Team: Ravenclaw
Fandom: The Flash
Charaktere: Barry Allen aka The Flash, Leonard Snart aka Captain Cold
Wörter: ~2000
Prompt: Traumatisches Erlebnis aus der Hurt/Comfort-Tabelle
Vorwort: Das spielt zwischen Staffel 1 und 2, in der Zeit wo Barry RICHTIG emo und down ist, deswegen ist das alles gleich ein bisschen trauriger geworden als Teil 1. Sorry? ._. Und ich hatte ganz kurz überlegt ob ich es mir leicht mache und einfach so AU werde, dass Leonard ihm tatsächlich hilft die Metas bei Argus abzuliefern... aber näh. ;D Wo wäre da die Herausforderung.
Fortsetzung von HIER.
Snart hält sich nicht an die Abmachung.
Überraschung! Holt die Fanfaren raus.
Natürlich hält Snart sich nicht an die Abmachung.
Snart und seine Schwester fallen ihm eiskalt in den Rücken, befreien die Metas und machen sich aus dem Staub, und sie lassen Barry mit angeknacksten Rippen und angeknackstem Stolz zurück. Auf dem Boden. Im Regen.
Barry hätte das kommen sehen müssen.
Nein ehrlich. Barry hätte von davon nicht so überrascht sein sollen.
Barry hätte davon nicht so verletzt sein sollen.
Es ist ja nicht so, als ob Snart ihm jemals Anlass gegeben hätte ihm zu vertrauen.
Unmittelbar danach hat Barry leider absolut keine Zeit mehr sich darüber zu ärgern oder das komplizierte Konglomerat an Gefühlen in seinem Brustkorb zu entwirren, das entsteht wann immer er an Leonard Snart denkt. Danach geht nämlich erst mal alles den Bach hinunter.
Danach passieren so viele schreckliche Dinge auf einmal, dass er kaum noch hinterherkommt und alles endet mit einem schwarzen Loch im Himmel, es endet mit Eddie, und seiner schon wieder toten Mutter, und es endet mit Barry, der sich vor aller Welt zurückzieht.
Es macht keinen Spaß Flash zu sein ohne Cisco und Caitlin, ohne Joe und Iris. Aber es ist besser für alle Beteiligten wenn er niemanden mehr mit hineinzieht. Wenn er an niemandes Tod mehr Schuld ist.
Er kann das nicht noch einmal.
Was spielt es angesichts dessen noch für eine Rolle, dass Snart ein Dieb und ein Lügner ist, der sich nicht an ihre Abmachung gehalten hat.
Das ist im Verhältnis zu allen anderen Dingen, die schief gelaufen sind, so nichtig, so irrelevant, dass es Barry nicht so treffen sollte.
Tut es aber.
Es fühlt sich beinah an wie Genugtuung als mitten in der Nacht der stille Alarm einer Bank losgeht und der Polizeiscanner etwas von ‚Captain Cold‘ erzählt.
Adrenalin und Rachsucht pumpen zu gleichen Teilen durch seine Adern und Barry rennt los.
Die Stadt saust an ihm vorbei.
Sein Herz pumpt.
Barry hat versprochen ihn in Ruhe zu lassen. Er hat es versprochen als Preis dafür dass Snart Schweigen über seine Identität bewahrt. Barry hat versprochen nicht so genau hinzusehen bei seinen kriminellen Aktivitäten, so lange nur niemand dabei zu Schaden kommt.
Barry hat eine Menge versprochen damals in dem beschissenen Wald.
„Uff“, macht Snart als Barry ihn packt und mitreißt, und ihn mit vollem Körpereinsatz an die gegenüberliegende Wand drückt. „Hallo Scarlett, lange nicht mehr...“
„Wag es ja nicht!“ presst Barry zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Wut explodiert in seinem Magen als er den blauen Parka sieht und die dämliche Schutzbrille, die Snarts Augen verbirgt. Er hat beinah vergessen wie wütend er auf ihn ist.
Beinah.
Snart hebt die Augenbrauen. Er hat in einer Hand seine Waffe und in der anderen einen Beutel voller Geld, und er sieht weniger eingeschüchtert aus man erwarten sollte. „Du bist sauer“, stellt er fest.
„Ich bin...?“ Barry ist so atemlos vor Wut, dass er kaum noch sprechen kann. „Ob ich SAUER bin?! NATÜRLICH BIN ICH SAUER!“ Mit Wucht drückt er Snarts Handgelenke an die Wand und er packt so fest dabei zu, dass Snart schmerzhaft das Gesicht verzieht und den Beutel mit Geld fallen lässt.
Natürlich nicht seine Waffe. Niemals seine Waffe.
„Ich bin...“
„Ja, ich weiß. Ich weiß! Du bist ein Krimineller und ein Lügner und ein Dieb. Ich bin selbst schuld, weil ich dir vertraut habe“, erwidert Barry bitter und nimmt ruckartig die Hände von Snart. „Keine Sorge, diese Lektion habe ich gelernt. Das passiert so schnell nicht noch einmal.“
„Ich wollte sagen, ich bin überrascht“, sagt Snart milde und reibt sich das Handgelenk. „Weil ich mein Versprechen dir gegenüber doch gehalten habe.“
„Du hast...? Was? Entschuldige...!“ Barry macht eine abrupte Bewegung in seine Richtung, und nur die lauterwerdenden Sirenen halten ihn auf. Er versucht auszublenden wie Snart ein unbewegtes Gesicht aufsetzt, so als ob er sich schon vor langer Zeit abgewöhnt hätte zusammen zu zucken, wenn jemand in seiner Gegenwart ruckartige Bewegungen macht.
Quietschende Reifen halten vor der Bank.
Snart seufzt und wirft einen Blick auf seine Armbanduhr. „Mein Timing wäre perfekt gewesen.“
Barry schnaubt. „Ich sollte dich persönlich bei der Polizei abliefern.“
„Unsere Abmachung…“
Barrys Kiefer schmerzt davon wie fest er die Zähne zusammenbeißt. „Ich weiß“, bringt er hervor. „Ich weiß!“
Eilige Schritte stürmen die Treppe hoch und eine elektronische Stimme fragt nach Einsatzbefehlen.
„Barry“, sagt Snart.
Barry atmet aus. Ruckartig packt er Snart und schlingt eine Hand um seine Taille.
Er kann ihn nicht umbringen, wenn die Polizei ihn vorher verhaftet, sagt er sich. Das ist alles. Er kann ihn nicht in Ruhe umbringen, wenn sie ihn vorher verhaften.
„Ich nehme nicht an, dass…“ Snart macht eine fragende Bewegung in Richtung Geldsack.
„Vergiss es!“ faucht Barry und reißt ihn mit sich, ohne eine Antwort abzuwarten.
Wind und Häuser sausen an ihnen vorbei.
In zwei Sekunden sind sie am äußeren Stadtrand, kurz vor dem Wald. Mondlicht ergießt sich silberweiß über halb zerfallene Häuserruinen und kahle Bäume.
Ruckartig lässt Barry los und Snart stolpert zwei Schritte zurück, bevor er das Gleichgewicht wiedererlangt.
„Hm“, macht er nachdenklich. Bei jedem anderen Menschen wäre das ein ‚Danke‘ gewesen.
Er schiebt die Schutzbrille nach unten, so dass sie lose um seinen Hals baumelt.
Barry zerrt sich die Maske vom Kopf und fährt sich wütend mit den Händen durch die Haare. „Ich hätte dich da lassen sollen.“
Es ist eine leere Drohung, niemand weiß das besser als er, und sie schmeckt sauer in seinem Mund.
„Ich habe mein Versprechen gehalten“, wiederholt Leonard, als ob er ahnt, dass Barry so kurz davor ist, auf ihn loszugehen.
Barry wirbelt herum und funkelt ihn an. „Was.“
„Ich habe dir beim Transport geholfen und dich vor den Metas beschützt“, zählt Snart auf. „Wenn du dich erinnerst, ist das auch genau das was ich versprochen habe. Wortwörtlich.“
„HAH!“ faucht Barry und tritt auf ihn zu. „HAH! Komm mir bloß nicht so. Ohne deine HILFE, wären die Metas überhaupt nicht in der Lage gewesen mir etwas anzutun. DU hast sie freigelassen.“
„Das stimmt.“ Snart nickt.
Barry starrt ihn an, gleichermaßen perplex und so wütend, dass er sich fühlt als ob ihm gleich eine Ader platzt. Gleichzeitig ist es das erste Mal seit Wochen, dass er sich irgendetwas anderes fühlt als leer.
Er ist sich nicht ganz sicher, ob das was Gutes ist.
Snart seufzt. „Du kannst doch nicht von mir erwarten, dass ich dafür sorge, dass Menschen auf einer einsamen Insel eingesperrt werden. Ohne jeden Gerichtsbeschluss. Barry. Wenn ausgerechnet ich dir jetzt schon die fehlende Moral eurer Aktion erklären muss, dann weiß ich wirklich nicht...“
Barry atmet langsam aus und spürt wie seine Schultern nach unten sacken, als seine ganze Wut mit einem Mal verpufft. Was zurück bleibt, ist ein Gefühl von Resignation. „Ich weiß“, gibt er zu. „Ich weiß, dass das keine unserer brillanteren Ideen war. Joe... Joe fand die ganze Sache auch immer schrecklich.“
Snart nickt. „Ihr seid doch ein Haufen kluger Köpfe in Team S.T.A.R. Labs. Euch fällt bestimmt was Besseres ein als das.“
„Die Polizei ist dabei einen Meta-Flügel in Iron Heights einzurichten“, gesteht Barry widerwillig. Es passt ihm nicht, dass Snart mit irgendetwas recht hat, aber leider hat er das.
„Also technisch gesehen… habe ich meinen Teil der Abmachung erfüllt“, stellt Snart fest.
Barry verzieht das Gesicht. Ein Teil von ihm kann gar nicht glauben, dass Snart ihm grade wirklich so kommt. Ein anderer (kleinerer) Teil von ihm, ist beinah amüsiert. Weil natürlich kommt Snart ihm so. Natürlich.
„Was ist mit Simmons?“ bohrt er.
Snart hebt die Schultern. „Er wollte dich umbringen. Ich hab dich beschützt. Wie versprochen.“
„Ich dachte, er schuldet dir Geld“, gibt Barry bissig zurück.
Snart hebt die Augenbrauen. „Barry, ich kannte den Typen nicht mal. Zweitens ist es dämlich jemanden umzubringen, der dir Geld schuldet. Davon krieg ich es auch nicht wieder.“
Barry seufzt.
Er ist ja kein Idiot. Natürlich ist ihm das klar.
Das ist ihm schon damals klar gewesen, als er auf dem Boden des Flughafens gelegen hat, halb benebelt von dem kombinierten Angriff durch Mardon und Simmons.
Dass es kein Zufall war, dass Snart genau in dem Moment dazwischen gegangen ist, als Simmons dabei war ihm die Lichter endgültig auszuknipsen. Dass es kein Zufall war, dass er Mardon so geschickt von Barry abgelenkt hat.
Aber es ist eben so viel leichter immer nur das Allerschlechteste von Snart anzunehmen. Es ist bequem. Es ist einfach.
Barry wünscht sich manchmal, die Welt wäre so einfach.
Dass die guten Menschen einfach immer nur Gutes tun und die Böse einfach immer nur Böses. Er wünscht sich, dass die Bösen auch immer schwarze Hüte tragen. Damit man sie immer erkennt und sie sich niemals heimlich in dein Leben schleichen können als … bester Freund oder Mentor oder…
Wie leicht wäre dann alles für ihn.
Wie viel sicherer wäre das alles. Und wie viel weniger traumatisch und beängstigend.
„Außerdem haben sie dir bisher keinen Ärger gemacht, oder?“ fährt Snart fort.
Überrascht öffnet Barry den Mund und schließt ihn gleich wieder. Er möchte widersprechen. Aber dann schüttelt er wahrheitsgemäß den Kopf. Haben sie nicht. Überraschenderweise.
„Keine Sorge. Unser Deal gilt für alle, die mit mir zusammen arbeiten wollen. Keine Leichen. Niemand stirbt. Wir lassen deine Freunde und deine Familie in Ruhe. Yadda, yadda.“ Er wedelt ungeduldig mit der Hand. „Mardon tut sich ein bisschen schwer damit, aber er weiß, dass ich ihn auf Eis lege, wenn er sich nicht daran hält.“
Gelächter blubbert in Barrys Kehle nach oben. Das erste Mal in zwei Monaten.
Sofort presst er die Lippen zusammen und räuspert sich.
„Also“, endet Snart. „Langfristig halte ich mich an alle unsere Deals.“
„Mit Interpretationsspielraum.“
„Mit Interpretationsspielraum.“ Er nickt. „Was ist mit deinem Teil der Abmachung?“
„Meinem…“ Barry sieht ihn an.
Snart hat den Blick abgewandt und seine Finger spielen geistesabwesend mit der Kältekanone. Er sieht entspannt und ungerührt aus, als könnte es ihm nicht gleichgültiger sein, ob Barry seinen Teil einhält oder nicht. Aber da ist schon wieder dieses Flackern in seinen Augen, das Barry inne halten lässt.
99 Prozent der Zeit ist Leonard Snart eine Maske aus Ungerührtheit und Ablehnung.
Aber da ist dieses eine Prozent, was Barry irre macht. Dieses eine Prozent was dafür sorgt, dass er nicht aufhören kann daran zu glauben, dass da noch mehr ist an diesem Kerl als Kälte, Sarkasmus und kriminelle Energie. Er weiß selbst nicht, wieso ihn das so wurmt.
Ein Date.
Die ganzen letzten Wochen lang hat er nur mit Verbitterung an ihr Gespräch zurückgedacht und ist sich sicher gewesen, dass das reine Schikane von Snart war. Nichts weiter als ein elaborierter Scherz. So wie beinah alles andere in seinem Leben.
Aber scheinbar hat er sich da geirrt.
„Du willst immer noch ein Date“, fragt er, um auf Nummer sicher zu gehen.
„Ja.“
„Mit mir.“
„Nein, mit Barack Obama.“
„Snart.“
Snart rollt die Augen und hebt unbehaglich die Schultern. „Ja, mit dir. Das war die Abmachung. Ernsthaft, du würdest mir damit einen Gefallen tun.“
„Okay“, sagt Barry.
Snarts Blick flackert zu ihm. Einen Moment lang sieht er überrascht aus, als ob Barrys beiläufige Zustimmung ihn völlig unvorbereitet getroffen hat.
Barry breitet die Arme aus. „Wir hatten es ausgemacht und ICH halte meine Versprechen. Auch ohne Interpretationsspielraum. Du wolltest ein Date – du kriegst ein Date!“ Es war nicht geplant, dass es wie eine Drohung klingt – andererseits ist das vermutlich nicht das Schlechteste. Barry ist es leid sich von Snart auf der Nase herumtanzen zu lassen.
Snart räuspert sich. „Samstag“, sagt er, offensichtlich darum bemüht die Fassung zu bewahren. „Du darfst mich abholen.“
„Nett von dir. Dazu müsste ich nur wissen wo“, sagt Barry trocken. Langsam macht das Spielchen ein bisschen Spaß. Nur ein bisschen. Und nur wenn er zwischendurch vergisst, dass er Snart eigentlich erwürgen möchte.
Aber es ist das erste Mal seit zwei Monaten, dass er etwas anderes empfindet als Selbsthass und Leere, und vielleicht kommt ihm alleine deswegen dieses Date plötzlich nicht mehr wie eine ganz furchtbare Idee vor.
Snart wirft ihm einen Blick und rattert eine Adresse herunter. „Bilde dir nichts ein“, schiebt er hinterher. „Das ist nicht mein Zuhause. Das ist nur ein Unterschlupf. Ich könnte da innerhalb von fünf Minuten spurlos verschwinden. Die Polizei würde nichts finden.“
Abwehrend hebt Barry die Hände. „Ich bilde mir nichts drauf ein.“
„Und du zahlst.“
„Ja ja.“ Barry rollt mit den Augen. „Bis Samstag.“
Snart lässt einen nachdenklichen Blick über die Bäume und kaputten Häuser um sich herumschweifen. „War geplant, dass du mich wieder mit zurück in die Stadt nimmst?“
Barry grinst und zerrt sich die Maske wieder übers Gesicht. „Oh, keine Sorge, hier fährt ein Bus. In vier Stunden oder so.“
Fortsetzung folgt
Fandom: The Flash
Charaktere: Barry Allen aka The Flash, Leonard Snart aka Captain Cold
Wörter: ~2000
Prompt: Traumatisches Erlebnis aus der Hurt/Comfort-Tabelle
Vorwort: Das spielt zwischen Staffel 1 und 2, in der Zeit wo Barry RICHTIG emo und down ist, deswegen ist das alles gleich ein bisschen trauriger geworden als Teil 1. Sorry? ._. Und ich hatte ganz kurz überlegt ob ich es mir leicht mache und einfach so AU werde, dass Leonard ihm tatsächlich hilft die Metas bei Argus abzuliefern... aber näh. ;D Wo wäre da die Herausforderung.
Fortsetzung von HIER.
Snart hält sich nicht an die Abmachung.
Überraschung! Holt die Fanfaren raus.
Natürlich hält Snart sich nicht an die Abmachung.
Snart und seine Schwester fallen ihm eiskalt in den Rücken, befreien die Metas und machen sich aus dem Staub, und sie lassen Barry mit angeknacksten Rippen und angeknackstem Stolz zurück. Auf dem Boden. Im Regen.
Barry hätte das kommen sehen müssen.
Nein ehrlich. Barry hätte von davon nicht so überrascht sein sollen.
Barry hätte davon nicht so verletzt sein sollen.
Es ist ja nicht so, als ob Snart ihm jemals Anlass gegeben hätte ihm zu vertrauen.
Unmittelbar danach hat Barry leider absolut keine Zeit mehr sich darüber zu ärgern oder das komplizierte Konglomerat an Gefühlen in seinem Brustkorb zu entwirren, das entsteht wann immer er an Leonard Snart denkt. Danach geht nämlich erst mal alles den Bach hinunter.
Danach passieren so viele schreckliche Dinge auf einmal, dass er kaum noch hinterherkommt und alles endet mit einem schwarzen Loch im Himmel, es endet mit Eddie, und seiner schon wieder toten Mutter, und es endet mit Barry, der sich vor aller Welt zurückzieht.
Es macht keinen Spaß Flash zu sein ohne Cisco und Caitlin, ohne Joe und Iris. Aber es ist besser für alle Beteiligten wenn er niemanden mehr mit hineinzieht. Wenn er an niemandes Tod mehr Schuld ist.
Er kann das nicht noch einmal.
Was spielt es angesichts dessen noch für eine Rolle, dass Snart ein Dieb und ein Lügner ist, der sich nicht an ihre Abmachung gehalten hat.
Das ist im Verhältnis zu allen anderen Dingen, die schief gelaufen sind, so nichtig, so irrelevant, dass es Barry nicht so treffen sollte.
Tut es aber.
Es fühlt sich beinah an wie Genugtuung als mitten in der Nacht der stille Alarm einer Bank losgeht und der Polizeiscanner etwas von ‚Captain Cold‘ erzählt.
Adrenalin und Rachsucht pumpen zu gleichen Teilen durch seine Adern und Barry rennt los.
Die Stadt saust an ihm vorbei.
Sein Herz pumpt.
Barry hat versprochen ihn in Ruhe zu lassen. Er hat es versprochen als Preis dafür dass Snart Schweigen über seine Identität bewahrt. Barry hat versprochen nicht so genau hinzusehen bei seinen kriminellen Aktivitäten, so lange nur niemand dabei zu Schaden kommt.
Barry hat eine Menge versprochen damals in dem beschissenen Wald.
„Uff“, macht Snart als Barry ihn packt und mitreißt, und ihn mit vollem Körpereinsatz an die gegenüberliegende Wand drückt. „Hallo Scarlett, lange nicht mehr...“
„Wag es ja nicht!“ presst Barry zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Wut explodiert in seinem Magen als er den blauen Parka sieht und die dämliche Schutzbrille, die Snarts Augen verbirgt. Er hat beinah vergessen wie wütend er auf ihn ist.
Beinah.
Snart hebt die Augenbrauen. Er hat in einer Hand seine Waffe und in der anderen einen Beutel voller Geld, und er sieht weniger eingeschüchtert aus man erwarten sollte. „Du bist sauer“, stellt er fest.
„Ich bin...?“ Barry ist so atemlos vor Wut, dass er kaum noch sprechen kann. „Ob ich SAUER bin?! NATÜRLICH BIN ICH SAUER!“ Mit Wucht drückt er Snarts Handgelenke an die Wand und er packt so fest dabei zu, dass Snart schmerzhaft das Gesicht verzieht und den Beutel mit Geld fallen lässt.
Natürlich nicht seine Waffe. Niemals seine Waffe.
„Ich bin...“
„Ja, ich weiß. Ich weiß! Du bist ein Krimineller und ein Lügner und ein Dieb. Ich bin selbst schuld, weil ich dir vertraut habe“, erwidert Barry bitter und nimmt ruckartig die Hände von Snart. „Keine Sorge, diese Lektion habe ich gelernt. Das passiert so schnell nicht noch einmal.“
„Ich wollte sagen, ich bin überrascht“, sagt Snart milde und reibt sich das Handgelenk. „Weil ich mein Versprechen dir gegenüber doch gehalten habe.“
„Du hast...? Was? Entschuldige...!“ Barry macht eine abrupte Bewegung in seine Richtung, und nur die lauterwerdenden Sirenen halten ihn auf. Er versucht auszublenden wie Snart ein unbewegtes Gesicht aufsetzt, so als ob er sich schon vor langer Zeit abgewöhnt hätte zusammen zu zucken, wenn jemand in seiner Gegenwart ruckartige Bewegungen macht.
Quietschende Reifen halten vor der Bank.
Snart seufzt und wirft einen Blick auf seine Armbanduhr. „Mein Timing wäre perfekt gewesen.“
Barry schnaubt. „Ich sollte dich persönlich bei der Polizei abliefern.“
„Unsere Abmachung…“
Barrys Kiefer schmerzt davon wie fest er die Zähne zusammenbeißt. „Ich weiß“, bringt er hervor. „Ich weiß!“
Eilige Schritte stürmen die Treppe hoch und eine elektronische Stimme fragt nach Einsatzbefehlen.
„Barry“, sagt Snart.
Barry atmet aus. Ruckartig packt er Snart und schlingt eine Hand um seine Taille.
Er kann ihn nicht umbringen, wenn die Polizei ihn vorher verhaftet, sagt er sich. Das ist alles. Er kann ihn nicht in Ruhe umbringen, wenn sie ihn vorher verhaften.
„Ich nehme nicht an, dass…“ Snart macht eine fragende Bewegung in Richtung Geldsack.
„Vergiss es!“ faucht Barry und reißt ihn mit sich, ohne eine Antwort abzuwarten.
Wind und Häuser sausen an ihnen vorbei.
In zwei Sekunden sind sie am äußeren Stadtrand, kurz vor dem Wald. Mondlicht ergießt sich silberweiß über halb zerfallene Häuserruinen und kahle Bäume.
Ruckartig lässt Barry los und Snart stolpert zwei Schritte zurück, bevor er das Gleichgewicht wiedererlangt.
„Hm“, macht er nachdenklich. Bei jedem anderen Menschen wäre das ein ‚Danke‘ gewesen.
Er schiebt die Schutzbrille nach unten, so dass sie lose um seinen Hals baumelt.
Barry zerrt sich die Maske vom Kopf und fährt sich wütend mit den Händen durch die Haare. „Ich hätte dich da lassen sollen.“
Es ist eine leere Drohung, niemand weiß das besser als er, und sie schmeckt sauer in seinem Mund.
„Ich habe mein Versprechen gehalten“, wiederholt Leonard, als ob er ahnt, dass Barry so kurz davor ist, auf ihn loszugehen.
Barry wirbelt herum und funkelt ihn an. „Was.“
„Ich habe dir beim Transport geholfen und dich vor den Metas beschützt“, zählt Snart auf. „Wenn du dich erinnerst, ist das auch genau das was ich versprochen habe. Wortwörtlich.“
„HAH!“ faucht Barry und tritt auf ihn zu. „HAH! Komm mir bloß nicht so. Ohne deine HILFE, wären die Metas überhaupt nicht in der Lage gewesen mir etwas anzutun. DU hast sie freigelassen.“
„Das stimmt.“ Snart nickt.
Barry starrt ihn an, gleichermaßen perplex und so wütend, dass er sich fühlt als ob ihm gleich eine Ader platzt. Gleichzeitig ist es das erste Mal seit Wochen, dass er sich irgendetwas anderes fühlt als leer.
Er ist sich nicht ganz sicher, ob das was Gutes ist.
Snart seufzt. „Du kannst doch nicht von mir erwarten, dass ich dafür sorge, dass Menschen auf einer einsamen Insel eingesperrt werden. Ohne jeden Gerichtsbeschluss. Barry. Wenn ausgerechnet ich dir jetzt schon die fehlende Moral eurer Aktion erklären muss, dann weiß ich wirklich nicht...“
Barry atmet langsam aus und spürt wie seine Schultern nach unten sacken, als seine ganze Wut mit einem Mal verpufft. Was zurück bleibt, ist ein Gefühl von Resignation. „Ich weiß“, gibt er zu. „Ich weiß, dass das keine unserer brillanteren Ideen war. Joe... Joe fand die ganze Sache auch immer schrecklich.“
Snart nickt. „Ihr seid doch ein Haufen kluger Köpfe in Team S.T.A.R. Labs. Euch fällt bestimmt was Besseres ein als das.“
„Die Polizei ist dabei einen Meta-Flügel in Iron Heights einzurichten“, gesteht Barry widerwillig. Es passt ihm nicht, dass Snart mit irgendetwas recht hat, aber leider hat er das.
„Also technisch gesehen… habe ich meinen Teil der Abmachung erfüllt“, stellt Snart fest.
Barry verzieht das Gesicht. Ein Teil von ihm kann gar nicht glauben, dass Snart ihm grade wirklich so kommt. Ein anderer (kleinerer) Teil von ihm, ist beinah amüsiert. Weil natürlich kommt Snart ihm so. Natürlich.
„Was ist mit Simmons?“ bohrt er.
Snart hebt die Schultern. „Er wollte dich umbringen. Ich hab dich beschützt. Wie versprochen.“
„Ich dachte, er schuldet dir Geld“, gibt Barry bissig zurück.
Snart hebt die Augenbrauen. „Barry, ich kannte den Typen nicht mal. Zweitens ist es dämlich jemanden umzubringen, der dir Geld schuldet. Davon krieg ich es auch nicht wieder.“
Barry seufzt.
Er ist ja kein Idiot. Natürlich ist ihm das klar.
Das ist ihm schon damals klar gewesen, als er auf dem Boden des Flughafens gelegen hat, halb benebelt von dem kombinierten Angriff durch Mardon und Simmons.
Dass es kein Zufall war, dass Snart genau in dem Moment dazwischen gegangen ist, als Simmons dabei war ihm die Lichter endgültig auszuknipsen. Dass es kein Zufall war, dass er Mardon so geschickt von Barry abgelenkt hat.
Aber es ist eben so viel leichter immer nur das Allerschlechteste von Snart anzunehmen. Es ist bequem. Es ist einfach.
Barry wünscht sich manchmal, die Welt wäre so einfach.
Dass die guten Menschen einfach immer nur Gutes tun und die Böse einfach immer nur Böses. Er wünscht sich, dass die Bösen auch immer schwarze Hüte tragen. Damit man sie immer erkennt und sie sich niemals heimlich in dein Leben schleichen können als … bester Freund oder Mentor oder…
Wie leicht wäre dann alles für ihn.
Wie viel sicherer wäre das alles. Und wie viel weniger traumatisch und beängstigend.
„Außerdem haben sie dir bisher keinen Ärger gemacht, oder?“ fährt Snart fort.
Überrascht öffnet Barry den Mund und schließt ihn gleich wieder. Er möchte widersprechen. Aber dann schüttelt er wahrheitsgemäß den Kopf. Haben sie nicht. Überraschenderweise.
„Keine Sorge. Unser Deal gilt für alle, die mit mir zusammen arbeiten wollen. Keine Leichen. Niemand stirbt. Wir lassen deine Freunde und deine Familie in Ruhe. Yadda, yadda.“ Er wedelt ungeduldig mit der Hand. „Mardon tut sich ein bisschen schwer damit, aber er weiß, dass ich ihn auf Eis lege, wenn er sich nicht daran hält.“
Gelächter blubbert in Barrys Kehle nach oben. Das erste Mal in zwei Monaten.
Sofort presst er die Lippen zusammen und räuspert sich.
„Also“, endet Snart. „Langfristig halte ich mich an alle unsere Deals.“
„Mit Interpretationsspielraum.“
„Mit Interpretationsspielraum.“ Er nickt. „Was ist mit deinem Teil der Abmachung?“
„Meinem…“ Barry sieht ihn an.
Snart hat den Blick abgewandt und seine Finger spielen geistesabwesend mit der Kältekanone. Er sieht entspannt und ungerührt aus, als könnte es ihm nicht gleichgültiger sein, ob Barry seinen Teil einhält oder nicht. Aber da ist schon wieder dieses Flackern in seinen Augen, das Barry inne halten lässt.
99 Prozent der Zeit ist Leonard Snart eine Maske aus Ungerührtheit und Ablehnung.
Aber da ist dieses eine Prozent, was Barry irre macht. Dieses eine Prozent was dafür sorgt, dass er nicht aufhören kann daran zu glauben, dass da noch mehr ist an diesem Kerl als Kälte, Sarkasmus und kriminelle Energie. Er weiß selbst nicht, wieso ihn das so wurmt.
Ein Date.
Die ganzen letzten Wochen lang hat er nur mit Verbitterung an ihr Gespräch zurückgedacht und ist sich sicher gewesen, dass das reine Schikane von Snart war. Nichts weiter als ein elaborierter Scherz. So wie beinah alles andere in seinem Leben.
Aber scheinbar hat er sich da geirrt.
„Du willst immer noch ein Date“, fragt er, um auf Nummer sicher zu gehen.
„Ja.“
„Mit mir.“
„Nein, mit Barack Obama.“
„Snart.“
Snart rollt die Augen und hebt unbehaglich die Schultern. „Ja, mit dir. Das war die Abmachung. Ernsthaft, du würdest mir damit einen Gefallen tun.“
„Okay“, sagt Barry.
Snarts Blick flackert zu ihm. Einen Moment lang sieht er überrascht aus, als ob Barrys beiläufige Zustimmung ihn völlig unvorbereitet getroffen hat.
Barry breitet die Arme aus. „Wir hatten es ausgemacht und ICH halte meine Versprechen. Auch ohne Interpretationsspielraum. Du wolltest ein Date – du kriegst ein Date!“ Es war nicht geplant, dass es wie eine Drohung klingt – andererseits ist das vermutlich nicht das Schlechteste. Barry ist es leid sich von Snart auf der Nase herumtanzen zu lassen.
Snart räuspert sich. „Samstag“, sagt er, offensichtlich darum bemüht die Fassung zu bewahren. „Du darfst mich abholen.“
„Nett von dir. Dazu müsste ich nur wissen wo“, sagt Barry trocken. Langsam macht das Spielchen ein bisschen Spaß. Nur ein bisschen. Und nur wenn er zwischendurch vergisst, dass er Snart eigentlich erwürgen möchte.
Aber es ist das erste Mal seit zwei Monaten, dass er etwas anderes empfindet als Selbsthass und Leere, und vielleicht kommt ihm alleine deswegen dieses Date plötzlich nicht mehr wie eine ganz furchtbare Idee vor.
Snart wirft ihm einen Blick und rattert eine Adresse herunter. „Bilde dir nichts ein“, schiebt er hinterher. „Das ist nicht mein Zuhause. Das ist nur ein Unterschlupf. Ich könnte da innerhalb von fünf Minuten spurlos verschwinden. Die Polizei würde nichts finden.“
Abwehrend hebt Barry die Hände. „Ich bilde mir nichts drauf ein.“
„Und du zahlst.“
„Ja ja.“ Barry rollt mit den Augen. „Bis Samstag.“
Snart lässt einen nachdenklichen Blick über die Bäume und kaputten Häuser um sich herumschweifen. „War geplant, dass du mich wieder mit zurück in die Stadt nimmst?“
Barry grinst und zerrt sich die Maske wieder übers Gesicht. „Oh, keine Sorge, hier fährt ein Bus. In vier Stunden oder so.“
Fortsetzung folgt
no subject
Date: 2016-07-05 07:31 pm (UTC)no subject
Date: 2016-07-05 08:00 pm (UTC)no subject
Date: 2016-07-06 05:29 am (UTC)GEHTS IHM WIEDER BESSER WIRD IHN EIN DATE MIT DEM SUPERVILLAIN, der ihn natürlich total doof findet und das nur macht, um seine Schwester loszuwerden ist ja klar ne :))), WIEDER AUFMUNTERN?
no subject
Date: 2016-07-09 07:50 am (UTC)Und ja doofe Ice puns sind Snarts Spezialität. XD
Danköööööö und ich schreib bald weiter! Hoffentlich heute!
no subject
Date: 2016-07-06 08:30 am (UTC)Snart hast du einfach nur perfekt getroffen, ich bin total fasziniert. Gott, ich bin jetzt total hibbelig, dieses Date endlich zu sehen.
Und Barry, der so wütend ist, dass er einfach schnurstracks Snart bei einem Raub in die Quere kommt. So, so gut.
Da passt einfach alles.
Und mir ist echt noch nicht aufgefallen, dass Snart sich technisch gesehen, an dem Deal gehalten hat xD (bei ihm muss man halt aufpassen, wie genau er etwas sagt)
Und dass er zugibt, Simmons getötet zu haben, um Barry zu retten. Nein, ich habe bestimmt nicht gequiekt (das war vermutlich nur meine Katze!)
So und jetzt aber schnell mit dem nächsten Teil, ganz ganz schnell!
no subject
Date: 2016-07-09 07:52 am (UTC)Ja doch, doch - technisch gesehen hat Snart genau das versprochen. XD Er hilft ihm beim Transport und beschützt ihn vor den Metas - beides hat er getan. Davon, dass die Leute auf der Insel ankommen müssen war nie die Rede. XD
Ich schreibe heute weiter und freue mich über ein bisschen in den Hintern Getrete! ;)
no subject
Date: 2016-07-06 04:57 pm (UTC)Dein Snart ist ja so, so gut getroffen. <3
Und Barry ist so wunderbar wütend und lässt sich trotzdem so leicht von Snart da rauskitzeln... <3
no subject
Date: 2016-07-09 07:54 am (UTC)Ich freu mich sehr, dass du es magst und Snart zu schreiben macht ziemlich viel Spaß. Aber ich bin auch immer dafür, dass Barry sich von ihm nichts gefallen lässt. ;)