und ballte seine Hand zur Faust. Er schüttelte den Kopf. „Das wird wieder”, sagte er überzeugt. “Wir müssen nur die Anderen finden.”
Stiles legte seine Hand auf Scotts Faust. “Das hat nichts mit den Anderen zu tun, das hat nichts mit dem Rudel zu tun. Du bist stark genug, wenn du wolltest. Du willst nicht heilen. Ganz genau wie damals, als du dachtest, dass Derek tot sei. Da hat sich dein Körper auch geweigert, weil du dich schuldig gefühlt hast.”
Scott schüttelte den Kopf. „So ist das nicht.”
„Also fühlst du dich nicht schuldig?” Stiles hob eine Augenbraue und sah ihn misstrauisch an. Stiles hatte ihn schon immer durchschauen können. „Du denkst doch immer, dass du für alles verantwortlich bist.”
“Es ist-” Scott brach ab, zog seine Hand von Stiles zurück. „Ich bin einfach nicht stark genug ohne mein Rudel.” So einfach war das. Es hatte rein gar nichts mit Schuldgefühlen, Angst oder irgendetwas Anderem zu tun. Scotts Kräfte waren durcheinander, genau wie er. Es funktionierte einfach nicht so, wie es funktionieren sollte.
„Es ist nicht deine Schuld, Scott. Es ist nicht deine Schuld, dass wir in alle Himmelsrichtungen verteilt sind.” Stiles atmete tief ein und suchte wieder Blickkontakt. Scotts erster Instinkt war, seinem Blick auszuweichen, aber er hielt ihn dann dennoch stand. „Du kannst nichts dafür.”
“Ich habe versagt. Ich habe euch im Stich gelassen. Dein Vater, Lydia, Kira … Hayden.”
Stiles fing an, mit seinen Fingern herumzufuchteln, und wandte seinen Blick ab, um auf seine Hände zu starren. „Nicht alles ist deine Schuld”, wiederholte er stur. „Und … und es tut mir leid. Ich war sauer, auf dich, auf mich, auf alles. Ich hatte verdammte Angst um meinen Dad, aber … aber ich hätte dich nicht angreifen dürfen. Es war nicht deine Schuld!”
“Es ist okay”, kam es ganz automatisch über Scotts Lippen. Er war ein Werwolf. Er konnte Schläge einstecken und Stiles hatte es nötig gehabt. Er war verletzt gewesen, verängstigt. Er musste es an jemanden auslassen und wer war besser geeignet dafür als Scott?
„Nein, war es nicht.” Stiles hatte Tränen in seinen Augen. „Niemand darf dich so behandeln und besonders nicht dein bester Freund.”
„Du hast dich doch gerade entschuldigt.” Scott zuckte mit den Schultern. Vielleicht war es nicht richtig gewesen, aber Stiles wusste es.
Stiles nickte. „Mir tut es wirklich leid. Und schlag das nächste Mal zurück, wenn ich wieder so doof sein sollte.” Er grinste schief und Scott tat es ihm gleich. Allerdings würde er Stiles nie schlagen, ganz gleich, was er gemacht hatte.
Es wurde wieder still zwischen den Beiden. Stiles hatte sich zu Scott auf die Couch gesetzt, Arm an Arm und Scott hörte Stiles regelmäßigem Atem zu. Es war beruhigend. Scott glaubte fast, dass er diesen schrecklichen Traum einfach wieder vergessen könnte, solange er nur Stiles atmen hören konnte.
Allerdings schien Stiles der Meinung zu sein, dass das Thema noch nicht beendet war.
„Scotty?”, fragte er mit einem fast schon unschuldigen Tonfall. „Du hast von Theo geträumt, oder?”
Scott blieb still. Er wollte immer noch nicht darüber reden. Stiles sollte das verstehen. Wie oft hatte er sich umgedreht und geschwiegen, wie oft hatte er einen dämlichen Witz gerissen, um zu verstecken, wie verletzt und traurig er eigentlich war? Stiles war niemand, der viel über seine Gefühle sprach. Er sollte es verstehen.
„Du hast davon geträumt, oder?” Sanft legte Stiles seine Hand auf Scotts Brust.
Scott schluckte schwer, fühlte fast wieder Theos Krallen, die sich in sein Fleisch bohrten.
„Es war nicht deine Schuld”, wiederholte Stiles ein weiteres Mal und es fühlte sich fast schon wie ein Mantra an. Vielleicht, wenn Stiles es oft genug sagte, würde Scott ihm irgendwann glauben, denn im Moment war es schwer, dies zu tun. Alles, was falsch gelaufen war, hatte mit Scott zu tun.
Stiles schien zu spüren, dass Scott noch nicht überzeugt war, denn er redete weiter: „Er hat dich getötet.” Seine Stimme brach beim letzten Wort und er atmete ein paar Mal tief ein und aus, bevor er fortfuhr: „Warum sollte das deine Schuld sein?”
Scott schloss die Augen, versuchte die Bilder in seinem Kopf zu vertreiben, versuchte Theos Stimme zu verbannen und sich dafür auf Stiles Atmung zu konzentrieren. Theo war nicht hier! Das alles war vorbei. Und es würde alles besser werden.
Stiles war hier und bald auch Kira. Malia. Lydia. Liam.
Alles würde wieder gut werden.
Scott musste nur noch etwas länger durchhalten, musste den Schmerz in seiner Brust ignorieren und das tun, was ein guter Alpha tat: Sein Rudel zusammenhalten … oder es wieder zusammenbringen. Er würde ein guter Alpha sein. Endlich würde er ein guter Alpha sein. Und dann würde alles wieder gut werden.
„Scott, rede mit mir.” Stiles Ton war flehend und Scott fühlte sich schlecht. Er wollte Stiles nicht ausschließen. Stiles war der Erste, dem er etwas erzählte, würde immer die erste Person bleiben. „Ich weiß, ich war kein besonders guter Freund in letzter Zeit, aber ich will dir helfen. Wenn ich es irgendwie kann, will ich dir helfen.”
Scott hob seinen Kopf, schaute Stiles an und erinnerte sich ungewollt an Theo, wie er etwas Ähnliches gesagt hatte, wie er geschworen hatte, an seiner Seite zu stehen. Scott hatte ihm geglaubt, hatte ihm vertraut. Er hätte schlauer sein müssen, hätte Theos Spiel durchschauen müssen.
Wenn Scott in der Lage gewesen wäre, sein Rudel zusammenzuhalten, dann hätte er gemerkt, was Theo vorhatte. Es wäre nie soweit gekommen.
„Ich war zu schwach”, gab Scott gebrochen zu. “Ich konnte euch nicht beschützen und ich habe euch nach und nach verloren.”
„Das war Theo.”
Scott schüttelte den Kopf. „Nicht alles. Wäre ich aufmerksamer gewesen, hätte ich es gemerkt.”
„Scott!” Stiles Stimme wurde lauter. „Er hat uns nach und nach auseinander getrieben. Das war sein Plan, um an dich ran zu kommen, um dich zu schwächen. Um dich töten zu können.” Stiles hörte sich so wütend an, als ob er jeden Moment aufspringen und irgendetwas durch das Zimmer schmeißen würde. Stattdessen schlang er seinen Arm um Scott und zog ihn näher heran. „Ich werde ihm nie verzeihen, was er getan hat. Ich hasse ihn dafür, dass er dich getötet hat. Der Gedanke daran, dass du beinahe für immer weg gewesen wärst … das bringt mich um. Und wenn ich mich schon verrückt mache, wenn ich daran denke, was er mit dir angestellt hat, will ich mir gar nicht vorstellen, wie es für dich ist. Er hat … er hat-” Stiles brach ab und vergrub seinen Kopf in Scotts Haaren.
„Stiles”, nuschelte Scott gegen Stiles Brust. Ganz automatisch hatte er sich dagegen gelehnt, als Stiles ihn an sich herangezogen hatte. Nun zog Scott seine Beine auf die Couch und kuschelte sich ganz an seinen Freund heran. Stiles Herzschlag pochte in Scotts Ohr, sein Atem ließ Scotts Kopf auf und abwiegen. Es fühlte sich gut an, sicher.
„Ich bin hier”, flüsterte Stiles und streichelte ihm sanft über den Rücken.
„Ich kann immer noch seine Klauen spüren”, gab Scott leise zu und spürte die Tränen in seinen Augen. „Jede Nacht träume ich davon. Jede Nacht flüstert er in mein Ohr, wie ich euch alle im Stich gelassen habe. Jede Nacht sterbe ich.”
Scott hört ganz genau, wie Stiles Herz anfing, schneller zu pochen. „Ich wünschte, ich könnte dir all diese schrecklichen Erinnerungen nehmen.”
„Kannst du nicht”, sagte er, obwohl er nicht beabsichtigt hatte, dies laut auszusprechen.
„Ich weiß.” Stiles klang unheimlich traurig und Scott hatte das Bedürfnis, ihn auf der Stelle zu trösten. „Aber vielleicht kann ich hier bleiben heute Nacht? Neben dir schlafen?” Da war eine Nervosität in Stiles Stimme, die Scott einfach nur schmerzte. Früher war es normal gewesen, als Kinder noch mehr als Jugendliche, aber selbst da hatten sie noch manchmal ein Bett geteilt. Ob sie einfach nebeneinander gelegen und bis tief in die Nacht gequatscht hatten, bis sie eingeschlafen waren, oder ob sie sich ganz bewusst, nebeneinander gelegt hatten, um zu schlafen. Es war gleich gewesen. Das Wichtigste war, es war nie seltsam gewesen, nur natürlich. Niemals hatten sie den Anderen um Erlaubnis gefragt. Das war nicht nötig gewesen.
Und jetzt musste Stiles fragen. Es war so viel passiert, dass selbst Scott für einen Moment überlegen musste, ob es okay war, aber natürlich war es das. Es war Stiles! Und Stiles war immer noch sein bester Freund.
Stiles neben ihm zu haben würde Scott immer unheimlich beruhigen.
So lächelte er schließlich. „Ja, bitte tu das.”
Challenge: H/C - Traumatisches Erlebnis - für mich
Titel: Offene Wunde
Fandom: Teen Wolf
Charaktere: Scott, Stiles, Scott/Stiles
Wörter: 1900
Anmerkung: spielt Anfang von 5B
Scharfe Krallen bohrten sich in seinen Brustkorb und Scott blieb der Atem weg. Ein brennender Schmerz verteilte sich in dem aufgerissenen Fleisch. Scott konnte nichts tun. Kraftlos klammerte er sich an das Handgelenk seines Angreifers. „Theo…”, hauchte Scott. Er konnte es immer noch nicht fassen, dass Theo hinter allem steckte, dass er ihn hinters Licht geführt hatte, ihm vorgespielt hatte, sein Freund zu sein.
„Das hast du verdient”, flüsterte Theo in sein Ohr und rammte seine Krallen noch tiefer in Scotts Brust. “Du hast alle im Stich gelassen. Du bist nicht der Alpha dieses Rudels. Du bist nur ein jämmerliches Exemplar von einem Werwolf.”
Scott stöhnte qualvoll und wollte Theo zurückdrängen, aber Scott hatte keine Kraft mehr dazu. Vielmehr lehnte er sich sogar gegen Theo, wollten ihn seine Beine nicht mehr alleine tragen.
„Du kannst sie nicht einmal beschützen. Keinen Einzigen von Ihnen.”
Scott schüttelte seinen Kopf, wollte widersprechen, aber seine Stimme war nur ein heiseres Krächzen. Und Theo hatte Recht. Scott konnte niemanden beschützen, nicht einmal sich selber.
„Bitte, Theo…” Scott schaffte es doch noch irgendwie diese Wörter über seine Lippen zu bringen. Seine Kraft schwand, es wurde schwerer zu atmen. Es war so schwer, Luft zu bekommen. Jeder Atemzug war mehr von Panik erfüllt. Scott konnte kaum noch klar denken. „Lass sie…”
Scott hörte Theos Grinsen in seinen nächsten Worten: „Ich werde gut auf sie Acht geben, keine Sorge.”
„Nein…”
Scott wachte mit hektischem Atem auf. Sofort saß er aufrecht auf der Couch, krallte seine Klauen in den Stoff der Rückenlehne. Es dauerte einen Moment, bis er seine Atmung etwas beruhigt hatte und bemerkte, dass Stiles direkt neben ihm auf dem Wohnzimmertisch saß. Er hielt ihm ein Glas Wasser entgegen.
„Du bist eingeschlafen”, war sein einziger Kommentar.
Scott nickte nur, nahm das Glas entgegen und leerte es in einem Zug. Er hoffte, dass Stiles es dabei belassen würde, dass er dieses Mal auf seine „Alles ist mir egal”-Attitüde zurückgriff und keine Fragen stellte. Scott konnte nicht darüber reden. Scott wollte nicht darüber reden. Sobald er sein Rudel wieder komplett zusammen hatte, würde alles wieder gut sein. Sobald Kira und Malia und Lydia und Liam wieder da waren, war alles vergessen, was passiert war.
Scott musste nur sein Rudel wieder zusammen bringen und es beschützen. Dieses Mal würde er alle beschützen … und nicht versagen.
„Scott?” Stiles schaute ihn mit seinen großen Augen an. Er sah so besorgt aus, aber Scott konnte nicht darüber reden.
„Hast du schon die Route, wie wir zu Kira kommen?”, versuchte er abzulenken. Es würde alles wieder gut werden.
„Ja, aber-” Stiles brach ab, schien nicht so recht zu wissen, was er sagen sollte. Er wandte seinen Blick ab und legte die Karte, die er in Händen gehalten hatte, und die Scott gerade erst bemerkt hatte, neben sich auf den Tisch. „Lass uns reden.”
Scott versuchte, sich dumm zu stellen. „Worüber?”
„Du hast im Schlaf geredet, Scott. Ich weiß, dass du geträumt hast und ich habe schon gesehen, dass die Wunde immer noch nicht geheilt ist.”
Ganz automatisch fasste sich Scott an die Brust, fühlte den Verband durch den dünnen Stoff seines T-Shirts, und ballte seine Hand zur Faust. Er schüttelte den Kopf. „Das wird wieder”, sagte er überzeugt. “Wir müssen nur die Anderen finden.”
Stiles legte seine Hand auf Scotts Faust. “Das hat nichts mit den Anderen zu tun, das hat nichts mit dem Rudel zu tun. Du bist stark genug, wenn du wolltest. Du willst nicht heilen. Ganz genau wie damals, als du dachtest, dass Derek tot sei. Da hat sich dein Körper auch geweigert, weil du dich schuldig gefühlt hast.”
Scott schüttelte den Kopf. „So ist das nicht.”
„Also fühlst du dich nicht schuldig?” Stiles hob eine Augenbraue und sah ihn misstrauisch an. Stiles hatte ihn schon immer durchschauen können. „Du denkst doch immer, dass du für alles verantwortlich bist.”
“Es ist-” Scott brach ab, zog seine Hand von Stiles zurück. „Ich bin einfach nicht stark genug ohne mein Rudel.” So einfach war das. Es hatte rein gar nichts mit Schuldgefühlen, Angst oder irgendetwas Anderem zu tun. Scotts Kräfte waren durcheinander, genau wie er. Es funktionierte einfach nicht so, wie es funktionieren sollte.
„Es ist nicht deine Schuld, Scott. Es ist nicht deine Schuld, dass wir in alle Himmelsrichtungen verteilt sind.” Stiles atmete tief ein und suchte wieder Blickkontakt. Scotts erster Instinkt war, seinem Blick auszuweichen, aber er hielt ihn dann dennoch stand. „Du kannst nichts dafür.”
“Ich habe versagt. Ich habe euch im Stich gelassen. Dein Vater, Lydia, Kira … Hayden.”
Stiles fing an, mit seinen Fingern herumzufuchteln, und wandte seinen Blick ab, um auf seine Hände zu starren. „Nicht alles ist deine Schuld”, wiederholte er stur. „Und … und es tut mir leid. Ich war sauer, auf dich, auf mich, auf alles. Ich hatte verdammte Angst um meinen Dad, aber … aber ich hätte dich nicht angreifen dürfen. Es war nicht deine Schuld!”
“Es ist okay”, kam es ganz automatisch über Scotts Lippen. Er war ein Werwolf. Er konnte Schläge einstecken und Stiles hatte es nötig gehabt. Er war verletzt gewesen, verängstigt. Er musste es an jemanden auslassen und wer war besser geeignet dafür als Scott?
„Nein, war es nicht.” Stiles hatte Tränen in seinen Augen. „Niemand darf dich so behandeln und besonders nicht dein bester Freund.”
„Du hast dich doch gerade entschuldigt.” Scott zuckte mit den Schultern. Vielleicht war es nicht richtig gewesen, aber Stiles wusste es.
Stiles nickte. „Mir tut es wirklich leid. Und schlag das nächste Mal zurück, wenn ich wieder so doof sein sollte.” Er grinste schief und Scott tat es ihm gleich. Allerdings würde er Stiles nie schlagen, ganz gleich, was er gemacht hatte.
Es wurde wieder still zwischen den Beiden. Stiles hatte sich zu Scott auf die Couch gesetzt, Arm an Arm und Scott hörte Stiles regelmäßigem Atem zu. Es war beruhigend. Scott glaubte fast, dass er diesen schrecklichen Traum einfach wieder vergessen könnte, solange er nur Stiles atmen hören konnte.
Allerdings schien Stiles der Meinung zu sein, dass das Thema noch nicht beendet war.
„Scotty?”, fragte er mit einem fast schon unschuldigen Tonfall. „Du hast von Theo geträumt, oder?”
Scott blieb still. Er wollte immer noch nicht darüber reden. Stiles sollte das verstehen. Wie oft hatte er sich umgedreht und geschwiegen, wie oft hatte er einen dämlichen Witz gerissen, um zu verstecken, wie verletzt und traurig er eigentlich war? Stiles war niemand, der viel über seine Gefühle sprach. Er sollte es verstehen.
„Du hast davon geträumt, oder?” Sanft legte Stiles seine Hand auf Scotts Brust.
Scott schluckte schwer, fühlte fast wieder Theos Krallen, die sich in sein Fleisch bohrten.
„Es war nicht deine Schuld”, wiederholte Stiles ein weiteres Mal und es fühlte sich fast schon wie ein Mantra an. Vielleicht, wenn Stiles es oft genug sagte, würde Scott ihm irgendwann glauben, denn im Moment war es schwer, dies zu tun. Alles, was falsch gelaufen war, hatte mit Scott zu tun.
Stiles schien zu spüren, dass Scott noch nicht überzeugt war, denn er redete weiter: „Er hat dich getötet.” Seine Stimme brach beim letzten Wort und er atmete ein paar Mal tief ein und aus, bevor er fortfuhr: „Warum sollte das deine Schuld sein?”
Scott schloss die Augen, versuchte die Bilder in seinem Kopf zu vertreiben, versuchte Theos Stimme zu verbannen und sich dafür auf Stiles Atmung zu konzentrieren. Theo war nicht hier! Das alles war vorbei. Und es würde alles besser werden.
Stiles war hier und bald auch Kira. Malia. Lydia. Liam.
Alles würde wieder gut werden.
Scott musste nur noch etwas länger durchhalten, musste den Schmerz in seiner Brust ignorieren und das tun, was ein guter Alpha tat: Sein Rudel zusammenhalten … oder es wieder zusammenbringen. Er würde ein guter Alpha sein. Endlich würde er ein guter Alpha sein. Und dann würde alles wieder gut werden.
„Scott, rede mit mir.” Stiles Ton war flehend und Scott fühlte sich schlecht. Er wollte Stiles nicht ausschließen. Stiles war der Erste, dem er etwas erzählte, würde immer die erste Person bleiben. „Ich weiß, ich war kein besonders guter Freund in letzter Zeit, aber ich will dir helfen. Wenn ich es irgendwie kann, will ich dir helfen.”
Scott hob seinen Kopf, schaute Stiles an und erinnerte sich ungewollt an Theo, wie er etwas Ähnliches gesagt hatte, wie er geschworen hatte, an seiner Seite zu stehen. Scott hatte ihm geglaubt, hatte ihm vertraut. Er hätte schlauer sein müssen, hätte Theos Spiel durchschauen müssen.
Wenn Scott in der Lage gewesen wäre, sein Rudel zusammenzuhalten, dann hätte er gemerkt, was Theo vorhatte. Es wäre nie soweit gekommen.
„Ich war zu schwach”, gab Scott gebrochen zu. “Ich konnte euch nicht beschützen und ich habe euch nach und nach verloren.”
„Das war Theo.”
Scott schüttelte den Kopf. „Nicht alles. Wäre ich aufmerksamer gewesen, hätte ich es gemerkt.”
„Scott!” Stiles Stimme wurde lauter. „Er hat uns nach und nach auseinander getrieben. Das war sein Plan, um an dich ran zu kommen, um dich zu schwächen. Um dich töten zu können.” Stiles hörte sich so wütend an, als ob er jeden Moment aufspringen und irgendetwas durch das Zimmer schmeißen würde. Stattdessen schlang er seinen Arm um Scott und zog ihn näher heran. „Ich werde ihm nie verzeihen, was er getan hat. Ich hasse ihn dafür, dass er dich getötet hat. Der Gedanke daran, dass du beinahe für immer weg gewesen wärst … das bringt mich um. Und wenn ich mich schon verrückt mache, wenn ich daran denke, was er mit dir angestellt hat, will ich mir gar nicht vorstellen, wie es für dich ist. Er hat … er hat-” Stiles brach ab und vergrub seinen Kopf in Scotts Haaren.
„Stiles”, nuschelte Scott gegen Stiles Brust. Ganz automatisch hatte er sich dagegen gelehnt, als Stiles ihn an sich herangezogen hatte. Nun zog Scott seine Beine auf die Couch und kuschelte sich ganz an seinen Freund heran. Stiles Herzschlag pochte in Scotts Ohr, sein Atem ließ Scotts Kopf auf und abwiegen. Es fühlte sich gut an, sicher.
„Ich bin hier”, flüsterte Stiles und streichelte ihm sanft über den Rücken.
„Ich kann immer noch seine Klauen spüren”, gab Scott leise zu und spürte die Tränen in seinen Augen. „Jede Nacht träume ich davon. Jede Nacht flüstert er in mein Ohr, wie ich euch alle im Stich gelassen habe. Jede Nacht sterbe ich.”
Scott hört ganz genau, wie Stiles Herz anfing, schneller zu pochen. „Ich wünschte, ich könnte dir all diese schrecklichen Erinnerungen nehmen.”
„Kannst du nicht”, sagte er, obwohl er nicht beabsichtigt hatte, dies laut auszusprechen.
„Ich weiß.” Stiles klang unheimlich traurig und Scott hatte das Bedürfnis, ihn auf der Stelle zu trösten. „Aber vielleicht kann ich hier bleiben heute Nacht? Neben dir schlafen?” Da war eine Nervosität in Stiles Stimme, die Scott einfach nur schmerzte. Früher war es normal gewesen, als Kinder noch mehr als Jugendliche, aber selbst da hatten sie noch manchmal ein Bett geteilt. Ob sie einfach nebeneinander gelegen und bis tief in die Nacht gequatscht hatten, bis sie eingeschlafen waren, oder ob sie sich ganz bewusst, nebeneinander gelegt hatten, um zu schlafen. Es war gleich gewesen. Das Wichtigste war, es war nie seltsam gewesen, nur natürlich. Niemals hatten sie den Anderen um Erlaubnis gefragt. Das war nicht nötig gewesen.
Und jetzt musste Stiles fragen. Es war so viel passiert, dass selbst Scott für einen Moment überlegen musste, ob es okay war, aber natürlich war es das. Es war Stiles! Und Stiles war immer noch sein bester Freund.
Stiles neben ihm zu haben würde Scott immer unheimlich beruhigen.
So lächelte er schließlich. „Ja, bitte tu das.”