[identity profile] ayawinner.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Hufflepuff
Challenge: Hurt/Comfort - Atemnot/Panikattacke (für's Team)
Titel: Gib mir einfach den Aschenbecher
Fandom: K-pop (Bigbang: G-Dragon (Jiyong), sein Manager)
Anmerkungen: Recht viel hurt, recht wenig comfort. Heute ist offenbar außerdem kpop-Panikattacken-Themenabend hier :D Jiyong's thigh tattoos

Gib mir einfach den Aschenbecher

Die Luft im winzigen Hinterhof des Clubs ist genauso schmierig und heiß wie drinnen, sie legt sich wie eine viel zu schwere Decke auf seine Schultern und seine Brust, sie zieht ihn nach unten auf den verdreckten Boden zwischen weggeworfene Zigaretten und Glasscherben, wo er glaubt, Staub einzuatmen, obwohl das gar nicht sein kann, weil die Luft dazu viel zu feucht ist und er überhaupt nicht atmen kann. Es ist zu eng – zu eng im Club, zu eng hier draußen, zu eng in seiner Brust.

Sollte nicht die Luft am Boden besser sein? Da war etwas, ein buntes Bild von einem stilisierten Menschen, der am Boden kriecht, und über diesem Menschen ist Rauch, und hinter ihm reißt Daesung einen blöden Witz und Seunghyuns Lachen schallt laut durch das Flugzeug und – ah, ja, im Flugzeug. Am Boden zu sein bringt ihm also nichts.

Denn er ist nicht im Flugzeug, er ist in einem Hinterhof irgendwo in Tokio, es ist Sommer, er hat frei, sie sind nicht auf Tour, er ist hier mit seinen Freunden, seine Freunde sind im Club, sie tanzen und rauchen und feiern, der Bass vibriert selbst hier draußen noch durch seinen Körper, und er ist hier auf dem Boden und neben ihm liegt eine fast ungerauchte Zigarette, warum hat er keine dabei, wo sind seine Zigaretten, hat Soonho sie, er hat sie bestimmt, bestimmt könnte er atmen wenn Soonho hier wäre und ihm eine Zigarette anzünden würde, Gott, er würde wirklich gerne rauchen. Der Gedanke an angenehmen kalten Rauch in seinen Lungen lässt ihn schwindelig werden, er muss sich anlehnen, alles dreht sich im Kreis, alles dreht sich und dreht und dreht.

Wenn er sich nur irgendwo festhalten könnte.

Ein weißer, durchdringender Schmerz schräg hinter seinem Ohr zieht ihn zurück und für einen Moment ist alles komplett klar. Er ist gegen ein Geländer gestoßen. Er sitzt auf einer Treppe. Ein dumpfes Pochen breitet sich auf seinem Hinterkopf aus, dort, wo er gegen das Geländer gestoßen sein muss; außerdem schmerzt sein Knie, vielleicht hat er es aufgeschrammt, aber er kann sich nicht daran erinnern.

Sie werden ihn rügen dafür, dass er kurze Hosen angezogen hat, aber es ist so warm, es ist zu warm, ihm ist zu warm, sein Kopf schmerzt und ihm wird übel und plötzlich ist da wieder die Decke, aber diesmal fühlt sie sich an wie jemand, der auf seiner Brust steht und der im Takt des Basses schwerer wird, oder vielleicht auch im Takt seines Herzschlags, den er so deutlich im Kopf spürt, als sei sein Herz dort und nicht in seiner Brust.

Wie könnte es auch in seiner Brust sein, da ist doch gar kein Platz, so lange jemand so schwer dort drauf steht, und wenn dort schon kein Platz ist für seine Lungen und für all die Luft, die er so dringend braucht, wie sollte dann dort noch Platz sein für sein Herz?

Es pocht und pocht und pocht und ihm wird kalt, aber es ist keine angenehme Kälte, nicht die Kälte, die er braucht, um nicht durchzudrehen, hier draußen auf den schmutzigen Steinen und dem Geländer und den Zigaretten und der Asche und den Glasscherben; vielleicht sind es Glasscherben in seinem Knie, vielleicht wird er an einer Blutvergiftung sterben, wenn er nicht sowieso erstickt hier draußen, erstickt im Takt von irgendeinem Lied, zu dem seine Freunde im Club tanzen, während er benommen und gegen eine heißkalte Welle von Schwindel ankämpft.

Er krallt die Finger in die kurze Hose und kratzt sich dabei selbst über die Beine, über große schwarze Buchstaben auf seinen Beinen, die vor seinen Augen verschwimmen, obwohl er doch genau weiß, was dort geschrieben steht. Es klingt fast schon höhnisch – „einatmen“, einatmen, genau das will er doch, einfach einatmen; warum ist es so schwer, wenn es doch in so großen Buchstaben auf seinem Bein steht.

Er möchte die Buchstaben verwischen, weil sie ihn verspotten, aber es geht nicht, sie bleiben dort, egal, wie oft er darüber wischt, nur bekommen sie einen roten Kranz, den er nicht spürt, weil der Bass und sein Herz in seinem Kopf viel zu laut hämmern. Viel zu laut und zu schnell, und immer lauter und schneller, weil er zu schnell atmet.

Er atmet? Er atmet, er atmet, aber es fühlt sich falsch an, als würde die Luft nicht von seinem Hals zu seinen Lungen gelangen, und was bringt ihm denn jegliches Atmen, so lang es falsch ist. „Ausatmen“ steht auf seinem anderen Bein, spiegelverkehrt, und er möchte lachen darüber, aber es geht nicht, genauso wenig, wie er ausatmen kann, so lang er nicht einatmet.

Seine Beine sind nutzlos, sein gesamter Körper ist nutzlos, sein Herz schlägt zu schnell; wie kann ein Herz so schnell schlagen ohne Luft? Es schlägt schneller als der Bass im Club hinter ihm, viel schneller, und dann hört er es nicht mehr, sein eigenes Herz, er hört nur noch den Bass dröhnend laut in seinen Ohren und seinem ganzen nutzlosen Körper mit seinen ganzen nutzlosen Tipps wie „einatmen“ und „ausatmen“, als würde die ganze Welt nur noch aus Bass bestehen und als müsste jeden Moment ganz Tokio davon aufwachen.

„Jiyong?“, fragt jemand zögerlich hinter ihm, und der Bass wird wieder leiser und obwohl er ihn immer noch dumpf wie aus der Ferne bis in die Fingerspitzen spüren kann, fühlt er sich plötzlich leichter.

„Hier bist du also.“

Es ist Soonho. Natürlich ist es Soonho, denn der wird schließlich dafür bezahlt, auf ihn aufzupassen und ihn an die Hand zu nehmen wie ein kleines Kind, das man keine Minute alleine lassen darf, weil es dann nach draußen rennt und sich die Knie aufschürft und sich den Kopf anschlägt.

Soonho setzt sich langsam neben ihn auf die Treppe, nicht zu nah, aber auch nicht zu weit entfernt, und seufzt.

Jiyong weiß genau, was er an seiner Stelle sagen würde; er hat es alles schon gehört, und alles schon selbst gedacht.

(Was, wenn dich jemand so fotografiert?)

(Was, wenn dich jemand filmt?)

(Wieso kommst du nicht zu mir, wenn es dir schlecht geht?)

„Ich musste raus“, will er sagen, aber er atmet zu schnell, es klingt wie ein Schluchzen, er weiß nicht, ob Soonho ihn verstanden hat, und alles, was er tun kann, ist sich weiter in den Stoff seiner Hose zu verkrallen und wieder und wieder die Schrift auf seinen Beinen zu lesen.

Einatmen. Ausatmen.

Es funktioniert besser, wenn er nicht alleine ist. Warum wollte er alleine sein? Hinter ihm im Club sind seine Freunde, sie tanzen und rauchen und feiern und–

„Du musstest raus?“, fragt Soonho neben ihm ganz ruhig, und mehr nicht. Keine Anschuldigungen, keine Horrorszenarien. Sie haben in zehn Jahren alle dazugelernt.

Das Pochen in seinem Kopf hört nicht plötzlich auf, nur, weil er nicht mehr alleine ist, und der dröhnende Bass diktiert weiterhin den Rhythmus seines Herzschlags, aber Soonho atmet laut und gleichmäßig und hebt damit Stück für Stück den schweren Fuß von Jiyongs Brust, die erdrückende Decke von seinen Schultern.

Einatmen.

Ausatmen.

Was bleibt, ist ein dreckiges Gefühl von Hilflosigkeit, Abhängigkeit, von Scham und Wut und verpassten Gelegenheiten. Soonho ansehen kann er nicht.

Einatmen.

Er löst die verkrampften Hände von seinen Hosenbeinen und streicht den Stoff glatt, als würde das alle Spuren verwischen. Die schwarze Schrift auf seinen Beinen sieht er trotzdem noch – eine bleibende Erinnerung, für immer.

Ausatmen.

„Ich bring‘ dich in’s Hotel“, sagt Soonho, als Jiyong aufsteht und sich den Staub des Hinterhofs von der Hose klopft.

„Nein“, antwortet er.

Hinter der Tür dröhnt der Bass in einem neuen Rhythmus.

Date: 2016-07-04 04:44 am (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
Lemme quote you something real quick

"MIMIMI ICH WEISS NICHT WAS PASSIEREN SOLL ALLES DOOF"
-ayawinner, BEING A LYING LIAR WHO LIIIIIIES


DAS IST SO SO SO SOOOOOOO GUT GEWORDEN MOAAAAAAH ICH WEISS GAR NICHT WO ICH ANFANGEN SOLL ICH WÜRDE DIR AM LIEBSTEN DIE GANZE FIC ZURÜCKZITIEREN ABER DAS WÄR JA ALBERN AHAHAH...

BUT WHY NOT

, sie legt sich wie eine viel zu schwere Decke auf seine Schultern und seine Brust, sie zieht ihn nach unten auf den verdreckten Boden zwischen weggeworfene Zigaretten und Glasscherben, wo er glaubt, Staub einzuatmen,

ERSTER SATZ UND DU HAST MICH SCHON :)) Omggg, ich liebe diese Art von Bildern ja, WIE DU WAHRSCHEINLICH WEISST HHÖHÖHÖ, ABER DAS HIER IST SOO SOOOOOO GUT vor allem, weil du es später immer nochmal wiederholst, was dieses ganze beklemmende Gefühl unterstreicht, EINS PLUS MIT STERNCHEN!!!!!!!!11111

Generell die ganze Art der Gedankengänge, die ihm immer wieder entgleiten und hin und her springen ist super, wie als er übers Flugzeug nachdenkt und dann später einen Moment braucht, um zu bemerken, dass er sich den Kopf gestoßen hat und kjdajfd DAS IST SUPER DU HAST ES SO GUT EINGEFANGEN MOAAAAAH.

vielleicht wird er an einer Blutvergiftung sterben, wenn er nicht sowieso erstickt hier draußen, erstickt im Takt von irgendeinem Lied, zu dem seine Freunde im Club tanzen, während er benommen und gegen eine heißkalte Welle von Schwindel ankämpft.
ER LEIDET SO WUNDERVOLL die olle verdammte Dramaqueen ER LEIDET AM ALLERSCHÖNSTEN VON ALLLEN, DER KLEINE PUSCHEL ;____;

auf ihn aufzupassen und ihn an die Hand zu nehmen wie ein kleines Kind, das man keine Minute alleine lassen darf, weil es dann nach draußen rennt und sich die Knie aufschürft und sich den Kopf anschlägt.
HMM JAAAAH, ME LIKEY, typical Jiyong "UGH ALL MY FRIENDS HAAAAATE MEEEE I AM A STUPID CHILD WÄÄÄHWÄÄÄH" ACH GOTT ERS DER ALLERÄRMSTE WÄÄH.


„Ich musste raus“, will er sagen, aber er atmet zu schnell, es klingt wie ein Schluchzen,

KJSDKSJDk ICH WILL IHN IN DEN ARM NEHMEN DEN IDIOTEn, DENN JA WARUM TUT ER SICH DAS AN, WENN ER ZIG LEUTE UM SICH RUM HAT, SUCH DIR HILFEEEEEE AHHHHH DIESER ARME TROTTEL WÄÄÄÄÄH ;_;

Die schwarze Schrift auf seinen Beinen sieht er trotzdem noch – eine bleibende Erinnerung, für immer.
OMGGG DAS HIER GEFÄLLT MIR AUCH SO GUT!!! Einfach weil du das Bild so schön rumdrehst und die "hilfreichen Tipps 101"-Tattoos in ein Mahnbild verwandelst, UHGGHG JIYONG ALL THAT SELF-HATRED AHHHH!!

Was bleibt, ist ein dreckiges Gefühl von Hilflosigkeit, Abhängigkeit, von Scham und Wut und verpassten Gelegenheiten. Soonho ansehen kann er nicht.
ALL. MEINE. GEFÜHLE. HIER SIND SIE, TAUSCH SIE EIN BEIM KOBOLD DEINER WAHL GEGEN GOLD ICH KANN NICHT SKDJLSKFDSJ ER TUT MIR SO LEID UND ICH WILL IHN SCHÜTTELN UND IHM SAGEN DASS ALLES GUT IST UND ER DOCH FREUNDE HAT UND IHN ALLE DOLLE LIEBHABEN AHHHH!!!!!!!!!

Okay jetzt hab ich doch die ganze Fic zitiert, WHOOPSIE :))) Aber was ich sagen wollte: ja, doch, sehr gut gemacht, sehr solide, hmm hmm, jaaa, jawohl :)))

und wenn du beim nächsten Mal nicht weiterkommen solltest, dann werde ich dir die Fic hier anklagend vorhalten, VIELLEICHT TÄTOWIERE ICH SIE DIR AUCH AUF DIE OBERSCHENKEL MAL GUCKEN DAMIT DU SIE IM BLICK HAST :)

Date: 2016-07-04 08:50 pm (UTC)
servena: (Default)
From: [personal profile] servena
Also hinter Nessaniels Kommentar kann ich ja nur zurückstehen, aber ich sag's trotzdem: I like! :D Du hast seine Eindrücke wirklich sehr gut rübergebracht.

(Damn, ich sollte endlich aufhören, andere Teams zum Schreiben zu motivieren.)

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