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Team: Hufflepuff
Challenge: H/C - Notfallkontakt - fürs Team
Fandom: Kpop (VIXX, Exo, Shinee)
Titel: Grenzgänger
Inhalt: Ravi leidet und bekommt einen Anruf.
Anmerkung: N, Leo und Ravi sind in einer Band, Kai und Taemin in jeweils einer anderen und Ravi, Kai und Taemin sind beste Freunde. "Hyung" ist das koreanische Wort für großer Bruder und wird als Zeichen der Vertrautheit auch gegenüber älteren Freunden verwendet. "Overdose" ist ein Lied von Exo, Kais Band. (Omg ich schwöre, ich schreibe irgendwann wieder über etwas weniger nischenhafte Sachen).



Grenzgänger

Es gab nichts, was sie machen konnten oder durften außer im Bett liegen, sich mit Vitaminen und Fleischbrühe vollstopfen und darauf hoffen, dass der Arzt ihnen endlich sein Okay gab, damit sie wieder aufstehen durften.

Ravi stand kurz vor dem Tod durch Langeweile, während er an die Decke starrte und versuchte, sich davon abzuhalten, mit den Zähnen zu knirschen. Sein gesamtes Gesicht pochte immer noch unangenehm von seinem Sturz auf der Bühne und ihm wurde ab und zu kotzübel.

"Das ist möglicherweise eine Gehirnerschütterung", hatte der Arzt darüber gesagt und Ravi hatte nichts gemacht, nicht mal genickt, weil er nicht noch mehr reihern wollte.

"Das ist möglicherweise die Scham", hatte Leo dazu erklärt. Alle anderen hatten ihnen versichert, dass es überhaupt keinen Grund gäbe, sich zu schämen, Unfälle gehörten nun mal dazu, sie seien nicht die ersten und nicht die letzten gewesen, die mitten im Konzert wie Bahnschranken auf die Bühne klatschten und sie sollten nicht in Selbstmitleid versinken, das brächte niemandem etwas.

Hervorragende Erklärungen, wie Ravi fand. Trotzdem hatte er Leos Hand gegriffen und sie fest gedrückt. Klang nämlich alles schön und gut, was die anderen so erzählten, doch die Gefühle verschwanden ja nicht einfach so. Sie waren da und zerrten Ravi im Kreis durch seinen eigenen Kopf, und auch wenn Leo, der neben ihm im Bett lag und genau so litt (und mit den Zähnen knirschte), Ravi nicht helfen konnte, tat es gut, nicht alleine zu sein.

Es klopfte.

Ravi stöhnte, doch er versuchte gar nicht erst, sich aufzurichten.

"Komm rein!", rief er stattdessen und warf einen entschuldigenden Blick auf Leo neben sich. Leo warf einen hasserfüllten Blick zurück und steckte den Kopf vollständig unter sein Kissen.

"Einzelzimmer", hörte Ravi ihn zischeln. "Nicht mal in Ruhe allein in Ohnmacht kann man fallen!"

Ravi grinste. "Sorry, hyung."

"Am Arsch", fauchte es zurück und Ravi prustete.

Als er wieder zur Tür blickte, stand N im Zimmer. Er hielt Ravis Handy vor die Brust gepresst und schaute misstrauisch zwischen Ravi und Leo hin her.

"So schlimm kann es euch gar nicht gehen", sagte er laut. "Vielleicht simuliert ihr nur?"

"Na klar", erwiderte Ravi. "Mein größtes Hobby ist es, im Bett zu liegen und sinnierend an die Decke zu starren."

"Bei deinem Hohlkopf kann das nicht so spannend sein."

"Och, hyung…"

Ravi verzog das Gesicht und versuchte, möglichst leidend auszusehen. Er war auf der Bühne in Ohnmacht gefallen, ein bisschen Mitleid hatte er sich verdient, fand er.

N lachte, wahrscheinlich weil Ravis Schmollgesicht ungefähr so aussah wie ein beleidigtes Alpaka.

"Schon gut. Hier."


Er hielt ihm das Handy entgegen und legte Ravi sogar kurz die Hand auf die Stirn, ehe er zufrieden nickte.

"Wer ist…", wollte Ravi wissen, doch da drangen bereits wüste Beschimpfungen aus dem Hörer.

"…Volltrottel, da geht man vorher von der Bühne…"

"…mitten im Lied, bist du im Zirkus oder was…"

"…hoffentlich die Nase gebrochen, hättest du verdient…"

Ravi stöhnte. "Ich hab euch auch dolle lieb!", rief er dem Geschrei entgegen und bekam dafür von Leo einen Tritt unter der Decke und ein hämisches Lachen von N.

Wow, dachte Ravi, und presste sich das Handy fester ans Ohr, er hatte nur Idioten als Freunde.

Dass sich seine Kehle zusammenzog, als er Kais Stimme hörte, hatte gar nichts zu bedeuten und auch nicht, dass ihm plötzlich die Augen tränten, als Taemin anfing, irgendein Geheimrezept seiner Oma aufzulisten, was bei Ohnmachtsanfällen anscheinend immer half.

"Hast du das schonmal ausprobiert?", fragte Ravi und legte die Hand übers Gesicht, damit N ihn nicht flennen sah. Das fehlte noch.

"Nein", sagte Taemin. "Ich hasse aber auch Aal."

"Ich auch", sagte Kai. "Aber wenns eklig schmeckt, hilft es meistens."

"Bist du Arzt, oder was", fragte Ravi.

"Someone call the doctor", sang Taemin.

"Ich hasse euch beide", sagte Kai und dem Jaulen nach zu urteilen, hatte er Taemin soeben einen Schlag verpasst.

"Aber jetzt mal im Ernst, Alter, wie gehts dir?"

"Super", sagte Ravi. Dann fing er an, nachzudenken. Er war schlapp und ihm tat alles weh, ihn fraßen Schuldgefühle auf, weil er sämtliche Aktivitäten seiner Band unterbrochen hatte und weil das einzige, was er dagegen tun konnte - nämlich schnell wieder auf die Beine kommen - nicht in seiner Hand lag. "Alles gut", fügte er also hinzu.

"Red kein Blech", kam sofort die Antwort von Taemin und Ravi zuckte heftig zusammen. "Dir gehts scheiße."

"Na danke", meinte Ravi. Aber er war froh, dass Taemim es ausgesprochen hatte. Weil er wahrscheinlich genau nachvollziehen konnte, was Ravi gerade durch den Kopf ging.

"Das ist okay", sagte Kai. "Aber wenn du dich selbst fertig machst, wird es nur länger dauern, bis du wieder gesund bist... Taemin, wenn du jetzt nochmal Overdose singst, tret ich dich!"

"Dann könnt ich immer noch besser tanzen als du", erwiderte Taemin. "Aber Kai hat recht, Ravi. Mach was der Arzt sagt. Akzeptier, dass du deine Grenze erreicht hast und dann steh wieder auf und mach weiter."

"Hm", machte Ravi. Er hätte gern noch mehr gesagt, zum Beispiel, dass Taemin die Klappe nicht so aufreißen solle, dass es immer leichter war, Tipps zu geben, wenn man gerade nicht selbst auf dem Rücken lag und dass Kai sich selbst hinter die Ohren schreiben solle, was er ihm gerade geraten hatte.

Doch Ravi konnte nichts sagen, weil er diesmal wirklich weinte. Vor Rührung, vor Liebe, vor Schuld und Scham und Schmerzen, weil ihm zu viel durch den Kopf ging und weil er unter der Decke Leos Hand auf seinem Bauch spürte, die ihn langsam streichelte.

"Heulst du?", fragte Kai und Ravi keuchte durch Tränen und entsetzlich schmerzhaftes Lachen hindurch.
"Q-Quatsch."
"Gut. Gibts auch gar keinen Grund für. Wir lieben dich."
"Ich euch auch."
"Hast du gehört, Kai, Ravi liebt mich!"
"Er meinte mich, du Trottel."
"Hättest du wohl gerne!"
"Ravi, liebst du mich?"
"Warum sollte ich?"
"Du kannst am besten tanzen und am besten rappen. Von... allen, die ich kenne."
"Ich liebe Kai. Sorry, Taemin."
"Du bist so billig!"

Ihr Geblödel hätte noch stundenlang so weitergehen können, doch N nahm Ravi plötzlich das Handy aus der Hand und hielt es aus seiner Reichweite.

"Okay, das reicht, ich verdumme nur vom Zusehen. Er ruft später nochmal an, hört auf zu heulen! Sag tschüss, Ravi."

"Hyung!"

"Auch gut. Tschüssi!"

Ravi ließ sich wieder in die Kissen fallen. "Du bist gemein", murmelte er und wischte sich die nassen Wangen ab. Leos Hand war von seinem Bauch verschwunden und er fragte sich, ob er sich die Berührung nur eingebildet hatte.

Wahrscheinlich.

"Ich bin nur um dein Wohlergehen besorgt", sagte N, dann zögerte er und beugte sich über Ravi, um ihm erneut die Stirn zu fühlen. "Wird schon."

"Klar doch, hyung."

"Gilt für dich auch, Leo. Ich weiß, dass du wach bist."

"Jaja, was auch immer."

Ravi grinste und als N das Zimmer verließ, drehte sich Leo auf die Seite und schaute lange auf die Tür.

"Wir schaffen das, Ravi", murmelte er, so leise, dass Ravi es fast nicht hörte, doch die Hand lag wieder auf seinem Bauch und seiner Brust.

Und zum ersten Mal seit zwei Tagen fühlte sich Ravi so, als könne er das glauben.

Date: 2016-07-05 02:50 pm (UTC)
servena: (Default)
From: [personal profile] servena
Aaaaww, was sind sie niedlich. <3

Und an dieser Stelle musste ich sehr lachen XD:
Ravi grinste. "Sorry, hyung."
"Am Arsch", fauchte es zurück und Ravi prustete.

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